Advertisement

Zur Konstruktion des Kindes durch Fachkräfte eines Allgemeinen Sozialen Dienstes

Eine Fallstudie im Kinderschutz
  • Julian SehmerEmail author
Chapter

Zusammenfassung

Auf der Basis theoretischer Überlegungen zur Idee der sozialen Konstruktion von Kindern und Kindheit geht der vorliegende Beitrag der Frage nach, wie das Kind als Konzept und sozialpädagogischer Zugang durch Fachkräfte eines Allgemeinen Sozialen Dienstes im Kinderschutz konstruiert wird. Dabei wird die Fallberatung als zentraler Ort des fallbezogenen Austausches identifiziert, der einen Zugriff auf diese Sinnkonstruktionen der Sozialarbeiter_innen ermöglicht. Anhand natürlicher Protokolle einer Fallberatung wird dargelegt, wie die Fachkräfte im Kinderschutz das Kind als vulnerables Bezugsobjekt natürlicher Sorgeakteur_innen konstruieren und die fachlichen Implikationen dieses Zugriffes vor dem Hintergrund theoretischer und empirischer Reflexionen diskutiert. Der Beitrag ist damit ein Ansatz, die Adaption des Begriffes Kind, der zunächst eine alltagsweltliche Konstruktion darstellt, in sozialpädagogische Fachlichkeit zu explizieren, um diese dem Diskurs um Kinderschutz zugänglich zu machen.

Schlagwörter

Kinderschutz Konstruktion des Kindes Kind als Objekt Fallberatung Vulnerabilität Kinder- und Kindheitsforschung Professionalität im Kinderschutz 

