Advertisement

Begabtenförderung als Krisenintervention

Die Rechtfertigung von Begabtenförderung durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes
  • Arne Böker
Chapter

Zusammenfassung

Kennzeichnend für die meisten Begabtenförderungsprogramme ist ihr Beitrag zur Reproduktion sozialer Ungleichheit. Obwohl mittlerweile eine Vielzahl von Studien diesen Befund stützen, sind die Strukturen und Mechanismen der Reproduktion sozialer Ungleichheit in und durch Begabtenförderung kaum untersucht worden. Im vorliegenden Beitrag wendet sich der Autor dem Feld der Begabtenförderung im akademischen Bereich zu und fokussiert in einer empirischen Fallstudie die Studienstiftung des Deutschen Volkes. Der Autor fragt nach den Logiken der Rechtfertigung von Begabtenförderung im Kontext sozialer Ungleichheitsordnungen zur Zeit der Weimarer Republik. Auf Grundlage einer wissenssoziologischen Diskursanalyse von Stellungnahmen der Mitglieder der Studienstiftung wird die Entstehung von Rechtfertigungsstrategien nachgezeichnet, in deren Mittelpunkt das Konzept der Volksgemeinschaft, der Aufstieg der Tüchtigen und die Verteidigung der akademischen Freiheit stehen. Der Autor verbindet seine konventionentheoretische Argumentation mit der Frage der sozialen Trägerschaft dieser Rechtfertigungsstrategien und verweist dabei auf die Rolle des deutschen Bildungsbürgertums, das sich im untersuchten Zeitraum in einer markanten Krisensituation befindet.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Becker, C.H. (1927): Ansprache des Ministers Prof. Dr. C. H. Becker in Wannsee am 15. Juni 1927. Studentenwerk (1), 163-168.Google Scholar
  2. Boltanski, L. & Chiapello, È. (2003): Der neue Geist des Kapitalismus. Konstanz: UVK.Google Scholar
  3. Boltanski, L. & Thévenot, L. (2007): Über die Rechtfertigung. Eine Soziologie der kritischen Urteilskraft. Hamburg: Hamburger Edition.Google Scholar
  4. Borland, J.H. (2003): The Death of Giftedness: Gifted Education without Gifted Children. In: Borland, J.H. (Hrsg.): Rethinking Gifted Education. New York/London: Teachers College Press, 105-124.Google Scholar
  5. Brake, A. & Büchner, P. (2012): Bildung und soziale Ungleichheit. Eine Einführung. Stuttgart: Verlag W. KohlhammerGoogle Scholar
  6. Deutsches Studentenwerk (1931): Zehn Jahre Studentenwerk 1921-1931. Dresden: Deutsches Studentenwerk.Google Scholar
  7. Diaz-Bone, R. (2009): Konvention, Organisation und Institution: der institutionentheoretische Beitrag der „Économie des conventions“. In: Historical Social Research 34 (2), 235-264.Google Scholar
  8. Diaz-Bone, R. & Thévenot, L. (2010): Die Soziologie der Konventionen. Die Theorie der Konventionen als ein zentraler Bestandteil der neuen französischen Sozialwissenschaften. Trivium 5 (2010), 1-18.Google Scholar
  9. Diaz-Bone, R. (2015): Die „Economie des conventions ». Grundlagen und Entwicklungen der neuen französischen Wirtschaftssoziologie. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  10. Duisberg, C. (1927): Produktive Sozialfürsorge. Studentenwerk 1, 197-200.Google Scholar
  11. Horvath, K. (2014): Die doppelte Illusion der Hochbegabung. Soziologische Perspektiven auf das Wechselspiel von sozialen Ungleichheiten und biographischen Selbstentwürfen in der Hochbegabtenförderung. In: Hoyer, T., Haubl, R. & Weigand, G. (Hrsg.): Sozio-Emotionalität von hochbegabten Kindern. Wie sie sich sehen - was sie bewegt - wie sie sich entwickeln. Weinheim, Basel: Beltz-Verlag, 101-123.Google Scholar
  12. Imdorf, C., Leemann, R. & Gonon, P. (Hrsg.) (2018): Bildung und Konventionen. Die „Économie des Conventions“ in der Bildungsforschung. Wiesbaden: Springer VS (in Vorbereitung).Google Scholar
  13. Herrlitz, H.G., Hopf, W. & Titze, H. (1993): Deutsche Schulgeschichte von 1800 bis zur Gegenwart. Eine Einführung. Weinheim & München: Juventa.Google Scholar
  14. Keller, R. (2011a): Diskursforschung. Einführung für SozialwissenschaftlerInnen. 4. Auflage. Wiesbaden: VS-Verlag.Google Scholar
  15. Keller, R. (2011b): Wissenssoziologische Diskursanalyse. Grundlegung eines Forschungsprogramms. 3. Auflag. Wiesbaden: VS-Verlag.Google Scholar
  16. Kerbusk, S. (2009): Wer hat, dem wird gegeben. Zuletzt geöffnet am 30.08.17: http://www.zeit.de/2009/40/C-Begabtenfoerderung.
  17. Knoll, L. (2012): Über die Rechtfertigung wirtschaftlichen Handelns. CO2-Handel in der kommunalen Energiewirtschaft. Wiesbaden: Springer-VS.Google Scholar
