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Infektionskrankheiten

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Zusammenfassung

Unter Infektionskrankheiten versteht man akut oder chronisch verlaufende Krankheiten, deren Ursache auf die Anwesenheit bestimmter belebter Erreger in dem Organismus zurückzuführen ist. Diese sind teils wie die Bakterien (Spaltpilze) pflanzlichen, teils wie die Protozoen (Malariaplasmodien, Spirochäten, Trypanosomen usw.) tierischen Ursprungs Unter den zahllosen auf der Erde vorhandenen Bakterien bilden die krankheitserzeugenden Keime nur einen kleinen Teil derselben. Diese sog. pathogenen Keime dringen in der Regel von außen durch bestimmte natürliche Eintrittspforten oder durch Wunden in den Körper ein. Doch gibt es hiervon Ausnahmen, indem gelegentlich auch Keime, die bis dahin in bestimmten Organen als harmlose Saprophyten ein sozusagen physiologisches Dasein führten, durch Übergreifen auf andere Gebiete zu pathogenen Keimen werden können. Ein Beispiel für eine derartige „Selbstinfektion“ bildet das im Darm des Gesunden regelmäßig vegetierende Bacterium coli, das nach Verlassen seines normalen Aufenthaltsortes zu einem typischen Krankheitserreger (Pyelitis, Colisepsis) werden kann.

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Notes

Literatur

  1. 1.
    So erkranken z. B. Angehörige wilder unzivilisierter Völker seltener an septischen Erkrankungen; das Fleckfieber erzeugt bei Naturvölkern seltener die schweren nervösen Störungen als beim Zivilisationsmenschen mit seinem differenzierteren, empfindlicheren Nervensystem u. a. m. ’Google Scholar
  2. 2.
    Auf der anderen Seite scheinen die Bakterien für die Keimträger selbst, wie man jetzt annimmt, in manchen Fällen insofern von Nutzen zu sein, als sie letztere auf dem Wege der sog. latenten Durchseuchungl (auch „stilleFeiung“ genannt) gegen die Erkrankung schützen, wofür übrigens auch der Nachweis von Schutzstoffen im Blut derartiger Individuen zu sprechen scheint. Beachtenswert ist ferner, daß nach neueren Erfahrungen dem Ausbruch einer Epidemie ein Anstieg der Zahl der Keimträger vorausgeht, woraus deren ursächliche Bedeutung für Epidemien erhellt.Google Scholar
  3. 3.
    Es handelt sich dabei zum Teil um rein mechanische Verschleppung von Ansteckungsstoffen, z. B. durch Fliegen, die mit infektiösem Material in Berührung kommen und dasselbe auf Lebensmittel übertragen (Typhus, Ruhr usw.). Wichtig ist ferner die Tatsache, daß blutsaugende Insekten wie die Moskitos, die Läuse, die Wanzen bestimmte Keime, die sie durch Stechen eines kranken Menschen oder Tieres mit dessen Blut in sich aufnehmen, als „Zwischenwirt“ beherbergen und dieselben in virulentem Zustand durch ihren Stich auf gesunde Individuen übertragen. Es hat sich gezeigt, daß diese Erreger, die einen doppelten Entwicklungszyklus haben, in der Regel sich im Menschen ungeschlechtlich vermehrenGoogle Scholar
  4. 4.
    Letztere als Höhereinstellung der Wärmeregulation definiert, beruht auf gesteigerter Erregung und Erregbarkeit der wärmeregulatorischen Zentren imZwischenhirn (s. S. 620) und erklärt sich aus dem Mißverhältnis zwischen Wärmebildung und Wärmeabgabe, von denen erstere die chemische, letztere die physikalische Wärmeregulation darstellt. Die Wärmebildung, deren Sitz hauptsächlich die Leber, die Nieren und die Muskeln sind, ist erhöht. Die Wärmeabgabe ist bei ansteigendem Fieber infolge von Kontraktion der Hautgefäße und Verminderung der Schweißbildung herabgesetzt. Stoffwechsel bei Fieber s. S. 538.Google Scholar
  5. 1.
