Einleitung in die Chemie

  • Franz Hoffschildt

Zusammenfassung

Nachdem wir bisher uns möglichst gründlich über die Vor kommnisse im praktischen Dienst unseres Faches informiert haben, wollen wir nunmehr die bisher noch wenig berücksichtigten fachlichen Wissenschaften in den engeren Kreis unserer Lernthätigkeit ziehen. Da treten wir denn in erster Reihe in nähere Bekanntschaft zu der Chemie, einer Wissenschaft, welche uns lehren soll, unsere Aufmerksamkeit auf die Vorgänge in der Natur zu richten. Wenn wirzum erstenmale ein chemisches Laboratorium betreten, so werden uns die vielen dort aufgestellten Apparate furchtbar imponieren; wir werden den- Laboranten, welcher durch Vermischen zweier farblosen Flüssigkeiten — Natronlauge und Phenolphtalein, einen Theerfarbstoff — eine blutrote Lösung, welcher aus fade schmeckender Stärkelösung durch Kochen mit einer Säure einen süssschmeckenden Zuckersaft vor unseren Augen herstellt, als einen Hexenmeister ansehen und seine Zauberkunst gebührend bewundern. Was aber sind all diese unserem Menschenverstand so imponierenden Kunstleistungen gegenüber dem erhabenen Walten der Natur, wo jeder Tag mit seinem neuen Leben uns Leistungen derselben darbietet, wie sie das bestgeleitete Laboratorium kaum fertig bringen kann. Leben ist Leben! Jeder Atemzug des neugeborenen Menschen, jedes Aufspriessen eines neuen Pflanzenhalmes sind lebendige Zeugen der nie rastenden Thätigkeit der Naturkraft, die in der chemischen Umwandlung der Naturstoffe geradezu Wunderbares leistet, und deren Thätigkeit eben Leben, deren Nichtbethätigung das Sterben bedingt.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1901

Authors and Affiliations

  • Franz Hoffschildt
    • 1
  1. 1.Drogenhandlung E. Stoermer’s Nachf.BreslauDeutschland

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