Kausalitätsprobleme: Ursache und Wirkung Kausalgesetze. Kausale Modalitäten Kausale Erklärungen Das allgemeine Kausalprinzip Determinismus und Indeterminismus

  • Wolfgang Stegmüller
Part of the Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie, Wissenschaftliche Erklärung und Begründung book series (STEGMÜLLER SA, volume 1 / 3)

Zusammenfassung

Es erscheint als zweckmäßig, den Erörterungen dieses Kapitels einige Bemerkungen voranzuschicken:
  1. (1)

    Viele überlieferte und herkömmliche Diskussionen sind durch eine große Undeutlichkeit der verwendeten Begriffe und der Problemstellung gekennzeichnet. Dies mag zum Teil darauf beruhen, daß stillschweigend vorausgesetzt wird, es handle sich hierbei um ein einziges Problem, so daß die Verwendung des bestimmten Artikels als gerechtfertigt erscheint. So etwa wird der unklare Ausdruck „die Kausalität“ oder der nicht weniger undeutliche Term „die Kategorie der Kausalität“ eingeführt und gefragt, ob die Kausalität gelte, ob die Kategorie der Kausalität zu Recht angewendet werde etc. Solche Fragestellungen werden bisweilen auch „das Problem der Kausalität“ tituliert. Tatsächlich müssen wir jedoch eine ganze Reihe völlig verschiedenartiger Fragen auseinanderhalten. In einem ersten Schritt wird es daher darauf ankommen, diese Fragen zusammenzustellen. Wie sich zeigen wird, handelt es sich dabei zum Teil um Sinnfragen und zum Teil um Geltungsprobleme.

     
  2. (2)

    Zu der Undeutlichkeit der Auseinandersetzungen kommt hinzu, daß diese häufig nicht in einer wertneutralen Atmosphäre stattfinden, sondern daß die vertretenen Positionen mit moralischen oder weltanschaulichen Vorentscheidungen belastet sind.

     