    Übrigens gilt die Regel, daß einem bestimmten Erreger immer ein bestimmtes Krankheitsbild entspricht, keineswegs ohne Ausnahme weder beim Menschen (vgl. z. B. den Paratyphus), noch in dem hier so wichtigen Tierexperiment; beim Kaninchen bewirken z. B. verschiedene Trypanosomen wie das der Schlafkrankheit, der Tsetsekrankheit usw. annähernd die gleichen Krankheitsbilder.Google Scholar
  6. 2.
    Jedoch ist dabei nicht zu vergessen, daß selbst der Nachweis eines Erregers nur dann diagnostischen Wert beansp-uchen kann, wenn gleichzeitig das ganze Krankheitsbild dabei genügende Berücksichtigung findet Man denke z. B. an den Fall, daß ein Tvphusbacillendauerausseheider an Diphtherie erkrankt. Hier sind die Typhusbarillen für das Krankheitsbild völlig bedeutungslos.Google Scholar
  7. 3.
    Das Gesetz von der Konstanz der Bakterienarten wird nicht durch die neuerdings viel studierten Variationserscheinùngen der Bakterien erschüttert. Beispiele wie die Umzüchtbarkeit von pathogenen Diphtheriebacillen in atoxische Pseudodiphtheriebacillen oder die Umwandlung von hämolytischen in grünwachsende Streptococcen sowie das klassische Paradigma, die Entstehung der harmlosen Kuhpockenvaccine aus dem Variolavirus vermögen das Gesetz nicht zu widerlegen, da es sich hierbei nur um Varianten eines Haupttypus handelt, der seinerseits konstant ist. Der Übergang einer derartigen echten Spezies in eine andere kommt hier ebensowenig wie im übrigen Pflanzen-und Tierreich vor 1.Google Scholar
  8. 4.
    In einzelnen Fällen handelt es sich von vornherein um gemeinschaftlichen Parasitismus zweier Erreger, der für ihre Existenz wahrscheinlich notwendig ist. Ein Beispiel ist die Angina Vincenti, bei der fusiforme Bacillen stets in Gemeinschaft mit Spirochäten auftreten. Manche Bakterien, wie z. B. die Influenzabacillen, bedürfen augenscheinlich für ihre Existenz der Gegenwart anderer Bakterien. Man nennt letztere Ammenbakterien.Google Scholar
  9. 5.
    So erklärt sich, daß bei Krankheiten, die durch das dem Typhusbacillus nahestehende B. coli hervorgerufen sind, Antikörper beobachtet werden, die auch Typhus-, eventuell auch Paratyphusbacillen agglutinieren (Cholecystitis, Pyelitis). Aus dem gleichen Grunde wird es verständlich, warum z. B. die serologische Unterscheidung der verschiedenen Ruhrbacillenarten oft auf Schwierigkeiten stößt. Dazu kommt noch gelegentlich das Phänomen der sog. heterologen Agglutination, bei der z. B. der Gärtnerbacillus von Typhusserum und umgekehrt agglutiniert wird.Google Scholar
  10. 1.
    Eine allergische Reaktion ist z. B. das Reagieren Tuberkulöser mit Fieber und Herderscheinungen auf die Injektion von Tuberkulin, gegenüber welchem tuberkulosefreie Individuen sich völlig indifferent verhalten. Die sich hierbei abspielenden entzündlichen Vorgänge hat man als hyper ergische Entzündungen bezeichnet und erblickt in ihnen einen Verdauungsvorgang gegenüber der eingedrungenen Noxe (R o e s s l e). Aus dem früher Gesagten wird ferner verständlich, daß nicht nur Bakteriengifte, sondern auch Eiweißkörper, soweit sie Antigene sind, Allergie zu erzeugen vermögen. Die Anaphylaxie hat bei Tieren, besonders Meerschweinchen. sehr charakteristische und schwere Erscheinungen zur Folge, wie Temperatursturz, Hautjucken, Krämpfe und Lungenödem. Sie wird oft diagnostisch verwertet (z. B. forensisch zur Unterscheidung verschiedener Fleischarten oder auch zur Differenzierung verschiedener Bakterientoxine). Die beim Menschen beobachteten anaphylaktischen Symptome sind weniger stürmisch und in der Regel ungefährlich. Ein Beispiel ist die Serumkrankheit (S. 79).Google Scholar
  11. 2.
