Advertisement

Das Leben im Erotischen und Sexuellen

  • Rüdiger LautmannEmail author
  • Daniela Klimke
Chapter

Zusammenfassung

G. Simmel spricht über Liebe, Erotik, Sexualität in ihren Zusammenhängen und Bezügen zu Institutionen wie der Ehe oder zur Bevölkerung, ohne all dies auseinanderzureißen. Liebe versteht er als etwas Mentales, gerichtet auf ein individualisiertes Gegenüber im Ganzen. Auch Erotik wird von Simmel als Interaktion aufgefasst; sie vermittelt zwischen sinnlichem Begehren und autonomer Liebe. Das Sexuelle wird auf den physischen Geschlechtsakt eingegrenzt, gegründet auf die Fortpflanzung als Gattungszweck. Das klingt von heute her gesehen wie Heteronormativität, wäre da nicht Simmels Beschwörung des Prinzips ‚Leben‘, das gegen erstarrte Formen revoltiert. Auf das Romantischste verknüpft Simmel Liebe, Individualität und als gemeinsamen Ausdruck dessen die Sexualität. Wird diese Vorstellung der Gefühlstiefe gegen die aktuellen Sexual- und Beziehungsmodelle gehalten, lassen sich stark divergierende Ideen von Individualität erkennen. Die Prostitution muss er vor diesem Hintergrund kritisch bewerten. Aber er begibt sich dabei nicht auf das Terrain der Moral und nimmt keinen Anstoß an den Mikroverhältnissen der Macht. Stattdessen entfaltet er an diesem Gegenstand eine anregende Kritik bürgerlicher Herrschaft und argumentiert definitionstheoretisch.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Bröckling, Ulrich 2007: Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform. Frankfurt/M.: Suhrkamp.Google Scholar
  2. Davis, Murray S. 1983: Smut. Erotic Reality/Obscene Ideology. Chicago: University of Chicago Press.Google Scholar
  3. Giddens, Anthony 1993: Wandel der Intimität. Frankfurt/M.: Fischer.Google Scholar
  4. Hiller, Kurt 1969: Leben gegen die Zeit (Logos). Reinbek: Rowohlt.Google Scholar
  5. Leck, Ralph M. 2000: Georg Simmel and Avant-Garde Sociology. The Birth of Modernity, 1880–1920. Amherst: Humanity Books.Google Scholar
  6. Luhmann, Niklas 1982: Liebe als Passion. Frankfurt/M.: Suhrkamp.Google Scholar
  7. Schmidt, Gunter 2004: Das neue DER DIE DAS. Über die Modernisierung des Sexuellen. Gießen: Psychosozial.Google Scholar
  8. Sennett, Richard 1983: Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität. Frankfurt/M.: Fischer.Google Scholar
  9. Sigusch, Volkmar 1998: Die neosexuelle Revolution. Über gesellschaftliche Transformationen der Sexualität in den letzten Jahrzehnten. In: Psyche 52, S. 1192–1234.Google Scholar
  10. Swedberg, Richard; Wendelin Reich 2010: Georg Simmel’s Aphorisms. In: Theory, Culture & Society 27(1), S. 24–51.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität BremenBremenDeutschland
  2. 2.Polizeiakademie NiedersachsenBremenDeutschland

Personalised recommendations