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Referenzen

  1. 1.
    Die Tatsache, daß sowohl im Deutschen als auch in anderen Sprachen das Hauptwort “Folge” sowie das Verbum “folgen” sowohl im logischen als auch im nichtlogischen kausalen Sinn verwendet werden, mag die philosophische Konzeption begünstigt haben, daß es neben einer logischen Notwendigkeit auch eine spezifische Art von kausaler Notwendigkeit gibt.Google Scholar
  2. 2.
    Um sich nicht zu weit vom alltäglichen Sprachgebrauch zu entfernen, sollte der Begriff der Erklärung dabei nicht in dem früher eingeführten weiten Sinn der wissenschaftlichen Systematisierung genommen werden. Denn danach könnten einige Antecedensbedingungen zeitlich auf das Explanandum-Ereignis folgen. Will man daran festhalten, daß die Ursache niemals der Wirkung zeitlich folgen kann, so müßten also Fälle von reinen oder partiellen Retrodiktionen ausdrücklich ausgeschlossen werden.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. dazu auch R. Carnap [Physics], S. 194.Google Scholar
  4. 4.
    Für ein einfaches Beispiel hierfür vgl. I. Copi, [Introduction], S. 357.Google Scholar
  5. 5.
    a. a. O., S. 356.Google Scholar
  6. 6.
    [Physics], S. 191.Google Scholar
  7. 7.
    Daß die Humesche Analyse in diesem weiteren Rahmen gesehen werden muß, ist z. B. mit Recht hervorgehoben worden in A. H. Basson, [Hume].Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. dazu R. Carnap, [Physics], S. 201 f.Google Scholar
  9. 9.
    [Physics] S. 199f.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. dazu auch A. Pap [Erkenntnistheorie], S. 112.Google Scholar
  11. 11.
    [Physics], S. 202f.Google Scholar
  12. 12.
    Carnap, a. a. O., S. 203.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. [Carnap], S. 955 ff., [Physics], S. 208 ff.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. dazu den folgenden Abschnitt.Google Scholar
  15. 15.
    [Causal Propositions].Google Scholar
  16. 16.
    a. a. O., S. 370, (P11).Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. Z. B. [View], S. 139 ff.Google Scholar
  18. 18.
    D. Føllesdal, [Causal Contexts], insbesondere S. 264 und 265.Google Scholar
  19. 19.
    W. V. Quine, [Words], S. 197 f.Google Scholar
  20. 20.
    D. Føllesdal, a. a. O. S. 265.Google Scholar
  21. 21.
    a. a. U. S. 266–267.Google Scholar
  22. 22.
    a. a. O., S. 270–272.Google Scholar
  23. 23.
    D. Føllesdal, [Approach], S. 4.Google Scholar
  24. 24.
    H. Feigl, [Causality].Google Scholar
  25. 25.
    Denn nach dieser Definition wären alle während ihrer Existenzdauer nie ins Wasser gegebenen Objekte entgegen der Intention als in Wasser löslich zu bezeichnen.Google Scholar
  26. 26.
    [Versus], S. 108, Fußnote 10.Google Scholar
  27. 27.
    Es ist daran zu erinnern, daß sich bereits für die Newtonsche Theorie der Begriff des absoluten Raumes in die abstrakte unendliche Totalität der Inertialsysteme auflöste.Google Scholar
  28. 28.
    Dieses Beispiel wird von C. G. Hempel in [Versus], S. 108, gegeben.Google Scholar
  29. 29.
    R. Carnap, [Physics], S. 192: “Causal relation means predictability”.Google Scholar
  30. 30.
    Vgl. z. B. H. Feigl, [Causality], S. 417.Google Scholar
  31. 31.
    Der mathematische Sinn allein reicht sicherlich nicht aus. Wenn z. B. eine Funktion umkehrbar eindeutig ist, so existiert zu ihr die eindeutige inverse Funktion, und der Begriff der unabhängigen Veränderlichen wird zu einem relativen Begriff, dessen Bedeutung davon abhängt, ob man die ursprüngliche Funktion oder ihre Inverse betrachtet.Google Scholar
  32. 32.
    a. a. O., S. 108. Dieses Beispiel bezieht sich zwar auf den Fall der Anwendung eines Zustandsgesetzes, doch kann die prinzipielle Schwierigkeit gerade hier am besten erläutert werden. Nach dem obigen Vorschlag sollen ja auch gleichzeitig stattfindende Antecedensbedingungen, welche die pragmatische Voraussetzung erfüllen, Ursachen genannt werden.Google Scholar
  33. 33.
    Um eine Problemklasse handelt es sich, wenn man die verschiedenen schwächeren oder schärferen Formulierungsmöglichkeiten dieses Prinzips berücksichtigt.Google Scholar
  34. 34.
    Vgl. dazu etwa R. Carnap, [Physics], S. 218 ff. 35 Vgl. dazu G. J. Warnock, [Cause].Google Scholar
  35. 36.
    [Erkenntnistheorie], S. 138.Google Scholar
  36. 37.
    Vgl. dazu W. Stegmüller [Kausalität], S. 188.Google Scholar
  37. 38.
    Wenn die Teiche alle eine bestimmte endliche Größe haben, so ist diese Behauptumg natürlich anfechtbar. Zur Vervollständigung der Analogie wäre es daher notwendig vorauszusetzen, daß die Teiche jener metayphysischen Welt ein nichtendliches Ausmaß besitzen. Denn Existenzbehauptungen, die sich auf beschränkte Raum-Zeit-Gebiete beziehen, — wie etwa der Satz “in diesem Haus wohnt ein Mann, der über 90 Jahre alt ist” —, sind empirisch falsifizierbar.Google Scholar
  38. 39.
    R. Carnap, [Einführung], S. 198 ff. und S. 211 ff. Vgl. auch W. K. Essler, [Einführung], S. 173 ff.Google Scholar
  39. 40.
    “Abbildung in” besagt, daß nicht alle Elemente der Klasse als Bilder aufzutreten brauchen; “Abbildung auf” besagt, daß sämtliche Elemente der Klasse Bilder sind.Google Scholar
  40. 41.