    Daß aber auch bei der Chemotherapie die Verhältnisse komplizierter liegen, als der einfache Reagensglasversuch vermuten läßt, zeigt die neuerdings festgestellte Tatsache, daß z. B. Mäuse mit Streptococcensepsis, auch wenn diese auf chemotherapeutischem Wege geheilt wird, dennoch virulente Streptococcen weiter beherbergen; die Tiere sind somit zu Keimträgern geworden. Die Heilung erfolgte daher hier in der Hauptsache als Reaktionserscheinung des Organismus.Google Scholar
  12. 1.
    Der Begriff der Allergie beschränkt sich indessen nicht auf die Wirkung von Substanzen bakterieller Herkunft, sondern wird allgemein auf die genannte veränderte Reaktionsfähigkeit gegenüber den mannigfaltigsten körperfremden Agen-tien bezogen (vgl. Asthma bronchiale).Google Scholar
  13. 1.
    In Deutschland besteht seit dem 1. Januar 1939 eine reichsrechtliche Regelung in der Bekämpfung der Infektionskrankheiten. Hierzu gehört in erster Linie die Anzeigepflicht (die Anzeige hat innerhalb 24 Std. nach erlangter Kenntnis an das zuständige Gesundheitsamt zu erfolgen). Diese gilt einmal für die sog. gemeingefährlichen Krankheiten: 1. Lepra, 2. Cholera, 3. Fleckfieber, 4. Gelbfieber, 5. Pest und 6. Pocken sowie ferner 7. für Psittakose, weiter für folgende übertragbare Krankheiten: B. Kindbettfieber nach Geburt sowie nach Fehlgeburt, 9. Poliomyelitis acuta, 10. bakterielle Lebensmittelvergiftung (Botulismus, Enteritis infectiosa), 11. Milzbrand, 12. Paratyphus, 13. Rotz, 14. übertragbare Ruhr, 15. Lyssa (auch Bißverletzungen durch tollwütige oder tollwutverdächtige Tiere), 16. Tularämie, 17. Abdominaltyphus, 18. ansteckende Lungen-und Kehlkopftuberkulose, Tuberkulose der Haut und anderer Organe. Die Meldepflicht für diese Krankheiten erstreckt sich nicht nur auf Erkrankungs-und Todesfälle, sondern auch auf den Krankheitsverdacht. Bei den gemeingefährlichen Krankheiten (1–7) bietet das Gesetz die Möglichkeit, die Kranken und die Krankheitsverdächtigen (letztere für die Dauer der Inkubationszeit) zwangsweise zu isolieren. Meldepflicht nur für den Fall der Erkrankung und des Todes gilt für folgende Krankheiten: 19. Bangsche Krankheit, 20. Diphtherie, 21. Encephalitis epidemica, 22. Meningitis cerebrospinalis epidemica, 23. Pertussis, 24. Trachom, 25. Malaria, 26. Febris recurrens, 27. Scharlach, 28. Trichinose, 29. W eilsche Krankheit. Meldepflichtig sind schließlich die gesunden Keimträger bzw. Dauerausscheider der Erreger des Abdominaltyphus, des Paratyphus, der Ruhr und der bakteriellen Lebensmittelvergiftung; sie können der Absonderung und Beobachtung unterworfen werden. Nicht meldepflichtig sind Tetanus, Masern, Röteln, Windpocken, Erysipel, Grippe, Pneumonie sowie Mumps.Google Scholar
  14. 2.
    Auch das Desinfektionsverfahren ist gesetzlich geregelt. Gegenstand der Desinfektion sind im allgemeinen die Ausscheidungen des Kranken, die Verbandmittel, Waschwasser, Wäsche, Kleidung und Gebrauchsgegenstände des Kranken sowie das Krankenzimmer.Google Scholar
  15. 3.
