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Die Sonne heizt

  • Heinrich Ficker
Part of the Verständliche Wissenschaft book series (VW, volume 15)

Zusammenfassung

Warum geht es in unserer Lufthülle so unruhig zu? Warum ist kein Zustand von längerem Bestand, warum das Wetter so wechselvoll? Warum sind die Änderungen so rasch, unvergleichlich rascher und ausgreifender als die Änderungen in der festen Erdkruste, als jene in der Wasserhülle unserer Erde? Das alles hat seinen Grund darin, daß die Luft ein leichtes Gasgemisch ist, dessen Teilchen leicht gegeneinander verschiebbar sind und das auch durch kleinste Kräfte in steter Bewegung erhalten wird. Wäre die Sonne ein ausgebrannter kalter Stern, so hätten wir in der Atmosphäre der Erde freilich nur die geringfügigen Bewegungen, die durch die Anziehungskraft der Sonne und des Mondes, also durch Gezeitenkräfte, wachgerufen werden. Solche Bewegungen gibt es in unserer Lufthülle, aber sie sind außerordentlich klein und würden für sich allein der Beobachtung sich entziehen. Alles das, was wir als Wind, also als Versetzung von Luftmassen wahrnehmen, ist letzten Endes auf die Wärmezufuhr von der Sonne zur Erde, auf den Luftaustausch zwischen warmen und kalten Teilräumen unserer Atmosphäre zurückzuführen. Die Wärmestrahlung der Sonne ist es, durch die die atmosphärische Maschine in Gang gesetzt wird, und zwar in einen sehr verwickelten und wechselvollen Gang, weil der Wärmestrom, der von der Erdoberfläche aufgefangen wird, im allgemeinen in niedrigen Breiten viel größer ist als in hohen Breiten, weil ferner am gleichen Orte die zugestrahlte Wärmemenge wegen des jahreszeitlich verschiedenen Hochstandes der Sonne schwankt und weil die Wirkung der Sonnenstrahlung auf die Erdoberfläche und die Rückwirkung der erwärmten Erdoberfläche auf die Lufthülle auch davon abhängig ist, ob der bestrahlte Oberflächenteil dem festen Land oder dem Meere angehört. Denn die Heizung unserer Lufthülle geht der Hauptsache nach so vor sich: Von der Sonne geht ein Wärmestrom zur Erde, der die Atmosphäre durchsetzt, ohne dabei letztere beträchtlich zu erwärmen; er erwärmt vielmehr die Erdoberfläche, von der aus dann die Luft ähnlich geheizt wird wie Wasser auf dem Herde, d. h. die Erwärmung erfolgt von einer wärmeren Unterlage aus. Zuerst geht von letzterer Wärme durch Leitung an die unterste Luftschicht über, die dadurch wärmer und leichter wird, so daß sie aufsteigt, die zugeführte Wärme in höhere Schichten mitnimmt und dadurch herabsinkender, kalter Luft Platz macht, die nun ihrerseits durch Leitung erwärmt wird — ein im einzelnen sehr verwickelter Erwärmungsvorgang, den man Erwärmung durch Konvektion nennt. So wie in dem Topf auf dem Herde das konvektiv erwärmte Wasser in regellosem Durcheinander wallt und brodelt, so sehen wir an einem heißen Sommertage über dem Boden das Flimmern der Luft, verursacht durch das Aufsteigen erhitzter und das Absteigen noch kühler Luft — ein Vorgang, der die Heizung durch den Boden bis in viel größere Höhen hinauf wirksam werden läßt, als es durch den einfacheren, aber viel langsameren Vorgang der Wärmeleitung allein möglich wäre.

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Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1952

Authors and Affiliations

  • Heinrich Ficker
    • 1
  1. 1.Universität WienWienÖsterreich

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