    Vgl. Carnap, a. a. O., S. 149, D 36–2 und D 36–3.Google Scholar
  41. 42.
    Carnap, a. a. O., S. 203, D 4. In Essler, a. a. O. S. 177, wird diese Relation gemäß einer anderen von Carnap angedeuteten Möglichkeit unmittelbar axiomatisch charakterisiert.Google Scholar
  42. 43.
    Vgl. dazu E. Nagel, [Science], S. 280f.Google Scholar
  43. 44.
    Für Beispiele hierfür vgl. E. Nagel, a. a. O., S. 289.Google Scholar
  44. 45.
    Für eine eingehendere Schilderung dieser beiden Typen deterministischer Theorien und ihres Unterschieds vgl. E. Nagel, a. a. O., S. 285 ff.Google Scholar
  45. 46.
    Das Gesagte gilt im Prinzip für alle quantitativen Größen; denn es ist unmöglich, den Wert einer solchen Größe für beliebig viele Dezimalstellen in der Dezimalnotation zu bestimmen.Google Scholar
  46. 47.
    Diese Äußerung gilt nur cum grano salis. Es wird demgegenüber häufig die Ansicht vertreten, daß sich am Gesetzesbegriff überhaupt nichts geändert habe, sondern daß nur der klassische Begriff des physikalischen Zustandes einer Revision unterzogen worden sei. Auf eine Erörterung dieser Ansicht kommen wir weiter unten zurück.Google Scholar
  47. 48.
    Es möge aber ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß das im folgenden gegebene Bild möglicherweise anfechtbar ist. Der Grund dafür liegt im theoretischen Charakter der physikalischen Zustandsgrößen, die als durch die Grundgleichungen der Theorie “implizit definiert” zu betrachten sind. Vorläufig scheint es eine offene Frage zu sein, ob sich die letztere Deutung mit der Konzeption zweier theoretischer Schichten widerspruchsfrei in Einklang bringen läßt.Google Scholar
  48. 49.
    [Physics], S. 288.Google Scholar
  49. 50.
    Für eine verhältnismäßig einfache und durchsichtige Darstellung vgl. H. Reichenbach, Quantenphysik], S. 96.Google Scholar
  50. 51.
    Um den Sachverhalt in einer einfachen Weise zu verdeutlichen, könnte man versuchen, ein Analogon zum quantenmechanischen Zustandsbegriff sowie dem damit verbundenen Indeterminismus in der Sprache der diskreten Zustandssysteme zu konstruieren. Dies würde dann allerdings in einem wesentlich modifizierten Begriff des DS-Systems resultieren. Ein solcher Versuch soll im letzten Unterabschnitt skizziert werden.Google Scholar
  51. 52.
    L. De Broglie, Materie und Licht, New York, 1939, S. 230.Google Scholar
  52. 53.
    E. Nagel, [Science], S. 313 ff.Google Scholar
  53. 54.
    Darauf hat Karl Popper hingewiesen in [Propensity].Google Scholar
  54. 55.
    Wie E. Nagel, a. a. O., S. 298, hervorhebt, ist diese Deutung der Unschärferelation überhaupt problematisch. Trotz der Einwirkung des Meßgeräts auf das Elektron kann ja die Lage des Elektrons mit absoluter Präzision bestimmt werden. Ebenso ist der Impuls mit absoluter Präzision bestimmbar. Die Unschärferelation schließt es nach der Standardinterpretation nur aus, daß beide Werte gleichzeitig durch Messung genau bestimmt werden können.Google Scholar
  55. 56.
    a. a. O., S. 303f.Google Scholar
  56. 57.
    K. Popper behauptet zwar in dem zitierten Aufsatz, daß auch die subjektivistischen Deutungen der Wahrscheinlichkeit auf einer stillschweigende Anerkennung des Determinismusprinzips beruhen. Diese Annahme erscheint aber als höchst problematisch und wird vermutlich auch von den meisten heutigen “Subj ektivisten” unter den Wahrscheinlichkeitstheoretikern nicht akzeptiert werden.Google Scholar
  57. 58.
    The Journal of Philos., Bd. 42 (1945), S. 437–444, und Bd. 43 (1946), S. 247–250.Google Scholar
  58. 69.
    Nämlich die Schwierigkeit, eine erschöpfende Interpretation für die Quantenphysik zu geben, wonach nicht beobachtete Teilchen z. B. einen bestimmten Ort wie einen bestimmten Impuls besitzen, und dabei trotzdem nicht mit dem Empirismus in Konflikt zu geraten.Google Scholar
  59. 60.
    A. Pap hebt in [Erkenntnistheorie], S. 133, hervor, daß auch diese Deutung wieder zu Schwierigkeiten führe, weil sie anscheinend die Konsequenz habe, physikalische Theorien in uninterpretierte Kalküle zu verwandeln. Diese Schwierigkeit ist jedoch nur eine scheinbare. Sie wird dadurch behoben, daß die Begriffe der theoretischen Stufe durch eigene Zuordnungsregeln mit den Begriffen der Beobachtungsstufe verknüpft werden. Die Regeln liefern zwar nur eine teilweise empirische Deutung der theoretischen Begriffe ; jedoch reicht diese für die empirische Verwendbarkeit der Theorie aus.Google Scholar
  60. 61.
    Vgl. dazu Suppes, [Quantum Mechanics]. Suppes bringt an dieser Stelle ein psychologisches Analogiebeispiel, das den möglichen Einwand entkräften soll, Elementarpartikel wie Elektronen seien in einer experimentellen Situation in einer Hinsicht gleichartig, in der die menschlichen Wesen im obigen Beispiel nicht gleichartig sind.Google Scholar
  61. 62.
    Es wäre vielleicht plausibler, anzunehmen, daß eine Gleichverteilung für den Zustand eines Typus mit einer sehr steilen W-Verteilung für den Zustand des anderen Typus verknüpft ist.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1969

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Stegmüller
    • 1
  1. 1.Philosophisches Seminar IIUniversität MünchenDeutschland

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