    Sie sind häufig hämorrhagisch, bisweilen pustulös, nicht selten erythematös nach Art der akuten Exantheme. Die hämorrhagischen Formen bestehen teils aus zahlreichen purpuraartigen Petechien, teils aus größeren Blutungen bisweilen in Form von mit Blut gefüllten Blasen, die mitunter in runde Geschwüre übergehen, was namentlich bei Pyocyaneussepsis beobachtet wird. Frühzeitig auftretende Hämorrhagien sind teils toxischen, teils embolischen Ursprungs; im späteren Verlauf können sie besonders bei schwerer Anämie auch eine allgemeine hämorrhagische Diathese anzeigen. Bei Staphylococcensepsis beobachtet man oft Eruptionen von kleinen oder größeren akneartigen, manchmal pockenähnlichen Pusteln. Differentialdiagnostisch besonders wichtig sind ferner die häufigen scharlachähnlichen Ausschläge, besonders bei puerperaler Sepsis 1, ferner masern-artige und urticarielle Exantheme. In ihrem Aussehen und ihrer Flüchtigkeit ähneln sie oft den Exanthemen bei Serumkrankheit. Bei Meningococcensepsis treten mitunter fleckfieberartige Exantheme, bei Lentasepsis an den Fingerbeeren gelegentlich kleine rote Papeln auf. Auch größere subcutane Blutungen, die blauschwarz durch die Haut durchscheinen und oft zu tiefen Nekrosen führen, kommen vor (Staphylococcen). Ferner beobachtet man Efflorescenzen nach Art des Ery-thema nodosum sowie endlich eine erysipelähnliche Rötung ausgedehnter Hautbezirke, mitunter mit anschließender Zellgewebseiterung.Google Scholar
  16. 4.
    Die Augen zeigen als Sitz septischer Metastasen häufig multiple kleine, ophthaimoskopisch wahrnehmbare Netzhautherde, die teils aus hämorrhagischen, teïls aus weißen Flecken bestehen; sie treten auch bei benignen Formen auf und können dann wieder verschwinden. Bei der septischen Ophthalmie kommt es zu Vereiterung und Zerstörung des ganzen Bulbus. und im Naseneingang, was für die Krankheit besonders charakteristisch ist, ebenso wie die bisweilen zu beobachtende Eruption von Bläschen an den Fingern (speziell. bei Melkern).Google Scholar
  17. 1.
    Die Krankheitsdauer beträgt mehrere Wochen; der Verlauf ist in der Regel günstig; kleinen Kindern kann die Aphthenseuche gefährlich werden.Google Scholar
  18. 2.
    Die Unterscheidung der Krankheit gegenüber den ihr ähnlichen gewöhnlichen Stomatitiden, speziell der Stomatitis aphthosa stützt sich auf die Feststellung des fieberhaften Initialstadiums, das etwaige Vorhandensein von Bläschen auf der äußeren Haut bzw. an den Händen und daneben auf das gleichzeitige Bestehen der Seuche beim Vieh. Aphthae tropicae s. S. 381.Google Scholar
  19. 3.
    Die Prophylaxe besteht im Vermeiden des Genusses von rober Milch, in sorgfältiger Händedesinfektion aller mit erkranktem Vieh in Berührung kommenden Personen, strenger Isolierung verseuchter Ställe (Viehseuehengesetz) und Anwendung des Löffler-Uhlenhuthschen Schutzimpfverfahrens beim Vieh. Meldepflicht besteht nicht.Google Scholar
  20. 1.
    Die Aktinomykose ist eine beim Menschen seltene, bei verschiedenen Haustieren, namentlich beim Rind häufigere Krankheit. Sie entsteht durch den Strahlenpilz (Aktinomyces), der zu den Streptotricheen gehört und als solcher eine Mittelstellung zwischen Schimmel-und Spaltpilzen einnimmt.Google Scholar
  21. 2.
