Kommunale Umweltpolitik zwischen strategischer Planung und Pragmatismus – das Beispiel der Anpassung an den Klimawandel

  • Hubertus Bardt
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Zusammenfassung

In der modernen Umweltpolitik, die sich seit fast fünf Jahrzehnten in Deutschland entwickelt hat, spielen die Kommunen als Akteure vor Ort eine nicht zu unterschätzende Rolle. Diese Rolle nehmen sie systematisch anders wahr als die meisten anderen großen Akteure. Der idealtypische Planungsprozess ist wissens- und analysebasiert. Er ist jedoch lediglich in Großstädten zu beobachten. Mittelstädte und kleinere Kommunen zeichnen sich durch einen sehr viel größeren Pragmatismus aus. Hier werden die konkreten Wirkungen vor Ort stärker beachtet als die externen Ursachen. Vor allem erfolgt eine konkrete Maßnahmenumsetzung auch ohne tiefere Analyse oder systematische Entscheidungsvorbereitung. Dies kann anhand einer Kommunalbefragung zur Anpassung an den Klimawandel gezeigt werden. Eine wesentliche Ursache für das abweichende Verhalten sind die fehlenden Fachkenntnisse und personelle Ressourcen kleinerer Kommunen, sodass diese kaum eine Alternative zum pragmatischen Vorgehen haben. Der idealtypische Planungsansatz, an den die wissenschaftliche Politikberatung bisher gut anknüpfen kann, eignet sich für Großunternehmen, die europäische und nationale politisch-administrative Ebene oder Großstädte, nicht aber für kleinere Kommunen. Für die Institutionen der Politikberatung bedeutet dies, dass sie passende, standardisierte und einfachere Angebote für Kommunen entwickeln müssen.

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Authors and Affiliations

  • Hubertus Bardt
    • 1
  1. 1.Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V.KölnDeutschland

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