  18. Knoll, L. (Hrsg.) (2015): Organisationen und Konventionen. Die Soziologie der Konventionen in der Organisationsforschung. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  19. Kunze, R.-U. (2001): Die Studienstiftung des deutschen Volkes seit 1925. Zur Geschichte der Hochbegabtenförderung in Deutschland. 1. Aufl. Berlin: Akad.--Verlag (Edition Bildung und Wissenschaft, 8).Google Scholar
  20. Leemann, R.J. & Imdorf, C. (2015): Ausbildungsverbünde als Organisationsnetzwerke. In: Knoll, L. (Hrsg.) (2015): Organisationen und Konventionen. Die Soziologie der Konvention in der Organisationsforschung. Wiesbaden: VS-Verlag, 137-162.Google Scholar
  21. Litt, T. (1930): Zur Auslese der Begabten. Studentenwerk 4, 181-185.Google Scholar
  22. Margolin, L. (1994): Goodness Personified. The Emergence of Gifted Children. New York: Aldine de Gruyter.Google Scholar
  23. Middendorff, E., Isserstedt, W. & Kandulla, M. (2009): Das soziale Profil in der Begabtenförderung. Ergebnisse einer Online-Befragung unter allen Geförderten der elf Begabtenförderungswerke im Oktober 2008. Hannover: Hochschul-Informations-System.Google Scholar
  24. Paeckelmann, W. (1927): Die Studienstiftung des Deutschen Volkes. Studentenwerk 1, 74-82.Google Scholar
  25. Peter, T. (2015): Die Gerechtigkeit der Spitze. Über die Rechtfertigung von Exzellenz. In: Rothmüller, B. & Grass, D. (Hrsg.): Legitimität. Gesellschaftliche, politische und wissenschaftliche Bruchlinien der Rechtfertigung. Bielefeld: transcript, 177-198.Google Scholar
  26. Ringer, F.K. (1987): Die Gelehrten. Der Niedergang der deutschen Mandarine 1890-1933. München: Ernst-Klett Verlag.Google Scholar
  27. Schairer, R. (1928): Aufstieg. Studentenwerk 2, 2-9.Google Scholar
  28. Schlink, W. (1926): Zum Geleite. In: Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft (1926): Geschäftsberichte der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft e.V. und der Darlehnskasse der Deutschen Studentenschaft. Berlin/Leipzig: de Gruyter, S. V-VI.Google Scholar
  29. Schlink, W. (1928): Zum Geleite. In: Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft (1928): Geschäftsberichte der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft e.V. und der Darlehnskasse der Deutschen Studentenschaft. Berlin/Leipzig: de Gruyter, S. V-VII.Google Scholar
  30. Sikorski, H. (1930): Überfüllung der Hochschulen und Begabtenförderung. Studentenwerk 4, 185-189.Google Scholar
  31. Spranger, E. (1930): Probleme der Begabtenförderung. Studentenwerk 4, 165-181.Google Scholar
  32. Stamm, M. (2007): Begabtenförderung und soziale Herkunft. Befunde zu den verborgenen Mechanismen ihrer Interaktion. Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 27(3), 227-242.Google Scholar
  33. Stamm, M. (2009): Begabte Minoritäten. Wiesbaden: VS-Verlag.Google Scholar
  34. Streit, H. (1928): Die soziale Verantwortung der Studenten. Studentenwerk 2, 65-75.Google Scholar
  35. Terman, L.M. (1926): Genetic Study of Genius. Mental and Physical Traits of a Thousand Gifted Children. Stanford: Stanford University Press.Google Scholar
  36. Tillmann, F. (1931): Zum Geleite. In: Deutsches Studentenwerk (1931): Geschäftsberichte des Deutschen Studentenwerks e.V. (Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft) und der Darlehnskasse des Deutschen Studentenwerks e.V. (Darlehnskasse der Deutschen Studentenschaft). Berlin/Leipzig: de Gruyter, S. V-VIII.Google Scholar
  37. Ulich, R. Wohlfahrt, E. (1933): Zur Bildungssoziologie des akademischen Nachwuchses in Deutschland. Zusammenhänge zwischen Herkunft, Schulvorbildung und Studium, nachgewiesen an den Mitgliedern der Studienstiftung des deutschen Volkes 1925-1933. Dresden: Waxmann.Google Scholar
  38. von Soden, H. (1928): Drei Jahre Studienstiftung des deutschen Volkes. Studentenwerk 2, 15-22.Google Scholar
  39. von Ferber, C., Gebhardt, F. & Pöhler, W. (1970): Begabtenförderung oder Elitenbildung? Ergebnisse einer soziologischen Erhebung über das Förderungsprogramm der Hochbegabtenförderungswerke. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.Google Scholar
  40. von Friedeburg, L. (1989): Bildungsreform in Deutschland. Geschichte und gesellschaftlicher Widerspruch. Frankfurt am Main: Suhrkamp.Google Scholar
  41. Wehler, H.-U. (2009): Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914-1949. München: C.H. Beck.Google Scholar
  42. Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft (1926): IV. Studienstiftung des Deutschen Volkes. In: Ebd.: Geschäftsberichte der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft e.V. und der Darlehnskasse der Deutschen Studentenschaft. Berlin/Leipzig: de Gruyter, S. 29-36.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für MakrosoziologieLeibniz Universität HannoverHannoverDeutschland

Personalised recommendations