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Zusammenfassung

Das Hempel-Oppenheimsche Modell der wissenschaftlichen Erklärung hatte zu der prima facie sehr plausiblen Auffassung geführt, daß erklärende und prognostische Argumente in bezug auf ihre logische Struktur gleichartig sind. Der Gedanke des potentiell prognostischen Charakters von Erklärungen hat neben seinem systematischen Aspekt zweifellos eine große wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung. Den Pionieren der neuzeitlichen Naturwissenschaften, wie Galilei, Torricelli, Newton u. a. erschien die Tatsache, daß diese neuen Wissenschaften sich in so vorzüglicher Weise für Voraussagezwecke eignen, als Realisierung eines bislang unerfüllt gebliebenen Menschheitstraumes: ein Wissen um Künftiges zu erlangen. Zugleich erblickten sie darin das beste Zeugnis für die Überlegenheit der neuen Wissenschaft und der neuen Methode gegenüber der spekulativ vorgehenden Naturphilosophie, die es trotz ihres Anspruchs auf Tiefe und Überlegenheit nicht zu prognostisch verwertbaren Weisheiten gebracht hatte.

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Referenzen

  1. 1.
    Vgl. I. Scheffler [Prediction], Abschn. 1, und [Anatomy], Teil I, 3 und 4.Google Scholar
  2. 2.
    Mit dieser Terminologie bleiben wir weitgehend im Einklang mit der vorwissenschaftlichen Verwendung dieser Ausdrücke. Wenn Logiker häufig „Satz“ und „Aussage“ als gleichwertig gebrauchen (sofern sie nicht „Satz“ als Synonym für „Lehrsatz“ verwenden), so entfernen sie sich ziemlich stark vom alltäglichen deutschen Sprachgebrauch. Darin wird nämlich in der Regel „Satz“ als Bezeichnung für ein Abstraktum, „Aussage“ hingegen als Name für eine konkrete Äußerung verwendet. Einerseits spricht man z. B. von dem deutschen Satz Soundso, nicht hingegen von der deutschen Aussage Soundso. Andererseits berufen sich Verteidiger oder Staatsanwalt auf die Aussage des Zeugen N. N., nicht hingegen auf den Satz des Zeugen N. N.Google Scholar
  3. 3.
    C. G. Hempel [Versus], S. 117f.Google Scholar
  4. 4.
    [Versus], S. 102f.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. dazu auch I. Scheffler [Anatomy], S. 47ff.Google Scholar
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    Strenggenommen muß hier vorausgesetzt werden, daß ihm auch die Randbedingungen zwischen 214 und 192 v. Chr. bekannt waren bzw. daß das System innerhalb dieses Zeitraums als ein relativ abgeschlossenes System behandelt werden konnte. Analoge Bemerkungen gelten für die folgenden Fälle. Vgl. dazu I, 11.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. C. G. Hempel [Dilemma], S. 70f. Hempel benützt das Beispiel an dieser Stelle in einem anderen systematischen Zusammenhang, nämlich im Rahmen einer kritischen Diskussion des sogenannten Theorems von W. Craig, welches die funktionelle Ersetzbarkeit rein theoretischer Terme behauptet. Unter dem gegenwärtigen Gesichtspunkt wird dieses Beispiel von I. Scheffler in [Anatomy], S. 31ff. erörtert.Google Scholar
  8. 8.
    „Q1„ und „ Q2„ brauchen keine beobachtbaren Prädikate zu sein; dagegen muß die Beobachtbarkeit von den beiden Prädikaten „L“ und „N“ verlangt werden.Google Scholar
  9. 9.
    Dies ist keine Selbstverständlichkeit. In der Theorie von R. Carnap haben für eine weite Klasse von Bestätigungsbegriffen — nämlich für alle, die zum sogenannten λ-System gehören — Gesetze stets den Bestätigungsgrad 0, unabhängig davon, welche Erfahrungsdaten zur Verfügung stehen.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. z. B. [Soziologie], S. 317.Google Scholar
  11. 11.
    [Aspects], S. 368.Google Scholar
  12. 12.
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  13. 13.
    [Predictions], S. 181ff.Google Scholar
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    S. Toulmin [Forsight], S. 24f. und S. F. Barker [Simplicity]. 15 [Predictions].Google Scholar
