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Die Konstruktion des Kindes im Verfassungsrecht

Folgerungen für Praktiken und Praxen des sozialpädagogischen Kinderschutzes
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Zusammenfassung

In diesem Beitrag bildet das Verfassungsrecht die Quelle für die Untersuchung einer gesellschaftlichen Konstruktion des Typus Kind. In Anlehnung an Alfred Schütz (1971) werden Recht und Gesetz als institutionalisierte Konstruktionen von gesellschaftlich bewährten Verhaltensmustern verstanden. Daran anknüpfend wird im folgenden Text aufgezeigt, dass über die verfassungsrechtliche Konstruktion des Kindes als Grundrechtsträger mit besonderer Hilfs- und Schutzbedürftigkeit ein Paternalismus sowie weitreichende Bestimmungsbefugnisse durch Eltern und Staat legitimiert werden. Diese und weitere Konstruktionen des Verfassungsrechts werden mit den Befunden aus der Kindheitssoziologie und -forschung diskutiert. Abschließend werden die Möglichkeiten und Herausforderungen für die Praktiken und Praxen des sozialpädagogischen Kinderschutzes resümiert, deren demokratische Legitimität auf der verfassungsrechtlichen Ordnung beruht.

Schlagwörter

Kinder und Kindheiten Kinderschutz soziale Konstruktion Verfassungsrecht 

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Authors and Affiliations

  1. 1.KasselDeutschland

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