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Ackermann, T., & Robin, P. (2014). Kinder im Kinderschutz: Zur Konstruktion von Agency in amtlichen Entscheidungsprozessen. In D. Bühler-Niederberger, L. Alberth & S. Eisentraut (Hrsg.), Kinderschutz. Wie kindzentriert sind Programme, Praktiken, Perspektiven? (S. 64–81). Weinheim/Basel: Beltz Juventa.Google Scholar
  2. Alberth, L., Bühler-Niederberger, D., & Eisentraut, S. (2014). Wo bleiben die Kinder im Kinderschutz? Die Logik der Intervention bei Sozialarbeitern, Ärzten und Hebammen. In D. Bühler-Niederberger, L. Alberth & S. Eisentraut (Hrsg.), Kinderschutz. Wie kindzentriert sind Programme, Praktiken, Perspektiven? (S. 26–61). Weinheim/Basel: Beltz Juventa.Google Scholar
  3. Andresen, S., & Diehm, I. (Hrsg.) (2006). Kinder, Kindheiten, Konstruktionen: Erziehungswissenschaftliche Perspektiven und sozialpädagogische Verortungen (1. Aufl.). Wiesbaden: VS.Google Scholar
  4. Berger, P. L., Luckmann, T., & Plessner, H. (2016). Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit: Eine Theorie der Wissenssoziologie (26. Aufl.). Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag.Google Scholar
  5. Bergmann, J. R. (2014). Der Fall als Fokus professionellen Handelns. In J. R. Bergmann, U. Dausendschön-Gay & F. Oberzaucher (Hrsg.), „Der Fall“. Studien zur epistemischen Praxis professionellen Handelns (S. 17–33). Bielefeld: transcript.Google Scholar
  6. Bergmann, J. R., Dausendschön-Gay, U., & Oberzaucher, F. (2014). Einleitung. In J. R. Bergmann, U. Dausendschön-Gay & F. Oberzaucher (Hrsg.), „Der Fall“. Studien zur epistemischen Praxis professionellen Handelns (S. 9–16). Bielefeld: transcript.Google Scholar
  7. Betz, T. (2010). Die Kindergesellschaft. Sozial Extra, 34(11-12), 37–41.Google Scholar
  8. Blankenburg, W. (1997). „Zumuten“ und „Zumutbarkeit“ als Kategorien psychiatrischer Praxis. In M. Krisor & H. Pfannkuch (Hrsg.), Was du nicht willst, das man dir tut… – Gemeindepsychiatrie unter ethischen Aspekten (S. 21–48). Regensburg: Roderer Verlag.Google Scholar
  9. Braches-Chyrek, R. (2014). Sozialpädagogische Diskursbestimmungen: Kinder und Kindheit. In D. Bühler-Niederberger, L. Alberth & S. Eisentraut (Hrsg.), Kinderschutz. Wie kindzentriert sind Programme, Praktiken, Perspektiven? (S. 185–199). Weinheim/Basel: Beltz Juventa.Google Scholar
  10. Bühler-Niederberger, D. (2013). Von Komplizen und Störenfrieden – Kindheitskonstruktionen zwischen ‚agency und structure‘. In R. Braches-Chyrek, D. Nelles, G. Oelerich & A. Schaarschuch (Hrsg.), Bildung, Gesellschaftstheorie und Soziale Arbeit (S. 317–334). Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.Google Scholar
  11. Bühler-Niederberger, D., Alberth, L., & Eisentraut, S. (Hrsg.) (2014). Kinderschutz: Wie kindzentriert sind Programme, Praktiken, Perspektiven? Weinheim/Basel: Beltz Juventa.Google Scholar
  12. Bühler-Niederberger, D., & Sünker, H. (2008). Theorie und Geschichte der Kindheit und des Kinderlebens. In H. Sünker, T. Swiderek, H. G. Homfeldt & J. Schulze-Krüdener (Hrsg.), Kindheit (S. 5–46). Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren.Google Scholar
  13. Helming, E., & Kindler, H. (2014). Die Perspektive der Kinder und Jugendlichen in der Pflegekinderhilfe in Deutschland. In D. Bühler-Niederberger, L. Alberth & S. Eisentraut (Hrsg.), Kinderschutz. Wie kindzentriert sind Programme, Praktiken, Perspektiven? (S. 82–100). Weinheim/Basel: Beltz Juventa.Google Scholar
  14. Hildenbrand, B. (1999). Fallrekonstruktive Familienforschung. Wiesbaden: Leske + Budrich.Google Scholar
  15. Hildenbrand, B. (2011). Welches sind günstige Rahmenbedingungen für die ersten Jahre des Aufwachsens? Wie können diese in Einrichtungen öffentlicher Sozialisation gefördert werden? Überlegungen auf der Grundlage eines laufenden Forschungsprojekts. In G. Robert, K. Pfeifer & T. Drößler (Hrsg.), Aufwachsen in Dialog und sozialer Verantwortung (S. 21–47). Wiesbaden: VS.Google Scholar
  16. Hildenbrand, B. (2014). Das KJHG und der Kinderschutz: Eine verpasste Professionalisierungschance der Sozialpädagogik. In B. Bütow, M. Pomey, M. Rutschmann, C. Schär & T. Studer (Hrsg.), Sozialpädagogik zwischen Staat und Familie (S. 175–202). Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  17. Honig, M.-S. (2006). Kindheiten. In A. Scherr (Hrsg.), Soziologische Basics (S. 97–100). Wiesbaden: VS.Google Scholar