    Der Erreger findet sich im Eiter und bisweilen auch in anderen Ausscheidungen der Kranken wie Sputum, Faeces in Form kleinster, eben sichtbarer gelbgefärbter Körnchen. die an Jodoformkörner erinnern. Mikroskopisch erscheinen diese schon im ungefärbten Zustande als drusige Gebilde, die sich aus zahllosen radiär angeordneten Pilzfäden zusammensetzen, die in glänzende, birnen-oder keulenförmige Enden auslaufen. Im ungefärbten Präparat hüte man sich vor Verwechslung mit ähnlich aussehenden, aus Fett bestehenden Drusen. Wichtig ist der Nachweis zahlreicher verzweigter Fäden’. Stets sind gefärbte Präparate (Gramfärbung) zu untersuchen. Bei der Züchtung in Kulturen ergeben sich verschiedene, teils aerob, teils anaerob wachsende Arten.Google Scholar
  22. 3.
    Der Strahlenpilz erzeugt eine Wucherung von Granulationsgewebe, das zum Teil erweicht und alsdann von Höhlenbildungen durchsetzt wird. Zum Teil erfolgt eine derbe Bindegewebswucherung, die bisweilen eine Abkapselung des Herdes gegen die Nachbarschaft bewirkt.Google Scholar
  23. 4.
    Die Erkrankung beim Rindvieh bewirkt Geschwulstbildung an der Zunge, in der Mundhöhle und vor allem am Kiefer mit Auftreibung des Knochens, den sog. Kiefer-wurm. Die Aktinomykose des Menschen entsteht durch Eindringen von Fremdkörpern als Infektionsträgern, auf denen der Pilz saprophytisch vegetiert, speziell von Getreidegrannen, namentlich von Gerste, ferner von Stroh, Gräsern u. ä. Eintrittspforten sind meist die Gebilde der Mundhöhle, häufig cariöse Zähne, gelegentlich die Atmungsorgane, in vereinzelten Fällen der Magendarmtractus sowie die Haut.Google Scholar
  24. 5.
    Krankheitsbild: Bei der häufigsten Form, der Erkrankung der Mundhöhle, entstehen derbe Schwellungen am Kiefer ähnlich einer Periostitis sowie eine entzündliche Schwellung des Mundbodens mit brettharter Infiltration der darüber befindlichen geröteten oder bläulichroten Haut, namentlich in der Gegend der Kieferwinkel. Bei Erweichung des Infiltrates kommt es zur Bildung von Fisteln, aus denen sich Eiter mit den oben beschriebenen gelben Körnchen entleert. Bisweilen schließen sich Senkungsabscesse an, die ins Mediastinum hinabsteigen und unter Umständen auf die Lunge übergreifen.Google Scholar
  25. 6.
    Die primäre Aktinomykose der Lunge entwickelt sich meist in den Unterlappen unter Erscheinungen eines chronischen, schleichend verlaufenden bronchopneumonischen Prozesses. Unter mäßigem Fieber, das aber auch fehlen kann, Brustschmerzen, Husten und Auswurf, der gelegentlich etwas Blut enthält, entwickelt sich ein Bild, das in den Anfangsstadien einer Lungentuberkulose gleicht, zumal infolge von Gewebseinschmelzung auch hier mitunter Kavernen vorkommen.Google Scholar
  26. 1.
    Das Röntgenbild ist uncharakteristisch und entspricht demjenigen der Broncho-pneumonie bzw. der Tuberkulose. Im Sputum finden sich Aktinomycesdrusen. Sehr charakteristisch ist im weiteren Verlauf das Übergreifen des Prozesses auf die Pleura, das subpleurale Gewebe und die äußere Brustwand, wobei äußerst derbe Infiltrate entstehen, die zum Teil von Fistelgängen durchsetzt sind, die nach außen einen dünnflüssigen Eiter mit gelblichen Pilzkörnern entleeren. Beim Fehlen von Fisteln gelingt es oft durch eine Probepunktion charakteristischen Eiter zutage zu fördern. Oft besteht eine Mischinfektion mit Eiterbakterien. Während Heilung selten ist, verläuft die Mehrzahl der Fälle unter chronischem, bisweilen auf mehrere Jahre sich erstreckendem Siechtum tödlich. Mitunter greift der Prozeß auf die Wirbel und die Rippen über, die arrodiert und zerstört werden, ferner auf das Pericard; auch kommt es zum Fortkriechen in das retroperitoneale Gewebe mit ausgedehnten Eiterungen, Thrombosen usw.; Amyloidose ist eine häufige Folgeerscheinung.Google Scholar
  27. 2.
