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Wissenschaftstheorie

Chapter
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Zusammenfassung

Um sich in der Welt zurecht finden zu können, benötigen die Menschen Erklärungen und Anleitungen für ihr Handeln. Solche Anleitungen und Erklärungen liefern ihnen die impliziten und die expliziten Theorien. Wie bereits (vergleiche Kap.  2) gezeigt, handelt es sich bei Theorien um Aussagesysteme, mit deren Hilfe Erkenntnisse über einen Bereich von Sachverhalten geordnet, Tatbestände erklärt und vorhergesagt werden können. Nun sollen diese Theorien weiter unterteilt werden in explizite und in implizite. Die Hausfrau, die viel Liebe und Mühe in die Zubereitung eines Festmahles investiert hat, verkündet bei der Präsentation ihrer Kochkünste (aus impliziten Theorien abgeleitete) Einsichten wie etwa: „Liebe Gäste, esst nur recht langsam, denn dann schafft ihr mehr von diesem köstlichen Essen!“ Und auf Nachfrage: „Das hat schon meine Mutter immer gesagt.“ Diese Theorie wurde also von Generation zu Generation vererbt – schließlich ist langsames Essen eine Frage des Genusses und es stellt außerdem ein Lob für die Köchin dar, wenn alles aufgegessen wird. Auch scheint langsames Essen bisher kaum jemandem geschadet zu haben. Diese implizite Theorie mag somit sogar in sich widerspruchsfrei sein, hilfreich ist sie in diesem Falle ohnehin. Weiterhin erklärt sie bestimmte Tatbestände beziehungsweise sagt voraus, welche (erwünschten) Folgen langsames Essen hat. Also, weshalb nicht weiterhin dieser impliziten Theorie folgen und in aller Ruhe das Essen genießen?

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© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Philosophische Fakultät – Institut für SoziologieTechnische Universität DresdenDresdenDeutschland

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