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Funktionswandel und Variationen des Spiels

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Zusammenfassung

Für die grenzenlose Variationsbreite des Spiels stellt sich die Aufgabe, ihr sowohl in historischer als auch in systematischer Perspektive gerecht zu werden. In der historischen Dimension werden, unterlegt mit Einzelbeispielen, Orientierungshinweise zum Funktionswandel des Spiels gegeben. Dabei wird die Konstruktion übernommen, Gesellschaftsgeschichte in die vier Formationen tribal, ständisch, modern, digital einzuteilen. In seinem Umgang mit Unerwarteten fungiert das Spiel in der Stammesgesellschaft primär als Schutz. Für die Oberschicht der Ständegesellschaft ist es ein Kokettieren mit der festgefügten Ordnung, für die Unterschicht ein Rückzugsort. In der Moderne wird das Spiel zur Einladung, mit Unerwartetem umzugehen. In der digitalen Gesellschaft eskaliert es die virtuelle Verwirklichung des Unerwarteten. In systematischer Perspektive werden drei Grunddifferenzierungen ludischer Aktionen herausgearbeitet, das Spielen mit sich selbst, mit Anderen sowie mit Themen, Zeichen und Medien, wobei unterschieden wird zwischen Dingmedien, natürlichen und artifiziellen, Erfolgsmedien wie Macht und Liebe sowie Verbreitungsmedien wie Sprache, Schrift und Funk. Exkurse zu Sport, Kunst und Technik ergänzen die Systematik.

Schlüsselwörter

Schachspiel Kartenspiel Glückspiel Medien Sport Kunst Stammesgesellschaft Ständegesellschaft Moderne Digitalgesellschaft 

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  1. 1.BerlinDeutschland

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