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    Vgl. dazu auch Hempel [Aspects], S. 369ff.Google Scholar
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    a. a. O., S. 170.Google Scholar
  17. 18.
    Vgl. K. Mägdefrau [Paläobiologie] und R. Dehm [Vorzeit].Google Scholar
  18. 19.
    Vgl. auch die detaillierte Analyse des Sachverhaltes am Beispiel des durch intensive ultraviolette Bestrahlung hervorgerufenen Hautkrebses bei Hempel [Aspects], S. 373f. 20 [Aspects], S. 372.Google Scholar
  19. 21.
    In Stegmüller [Systematisierung], wurde stattdessen von der ontologischen Zeitrelation gesprochen.Google Scholar
  20. 22.
    P. Patel [Probleme], S. 7ff.Google Scholar
  21. 23.
    Zweifel können natürlich darüber auftreten, wo die Grenze zwischen „rational“ und „irrational“ zu ziehen ist. Dies läuft auf die Frage hinaus, was als Argument anerkannt werden kann und was nicht. Von dieser ganz anderen Dimension der Fragestellung soll im folgenden jedoch gänzlich abstrahiert werden.Google Scholar
  22. 24.
    Hier verwenden wir natürlich diesen Begriff als Explikandum, nicht als Explikat. Sofern wir eine Explikation des Unterschiedes zwischen Erkenntnisund Realgründen zur Verfügung hätten (sei es die eben angedeutete, sei es eine andere), so könnten wir einen allgemeinsten Begriff eines „bloßen Symptoms für ein X“ dadurch einführen, daß wir darunter einen Erkenntnisgrund für einen Schluß auf X verstehen, der nicht zugleich ein Realgrund für X ist.Google Scholar
  23. 25.
    Es würde für die folgenden Überlegungen hinreichend sein, nur die materiale Implikation von rechts nach links in (a) als gültig anzunehmen.Google Scholar
  24. 26.
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  25. 27.
    [Space and Time], S. 309f.Google Scholar
  26. 28.
    Für eine detailliertere Schilderung vgl. Stegmüller [Systematisierung], S. 20f.Google Scholar
  27. 29.
    [Versus], S. 109.Google Scholar
  28. 30.
    Da im vorliegenden Fall unter den Prämissen des Argumentes keine Sukzessionsgesetze vorkommen, handelt es sich hier bei der Prognose nicht darum, einen zum Zeitpunkt der Voraussage-Äußerung bzw. des VoraussageArgumentes noch nicht bestehenden Sachverhalt zu prognostizieren. Dieser Sachverhalt besteht vielmehr bereits zum Zeitpunkt der Äußerung. Vorausgesagt wird, daß die nachträgliche Prüfung mittels direkter Messung das Bestehen dieses Sachverhaltes bestätigt.Google Scholar
  29. 31.
    Die Frage nach den Gründen für die Höhe des Mastes ist zwar verhältnismäßig vage, doch sicherlich nicht so vage, daß man nicht mit Sicherheit sagen könnte, daß die geschilderte Deduktion keine Antwort auf diese Frage ist. Eine adäquate Beantwortung hätte vermutlich vor allem auf die Motive dafür einzugehen, daß ein Mast von gerade dieser Höhe von Menschen fabriziert und an dieser Stelle aufgestellt worden ist usw. Es würde sich also um einen Fall der Erklärung aus Motiven handeln.Google Scholar
  30. 32.
    „Enthält“ soll hier stets heißen „enthält wesentlich“. Sinngemäß gilt dasselbe für die anderen von uns verwendeten Verben.Google Scholar
  31. 33.
    Die Vorsichtsklausel „bislang“ fügen wir hier deshalb ein, weil sich in der Zukunft Hempels Vermutung als richtig erweisen könnte, daß die zu bloßen Vernunftgründen führenden Symptom-, Indikator- und Informationsgesetze ein bloßes Provisorium darstellen, das sich zu einer späteren Zeit auf kausale Gesetzmäßigkeiten i. e. S. reduzieren lassen wird.Google Scholar
  32. 34.
    Für einen Versuch zur systematischen Erörterung dieses Fragenkomplexes vgl. N. Goodman [About].Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1969

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Stegmüller
    • 1
  1. 1.Philosophisches Seminar IIUniversität MünchenDeutschland

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