Erythematöse, erythematosquamöse und papulöse Hauterkrankungen

  • Otto Braun-Falco
  • Gerd Plewig
  • Helmut H. Wolff

Zusammenfassung

Den hier abgehandelten Hauterkrankungen ist gemeinsam, daß sie klinisch-morphologisch gekennzeichnet sind durch erythematöse, erythematosquamöse oder papulöse Grundeffloreszenzen, ferner durch eine meist unbekannte Ätiologie.

Synonyme

Erythema e irritatione, Schamröte Konstitutionelle Gesichtsmaske Typus rusticanus (Moncorps) „Phenomenal flushing“ anfallsweise Rötungen „Red palms“ (rote Palmae) Toxisches Erythem der Neugeborenen Erythema neonatorum allergicum Urticaria neonatorum Allgemeinsyrnptome oder Krankheitsgefühl bestehen nicht Gelegentlich ist Bluteosinophilie nachweisbar „Ashy dermatosis“ Bei Entstehung von urtikariell elevierten Erythemen kann Jnckreiz vorhanden sein Manche Patienten haben subfebrile Temperaturen bei Entwicklung neuer Herde Erythema marginatum rheumaticum Erythema circinatum Staphylodermia superficialis circinata fünfte obligate kutane Paraneoplasie „necrolytic migratory erythema“ (engl.) Es besteht Diabetes mellitus Die BSG kann erhöht sein, und dies besonders in der Phase neuer Schübe Die Plasmaglukagonwerte sind erheblich gesteigert (normal 0,1–0,3 pg/ml) auf Werte von 850 bis 3000 pg/ml Vielfach besteht auch Gewichtsabnahme und therapieresistente Anämie Auch intermittierende Diarrhö mit Hypokaliämie Thrombosen und psychischen Störungen können auf ein Glukagonomsyndrom hinweisen Wichtig ist die Syntropie dieser Dermatose mit Pankreaskarzinomen die teilweise als α-Zellkarzinom Inselzellkarzinom oder Pankreaskopfkarzinom beschrieben werden In einem Fall konnte ein Kolonkarzinom in einem anderen eine chronische Pankreatitis festgestellt werden Gelegentlich treten Brennen und Spannung bei Entwicklung der Veränderungen auf auch Juckreiz kann Mäßig ausgepraägt sein Innerliche Begleiterkranknkungen werden meist nicht beobachtet Auf Syntropie mit Gicht und Arthralgien (ca,40% der Fälle) ist zu achten desgleichen auf Arzneiunvertraäglichkeit Es wird heute angenommen daß die nachfolgend Bezeichnungen die gleiche Erkankung in unterschiedlicher Ausprägung beinhalten: Syndroma muco-cutaneo-oculare acutum (Fuchs 1876) Ectodermose érosive pluriorificielle Fiessinger-Rendu-Syndrom (1917) Stevens-Johnson-Syndrom (1922) Dermatostomatitis (Baader 1925) Die Eruption der Hauterscheinungen verursacht zunächst keine sujektiven Beschwerden eventuell ist leichter Juckreiz vorhanden Wenn es zur Entwicklung von Blasen und Erosionen Kommt können entsprechende Beschwerden auftreten Die Hauterscheinungen heilen praktisch stets ohne Residuen ab manchmal allerdings mit länger bestehenden Hyperpigmentierungen Akutes febriles mukokutanes Lymphade-nopathiesyndrom mukokutanes Lymphknotensyndrom Erythema contusiforme Dermatitis contusiformis Je nach der Ätiologie sind die Prodrome gering oder fehlend Mit akutem Beginn der Erkankung bestehen Abgeschlagenheit Krankheitsgefühl Kopfschmerzen und mäßiges Fieber Krof- und Gelenkschmerzen können stark werden Auch diagnostisch wichtig ist die hohe Senkungsbeschleunigung Werte über 90 mm in der 1 Stunde sind nicht selten Neutrophile Leukozytose ist nicht uingewöhnlich Der AST ist bei Streptokokkeninfektion erhöht sonst normal Sweet-Syndrom Subjektive Symptome sind bedingt durch Druckschmerzhftigkeit und Spannung der stérker inflitrierten Herde Fieber kann ohne Behandlung über 1–2 Wochen bestehen bleiben BKS stark beschleunigt hohe Leukozytose mit 70–90 Relativprozent neutrophiler Leukozyten selten Nieren- order Gelenkbeteiligung Die Primärplaque erscheint gewöhnlich symptomlos Auch das folgende Exanthem verursacht meist keine Sensationen. Manche Patienten klagen allerdings über stärkeren Juckreiz besonders wenn ungeeignete Behandlungsversuche durchgeführt wurden Nur gelegentlich findet man leichte Temperaturerhöhung Abgeschlagenheit und geringe Vergrö?erung der Lymphknoten besonders auch im Zervikalbereich Die Mundschleimhaut bleibt stets frei interne Veränderungen und pathologische La-borbefunde sind nicht zu erwarten