Advertisement

Zusammenfassung

Eine der für wissenschaftliche Erklärungen aufgestellten Adäquatheitsbedingungen lautete: Das Explanans muß mindestens ein Gesetz oder eine Theorie enthalten. Was aber ist das Kriterium der Gesetzesartigkeit kw. der Theorienartigkeit? Unter einer geset esartigen Aussage wollen wir dabei entsprechend einem Vorschlag von N. Goodman eine solche Aussage verstehen, die alle Merkmale eines Gesetzes besitzt außer evtl. dem Merkmal der Wahrheit. Von der Frage der Richtigkeit soll also abstrahiert werden. Da es einerseits viele wahre Aussagen gibt, die keine Gesetze sind, andererseits im Verlauf der Wissenschaft immer wieder Gesetze hypothetisch angenommen wurden, die sich zur Bestürzung der Wissenschaftler im nachhinein als falsch erwiesen, ist diese Abstraktion sicherlich berechtigt. Wahrheit ist weder eine hinreichende noch eine notwendige Bedingung der Gesetzesartigkeit. Das Analoge gilt von der Theorienartigkeit. Da das Problem in beiden Fällen analog ist und Theorien im Vergleich zu Gesetzen kompliziertere Gebilde darstellen, beschränken wir uns für die folgende Diskussion auf den einfacheren Fall der Gesetzesartigkeit. Wir bleiben dobei dessen eingedenk, daß das gesuchte Kriterium ebenso auf den komplexeren Fall anwendbar sein muß, daß es also ebenso die Unterscheidung von Gesetzen und Nichtgesetzen wie die von Theorien und Nichttheorien ermöglichen soll.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Referenzen

