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Postkoloniale Theorie im DaZ-Modul. Ein Plädoyer.

  • Melanie David-ErbEmail author
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Part of the Edition Fachdidaktiken book series (EF)

Zusammenfassung

Der Beitrag geht von einer am erziehungswissenschaftlichen Diskurs zu sprachlicher Vielfalt orientierten Analyse des Sprachgebrauchs in der Modulbeschreibung des DaZ-Moduls der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster aus. Durch die Analyse kann die Rhetorik der Modulbeschreibung in den Kontext einer defizitorientierten Wahrnehmung von Mehrsprachigkeit im Feld Schule verortet werden. Nach einer Darstellung des Forschungsstandes der Erziehungswissenschaften zum Thema Mehrsprachigkeit in Schule und Unterricht wird deutlich, dass diese implizite Defizitorientierung Strömungen innerhalb der aktuellen erziehungswissenschaftlichen Forschung, die individuelle Mehrsprachigkeit als Ressource wertschätzen, nicht entspricht. Ansätze postkolonialer Theorien können helfen, diesen Widerspruch offenzulegen und den Wert einer Unterrichtspraxis zu erkennen, in der sprachliche Vielfalt im Klassenzimmer als Chance für alle Schülerinnen und Schüler fruchtbar gemacht wird. Zu zeigen, dass und wie postkoloniale Ansätze darüber hinaus eine Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Mehrsprachigkeit und Schule theoretisch fundieren können, indem sie dessen Mehrdimensionalität und Relevanz in einer globalen Welt sichtbar machen, ist das Ziel dieses Aufsatzes. Der Aufsatz untersucht zuerst, welches Verständnis von Mehrsprachigkeit im Bildungskontext aus der Modulbeschreibung spricht, bietet dann eine alternative Perspektive von Mehrsprachigkeit als Ressource an und zeigt schließlich die Potenziale einer Auseinandersetzung mit postkolonialen Theorien im Rahmen des Moduls auf, wobei an konkreten Beispielen aufgezeigt wird, wie diese sich gewinnbringend in die Diskussionen im und um das DaZ-Modul mit Lehramtsstudierenden einsetzen lassen.

Schlüsselwörter

DaZ Mehrsprachigkeit Postkoloniale Theorie Lehrerbildung 

Literatur

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Authors and Affiliations

  1. 1.WWU MünsterMünsterDeutschland

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