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Das Orientierungsvermögen

  • Karl v. Frisch
Part of the Verständliche Wissenschaft book series (VW, volume 1)

Zusammenfassung

Wir stehen vor einem großen Bienenhaus. Zwanzig Völker sind nebeneinander untergebracht, ein Stock sieht aus wie der andere. Tausende von Arbeitsbienen fliegen auf Tracht aus, pfeilschnell sausen sie davon, und die Heimkehrenden sieht man zielsicher und ohne Zaudern auf ihren Mutterstock zufliegen und im Flugspalt verschwinden. Wir fangen eine Biene ab, die eben nach Hause will, zeichnen sie durch einen Farbfleck, sperren sie in ein kleines Kästchen, wandern mit ihr eine halbe Stunde weit vom Bienenhaus weg und lassen sie fliegen. Ein Beobachter bleibt bei den Stöcken zurück — und berichtet uns, daß die gezeichnete Biene in ihren Stock geflogen ist, wenige Minuten, nachdem wir ihr die Freiheit wiedergegeben haben.

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Referenzen

  1. 1.
    Man kann durch Verwendung von Bleiweiß und Zinkweiß die verfügbaren Farben um eine vermehren. Die beiden „Weiß” sind für unser Auge gleich. Das Bleiweiß wirft aber die ultravioletten, für uns unsichtbaren Strahlen stark zurück, während das Zinkweiß sie verschluckt. Bleiweiß muß daher auch für die Bienen „weiß” aussehen, weil es alles für sie sichtbare Licht gleichmäßig widerstrahlt, Zinkweiß muß ihnen (ebenso wie die weißen Blumen, vgl. S. 68) „blaugrün” erscheinen. Tatsächlich haben Versuche ergeben, daß sie diese beiden weißen Anstrichfarben voneinander unterscheiden. — Von der Verwendung anderer weißer Anstrichfarben ist abzuraten, da sie das Ultraviolett weder völlig verschlucken noch ganz zurückwerfen. Wie sie dem Bienenauge erscheinen, ist schwer zu beurteilen. Die Mißerfolge mancher Imker mit weiß gestrichenen Kästen mögen auf solche Anstrichfarben mit unklarer Wirkung zurückzuführen sein. — Wahrscheinlich findet sich auch eine Anstrichfarbe, die den Bienen ultraviolett erscheint. Diese Frage bedarf aber noch der weiteren Klärung und praktischen Erprobung.Google Scholar
  2. 1.
    Die Biene wird gewiß nicht einige tausend Sternmuster getrennt wahrnehmen und ihre Veränderungen beobachten. Wie für unser Bewußtsein die Empfindungen, die von den einzelnen Sinneszellen der Netzhaut und von unseren zwei Augen geliefert werden, zu einem einheitlichen Raumbild verschmelzen, so werden wohl auch die Sternmuster der Bienenaugen von ihrem Gehirn zu einem verhältnismäßig einfachen Gesamteindruck verarbeitet werden, von dessen Beschaffenheit wir uns freilich keine Vorstellung machen können.Google Scholar
  3. 1.
    Die Versuche, aus denen dies hervorgeht, bildeten den ersten Nachweis für die Wahrnehmung polarisierten Lichtes durch das Bienenauge und sind auf S. 132 ff. besprochen.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1964

Authors and Affiliations

  • Karl v. Frisch
    • 1
  1. 1.Universität MünchenDeutschland

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