    Die intestinale Aktinomykose lokalisiert sich mit Vorliebe am Coecum und Wurmfortsatz und erzeugt dort derbe, höckerige, schmerzhafte Tumoren ähnlich einer chronischen Appendicitis, wobei aber die Neigung zu bald eintretender Verlötung mit den Bauchdecken und Infiltration derselben diagnostisch bedeutsam ist. Bei Erkrankung des Sigmas und Rectums treten ruhrartige Erscheinungen, ferner Darmstenosen, umschriebene Exsudate usw. auf. Auch die Darmaktinomykose hat oft einen sehr chronischen Charakter und wird mitunter erst durch plötzliche Exazerbationen, z. B. eine peritonitische Reizung entdeckt.Google Scholar
  28. 3.
    In einzelnen Fällen kommt es von einem lokalen Herde aus infolge von Durchbruch in die Gefäße zu einer m etas tati se h en Verschleppung des Strahlenpilzes in die verschiedensten Organe, u. a. auch in die Haut.Google Scholar
  29. 4.
    Die Prognose richtet sich vor allem nach der Art der Lokalisation; am günstigsten ist sie bei Aktinomykose der Haut und des Gesichtes. Auch sonst besteht eine gewisse Neigung zur Spontanheilung. Bei fortgeschrittenen Fällen mit starker Eiterung und ausgedehnten Zerstörungsprozessen ist die Prognose ungünstig.Google Scholar
  30. 5.
    Therapeutisch kommt bei kleineren und leicht zugänglichen Herden in erster Linie die operative Beseitigung derselben in Frage. In den anderen Fällen hat energische Jodbehandlung (2,0–6,0 Jodkali täglich), mitunter auch Röntgenbestrahlung Erfolg.Google Scholar
  31. 1.
    Die Trichinella spiralis ist ein kleiner Wurm, dessen Larve (Dauerform) als „Muskeltrichine“ in den Muskeln des Schweines eingekapselt lebt und als solche gegen äußere Einflüsse wie Räuchern, kurze Erhitzung, Kälte usw. sehr widerstandsfähig ist. Das Schwein infiziert sich von der Ratte, dem Wirt der Trichine 1. in den Magen des Menschen gelangt, werden die Trichinen in ulge der Verdauung der Hülle frei, entwickeln sich in 2–3 Tagen zu geschlechtsreifen „Darmtrichinen”, fadenförmigen 1,5 (d“)-3,0 (y) mm langen VV ürmern, die sich begatten und während ihres Aufenthaltes im Dünndarm (auf die Dauer von etwa 5 Wochen) vom 5.-7. Tage ab eine sehr zahlreiche junge Brut hervorbringen. Die Darmtrichinen bohren sich in die Darmschleimhaut und setzen ihre 0,15 mm langen Embryonen in den Chylusgefäßen ab, von wo sie auf dem Lymphwege dem Blute zugeführt werden. Sie wandern in die quergestreiften Muskeln, und zwar in deren Primitivbündel ein, wo die Parasiten unter Entzündungs-und Zerfallserscheinungen des Muskels sich spiralig einrollen und vom 6. Monat ab sich mit einer Kalkhülle umgeben. Die spindelförmigen Kapseln sind als grauweiße Punkte mit bloßem Auge eben erkennbar.Google Scholar
  32. 2.
    Krankheitsbild: Die ersten Krankheitserscheinungen, die auf die Anwesenheit der Darmtrichinen zurückzuführen sind und 3–4 ’Tage nach Genuß von trichinösem Fleisch beginnen, sind Übelkeit; Erbrechen, Koliken, Durchfälle, bisweilenGoogle Scholar

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1941

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität BerlinDeutschland
  2. 2.Horst Wessel-Krankenhaus im Friedrichshain BerlinDeutschland

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