Patienten mit Psoriasis (besonders junge Menschen) sind oft durch die Hauterkrankung psychisch sehr stark belastet Die Mitmenschen empfinden die Hauterscheinungen als unästhetisch oder glauben daß sie ansteckend seien Vielfach werden solche Patienten in Sportstätten Schwimmbädern oder Kurbädern zurückgewiesen Arthritis psoriatica Arthropathia psoriatica Parapsoriasis en gouttes(Brocq) Parapsoriasis guttata Mucha-Habermannn-Syndrom Allgemeinsymptome fehlen meist gelegentlich Fieber Juckreiz besteht meist nicht papulonekrotische Effloreszenzen können schmerzhaft sein M.Brocq Erythrodermie pityriasique en plaques disséminées(Brocq) Subjektive Symptome fehlen meistens Gelegentlich besteht geringer Juckreiz M.Brocq im engeren Sinne Parapsoriasis en plaques — kleinherdiger Typ Xanthoerythrodermia perstans „chronic superficial dermatitis“ Parapsoriasis digitiformis Parapsoriasis lichenoides (Brocq) Lichen variegatus(Crocker 1900) Außer einer Neigung zur Exsikkation der Haut findet man keine Stoörung des Allgemeinbefindens Juckreit fehit Der Verlauf ist hochchronisch Die Erscheinungen Sprechen auf ötliche Behandlung nicht dauerhaft an Exanthematischer Lichen ruber, aber auch die anderen Lichen-ruber-Formen sind meist von stärkerem Juckreiz begleitet er kann aber in manchen Fällen auffälligerweise vollständig fehlen Das Jucken selbst ist insofern von besonderer Quali-tät als die Effioreszenzen nicht gekratzt oder zerkratzt sondern gescheuert werden. Daher sieht man gewöhnlich keine Kratzeffekte Kommt es doch zu Kratzeffekten so können sich infolge des isomorphen Reizeffekts dort wiederum strichförmig Lichenruber-Papeln entwickeln Juckreiz kann auch an Hautstellen auftreten an denen keine Hauterscheinungen vorhanden sind (,,dermatose invisible“) Allgemeinerscheinungen bestehen nicht Lichen-ruber-planus-artige Eruptionen Sommerpityriasis der Ellbogen und Knie (Sutton) „frictional lichenoid eruption“ (Waisman und Sutton 1966) „sandbox dermatitis“ (Hjorth et al. 1967) „dermatide du tobogan“ (Dupré et al. 1974) Infantile papulöse Adrodermatitis Gianotti-Crosti-Syndrom Kein Juckreiz Während der Dauer des Exanthems köNNEN subfebrile Temperaturen bestehen Neurodermitis circumscripta Lichen Vidal Die Acanthosis nigricans bewirkt bei allen ihren Formen nur dann subjektive Beschwerden wenn es zur Mazeration kommt und Juckreiz auftritt Bei Acanthosis nigricans maligna ist Juckreiz häufiger Gougerot-Carteaud-syndrom „papillomatose confluente et réticulée Schwitzneigung Subjektive Symptome fehlen mit Ausnahme der psychischen Belastung durch die langsam zunehmenden kosmetisch störenden Veränderungen Strophulus infantum Urticaria papulosa infantum Lichen urticatus Lichen simplex acutus (Vidal) Sehr starker Juckreiz in den Effloreszenzen die zerkratzt werden Urticaria papulosa chronica Prurigo simpiex acuta adultorum Strophuius adultorum Lichen Vidal urticatus Charakteristisch ist die Juckreizanamnese Regelmäßig geben die Patienten an daß frische Effloreszenzen quälend jucken und da? der Juckreiz sofort aufhört wenn die Effloreszenz „aufgekratzt ist und es blutet“ Es wird gewöhnlich nur die Effloreszenz zerkratzt nicht aber die umgebende Haut gekratzt Darin unterscheidet sich die Juckreizanamnese von derjenigen bei anderen juckenden Dermatosen wie bei Skabies atopischem Ekzem oder anderen Ekzemformen Es fehlen daher Kratzeffekte in klinisch gesunder Haut Neurotische Exkoriationen Nodulära Prurigo Im Vordergrund steht der sehr intensive Juckreiz der sich krisenhaft bis zur Unerträglichkeit steigern kann Starkes Kratzen der Effloreszenzen bedingt Erosionen seltener hämorrhagische Krusten und trägt zur Vergrößerung der Knoten bei. 

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1984

Authors and Affiliations

  • Otto Braun-Falco
    • 1
  • Gerd Plewig
    • 2
  • Helmut H. Wolff
    • 3
  1. 1.Ludwig-Maximilians-Universität MünchenMünchen 2Deutschland
  2. 2.UniversitätshautklinikDüsseldorf 1Deutschland
  3. 3.Medizinischen Hochschule LübeckLübeck 1Deutschland

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