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Das Unbestimmbare bewerten. Aufnahmeverfahren an Kunsthochschulen aus rechtfertigungstheoretischer Perspektive

  • Philippe SanerEmail author
Chapter
Part of the Soziologie der Konventionen book series (SOZKON)

Zusammenfassung

Der Beitrag untersucht Auswahlverfahren an Kunsthochschulen im Hinblick auf unterschiedliche Praktiken der Bewertung und fragt nach deren Bedeutung für die (Re-)Produktion von sozialen Ungleichheiten. Aufnahmeprüfungen an Kunsthochschulen werden als Entscheidungssituationen konzipiert, in denen die Wertigkeit der KandidatInnen durch Bezugnahme auf einen innerhalb der Schulwelt anerkannten Maßstab beurteilt wird. Das Konzept der Bewertungskette beschreibt dabei, wie KandidatInnen immer wieder von neuem begutachtet und einmal attribuierte Qualitäten transformiert werden. Durch das Zusammenstellen einer Gruppe als ‚künstlerische Gemeinschaft‘ muss die Heterogenität der KandidatInnen reduziert werden, wodurch Ungleichheit im Prozess der Aufnahmeverfahren (re-)produziert wird.

Schlüsselwörter

Kunsthochschulen Aufnahmeverfahren Schulwelten Bewertungskette Inspiration Künstlerische Gemeinschaft Ungleichheit Heterogenität 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Universität LuzernLuzernSchweiz

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