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„…, dazu musst du einen Coolen befragen“ Differenzkonstruktionen in der Grundschule

  • Juliane SpieglerEmail author
Chapter
Part of the Interkulturelle Studien book series (IKS)

Zusammenfassung

Der (schul-)pädagogische Diskurs ist geprägt von Heterogenitätsvorstellungen, die sich als Herausforderungen oder Chancen polarisieren lassen, zeitgleich in ihrem Verständnis von Heterogenität aber weitgehend unklar bleiben und nicht selten in einem machtblinden Plädoyer für mehr Vielfalt im Klassenzimmer – im Lehrerzimmer – in der Schule eine Chancengleichheit für alle postulieren. Im Gegensatz dazu folgt der Beitrag der (kulturtheoretischen) Annahme, dass Differenzen nicht nur in die Schule hineingetragen, sondern dort auch (re-)produziert werden und so die Grundschule als „Normalisierungsmacht“ (Leiprecht und Lutz 2009, S. 218) wirksam ist. Im Vordergrund steht die Rekonstruktion eines Fallbeispiels, in welchem die von einer Grundschülerin in einem ethnografischen Interview aufgerufenen Differenzkategorien und Positionszuschreibungen nachgezeichnet und vor dem Hintergrund von Judith Butlers Theorie der Subjektivation (vgl. insbesondere Butler 2001) analysiert werden.

Schlüsselwörter

Heterogenität Differenz Grundschule Anerkennung Normen Subjektivation Macht 

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Authors and Affiliations

  1. 1.HildesheimDeutschland

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