  1. 1.
    N. Goodman, [Forecast], III, S. 59ff. Vgl. auch I. Scheffler [Inductive Interference] und [Anatomy], S. 298ff.Google Scholar
  2. 2.
    Es sei daran erinnert, daß wir unter dem Antecedens der obigen universellen Hypothese den Teilausdruck „Ax“ und unter dem Konsequens den Teilausdruck „Bx“ verstehen.Google Scholar
  3. 3.
    Die hier vorgetragene Gedankenführung knüpft an die Überlegungen von N. Goodman an. Gegen die obige Behauptung sowie das vorgebrachte Beispiel könnte eingewendet werden, daß auch im akzidentellen Fall einige positive Instanzen die generelle Hypothese bestätigen, wenn auch in einem viel geringeren Grade als eine gesetzesartige Aussage durch diese positiven Instanzen bestätigt würde. Für die folgenden Betrachtungen lassen wir diesen potentiellen Einwand unberücksichtigt.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. für das Folgende auch die ausführlichere Diskussion der Gedanken Goodmans in W. Stegmüller, [Conditio Irrealis].Google Scholar
  5. 5.
    Der Leser beachte den genauen Wortlaut im Definiens dieses Prädikates. In den meisten Schilderungen der Theorie Goodmans wird diese Definition inkorrekt wiedergegeben. Insbesondere impliziert eine Aussage, wonach ein Objekt a grot sei, keineswegs eine Behauptung über einen Farbwechsel von a zu t 0 (vor t 0 grün, danach rot). Wurde a vor t 0 beobachtet und für grün befunden, so ist a grot und zwar auch dann, wenn a über t 0 hinaus bis ans Ende seiner Existenz grün bleibt. Und wurde a nicht vor t 0 auf seine Farbe untersucht, so ist a grot dann und nur dann, wenn es vor t 0 wie nach t 0 rot ist. Um für die Konstruktion dieses Belspiels unwesentliche Komplikationen zu vermeiden, nehmen wir an, daß Farbeigenschaften keine Augenblickseigenschaften, sondern dauerhafte Merkmale sind.Google Scholar
  6. 6.
    Man sollte von dem irrealen den subjunktiven Fall unterscheiden, bei dem der Sprechende es offenläßt, ob die durch A und K beschriebenen möglichen Sachverhalte Tatsachen sind oder nicht. Alltagssprachlich werden auch subjunktive Konditionalsätze gewöhnlich durch den grammatikalischen Konjunktiv ausgedrückt. Die erkenntnistheoretische Problemlage, insbesondere der Zusammenhang mit der Frage der Gesetzesartigkeit, ist dieselbe wie bei den irrealen Konditionalsätzen, so daß kein Anlaß besteht, in den folgenden Überlegungen diesen Fall besonders auszuzeichnen.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. insbesondere [Forecast], Teil I, S. 3ff.Google Scholar
  8. 8.
    Für eine genauere Erörterung vgl. VII.Google Scholar
  9. 9.
    Da dies keine endliche Gesamtheit ist, müssen wir diesmal wieder von der Klasse der relevanten Bedingungen ℜ statt vom Satz R sprechen.Google Scholar
  10. 10.
    Nordamerika soll natürlich den ganzen nördlichen Teil des Kontinents umfassen.Google Scholar
  11. 12.
    Unwahrheit dieser Satzklasse bedeutet Unwahrheit mindestens eines Elementes von ihr.Google Scholar
  12. 13.
    Nach Quine hat diese Methode der Elimination von Namen überdies den Vorteil, jene logisch-philosophischen Schwierigkeiten zu vermeiden, die bei der Verwendung von leeren Namen — d. h. von Namen wie „Pegasus”, zu denen das genannte Objekt nicht existiert auftreten. Doch sind diese weiteren Probleme für uns im gegenwärtigen Zusammenhang ohne Relevanz.Google Scholar
  13. 14.
    Vergleiche dazu Hempel, [Aspects], S. 341.Google Scholar
  14. 15.
    Vergleiche R. Carnap [Application].Google Scholar
  15. 16.
    Der Einwand, daß man auch die Bedeutungen rein qualitativer Prädikate nur durch beispielhafte Anführung einzelner Objekte erläutern kann und daß daher in jedem Fall eine Bezugnahme auf konkrete Objekte vorausgesetzt sei, wäre nicht stichhaltig. Entscheidend ist nämlich allein dies, ob ein Prädikat nur mit Hilfe von Objekten, die von vornherein bestimmt sind, charakterisiert werden kann. Um die Bedeutung von Prädikaten wie „blau“ oder „kalt“ zu erläutern, braucht man hingegen nicht von vornherein bestimmte Gegenstände dieser Art zu wählen, sondern kann die Erläuterung anhand beliebiger Objekte mit dieser Eigenschaft vornehmen.Google Scholar
  16. 17.
    [Forecast], S. 78f.Google Scholar
  17. 18.
    Es würde offenbar nichts nützen, sich statt auf die Definierbarkeit im formalen Sinn auf sogenannte „Definitionen durch Hinweis“ und auf das Erlernen der Prädikate zu beziehen. Wie sich der Leser leicht klarmachen kann, würde sich hier nur nochmals dasselbe Spiel wiederholen. Denn der den Gebrauch sprachlicher Ausdrücke Lehrende bzw. Lernende kann das Aufzeigen bestimmter farbiger Objekte entweder als ein Aufzeigen grüner und roter bzw. rüner und groter Gegenstände interpretieren. „Rot ist alles, was so aussieht wie dies da“ kann entweder vom Lehrenden oder vom Lernenden verstanden werden im Sinn von „rün ist alles, was so aussieht wie dies da“.Google Scholar
  18. 19.
    [Application].Google Scholar
  19. 20.
    Zu dieser Funktion vgl. den Anhang von R. Carnap [Probability] sowie Carnap-Stegmüller, [Induktive Logik], S. 223f.Google Scholar
  20. 21.
    Vgl. dazu R. Carnap, [Carnap], S. 966ff., insbesondere S. 978.Google Scholar
  21. 22.
    [Forecast], S. 20f.Google Scholar
  22. 23.
    Daß die Annahme von (3) als Gesetzeshypothese zu paradoxen Resultaten führen würde, kann man z. B. mit Hilfe eines geeigneten irrealen Konditionalsatzes zeigen. Es sei a ein Smaragd. Der Satz Ua ↝ Ra („wenn der Smaragd a sich in dieser Urne befände, so wäre er rot“) ist offenbar falsch. Mit Hilfe von (3) ließe sich dieser irreale Konditionalsatz aber begründen; denn aus Ua folgt durch Abschwächung UavBa und daraus mit Hilfe von (3): Ra. Wir hätten also das Konsequens aus dem Antecedens, und zwar sogar ohne Heranziehung weiterer relevanter Bedingungen, mit Hilfe von (3) deduziert.Google Scholar
  23. 24.
    N. Goodman, [Forecast], S. 84ff. Für eine detailliertere Skizze des Goodmanschen Lösungsversuches vgl. W. Stegmüller, [Conditio irrealis], insbesondere S. 380ff.Google Scholar
  24. 25.
    [Aspects], S. 343.Google Scholar
  25. 26.
    [Foundations], Kap. IX, A, S. 212ff.Google Scholar
  26. 27.
    In seiner Erwiderung auf die Kritik von J. C. Cooley in [Reply], S. 534.Google Scholar
  27. 28.
    Dieser Unterschied wird in dem zitierten Buch von N. Rescher nicht hinreichend berücksichtigt.Google Scholar
  28. 29.
    Die Erfüllung gewisser physikalisch-chemischer Bedingungen sei bereits in die Definition von “Streichholz” bzw. “A-Fläche” (Fläche mit den genau charakterisierbaren Eigenschaften an einer Streichholzschachtel) einbezogen worden.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1969

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Stegmüller
    • 1
  1. 1.Philosophisches Seminar IIUniversität MünchenDeutschland

Personalised recommendations