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Die Geschichte medienbasierter Selbsttechnologien von Rousseau bis Runtastic

  • Gerrit FröhlichEmail author
Chapter
Part of the Medien • Kultur • Kommunikation book series (MKK)

Zusammenfassung

Im Rahmen des Beitrags wird die mediale Verfasstheit von Selbsttechnologien in den Fokus gerückt. Dies soll zum einen in Form eines allgemeinen theoretischen Konzepts erfolgen, zum anderen entlang der Fallbeispiele des Tagebuchs und der digitalen Selbstvermessung. Selbstführung, wie sie von Foucault unter dem Begriff der Technologien des Selbst erfasst wurden, weisen eine starke medienbezogene Komponente auf. Sie findet einerseits über den medialen Austausch mit anderen statt, andererseits aber auch in direkter Auseinandersetzung mit medialen Artefakten, ihren gegebenen technischen Strukturen und damit ihren konkreten materiellen Eigenschaften und Affordanzen. So evoziert das Tagebuch, basierend auf Schrift und Narration, andere Formen der Selbsterforschung und begünstigt somit andere Subjektformen als die digitale Selbstvermessung, bei welcher die Selbstthematisierung vor allem in Auseinandersetzung mit Zahl und Algorithmus stattfindet. Entlang dieser und weiterer Beispiele soll am Konzept der medienbasierten Selbsttechnologien aufgezeigt werden, wie mediensoziologische Ansätze für eine Soziologie des Subjekts fruchtbar gemacht werden können.

Schlüsselwörter

Subjektivierung Selbsttechnologien Selbstthematisierung Tagebuch Digitale Selbstvermessung Selftracking Schriftlichkeit Quantifizierung 

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Authors and Affiliations

  1. 1.SoziologieUniversität TrierTrierDeutschland

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