  18. James, A., Jenks, C., & Prout, A. (1998). Theorizing childhood. New York: Teachers College Press.Google Scholar
  19. Liegle, L. (2009). Müssen Eltern erzogen werden? neue praxis (Sonderheft 9), 100–107.Google Scholar
  20. Lochner, B. (2017). Teamarbeit in Kindertageseinrichtungen. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  21. Luckmann, T., Soeffner, H.-G., & Vobruba, G. (2015). „Nichts ist die Wirklichkeit selbst“: Thomas Luckmann, Hans-Georg Soeffner und Georg Vobruba im Gespräch. Soziologie, 44(4), 411–434.Google Scholar
  22. Meysen, T. (2013). § 8a Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung. In J. Münder, T. Meysen & T. Trenczek (Hrsg.), Frankfurter Kommentar zum SGB VIII. Kinder- und Jugendhilfe (7., vollst. überarb. Aufl.) (S. 113–134). Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  23. Moran-Ellis, J. (2013). The Child in Society. In R. Braches-Chyrek, D. Nelles, G. Oelerich & A. Schaarschuch (Hrsg.), Bildung, Gesellschaftstheorie und Soziale Arbeit (S. 291–301). Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.Google Scholar
  24. Münder, J. (2013). § 1 Recht auf Erziehung, Elternverantwortung, Jugendhilfe. In J. Münder, T. Meysen & T. Trenczek (Hrsg.), Frankfurter Kommentar zum SGB VIII. Kinder- und Jugendhilfe (7., vollst. überarb. Aufl.) (S. 72–83). Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  25. Oelkers, N. (2009). Aktivierung von Elternverantwortung im Kontext der Kindeswohldebatte. neue praxis (Sonderheft 9), 139–148.Google Scholar
  26. Oelkers, N. (2011). Kindeswohlgefährdung: Selektive Korrektur elterlicher Erziehungspraktiken in der Kinder- und Jugendhilfe. In B. Dollinger (Hrsg.), Gerechte Ausgrenzung? Wohlfahrtsproduktion und die neue Lust am Strafen (1. Aufl.) (S. 263–279). Wiesbaden: VS.Google Scholar
  27. Oevermann, U. (1996). Theoretische Skizze einer revidierten Theorie professionalisierten Handelns. In A. Combe & W. Helsper (Hrsg.), Pädagogische Professionalität. Untersuchungen zum Typus pädagogischen Handelns (S. 70–182). Frankfurt am Main: Suhrkamp.Google Scholar
  28. Oevermann, U. (2000). Die Methode der Fallrekonstruktion in der Grundlagenforschung sowie der klinischen und pädagogischen Praxis. In K. Kraimer (Hrsg.), Die Fallrekonstruktion. Sinnverstehen in der sozialwissenschaftlichen Forschung (S. 58–156). Frankfurt am Main: Suhrkamp.Google Scholar
  29. Retkowski, A. (2012). „Was kann die Mutter tatsächlich?“ – Kinderschutz in Verhandlung zwischen Team und Leitung im Allgemeinen Sozialen Dienst. In T. Marthaler, P. Bastian, I. Bode & M. Schrödter (Hrsg.), Rationalitäten des Kinderschutzes (S. 219–234). Wiesbaden: VS.Google Scholar
  30. Richter, M., Beckmann, C., Otto, H.-U., & Schrödter, M. (2009). Neue Familialität als Herausforderung der Jugendhilfe. neue praxis (Sonderheft 9), 1–14.Google Scholar
  31. Schrapper, C. (2008). Kinder vor Gefahren für ihr Wohl schützen – Methodische Überlegungen zur Kinderschutzarbeit sozialpädagogischer Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe. In D. Kreft, H.-G. Weigel & C. Hoppensack (Hrsg.), Vernachlässigte Kinder besser schützen. Sozialpädagogisches Handeln bei Kindeswohlgefährdung (S. 56–88). München: Reinhardt.Google Scholar
  32. Schütz, A. (1972). Gesammelte Aufsätze: I Das Problem der sozialen Wirklichkeit. Dordrecht: Springer Netherlands.Google Scholar
  33. Schütz, A., & Luckmann, T. (2017). Strukturen der Lebenswelt (2., überarb. Aufl.). Konstanz, München: UTB; UVK Verlagsgesellschaft mbH, UVK/Lucius.Google Scholar
  34. Soeffner, H.-G. (1989). Auslegung des Alltags – Der Alltag der Auslegung: Zur wissenssoziologischen Konzeption einer sozialwissenschaftlichen Hermeneutik (1. Aufl.). Frankfurt am Main: Suhrkamp.Google Scholar
  35. Swiderek, T., Bühler-Niederberger, D., Heinzel, F., Sünker, H., & Thole, W. (2006). Welten von Kindern – Alltag in institutionellen Räumen. In T. Swiderek, D. Bühler-Niederberger, F. Heinzel, H. Sünker, & W. Thole (Hrsg.), Kinderwelten und institutionelle Arrangements. Modernisierung von Kindheit (1. Aufl.) (S. 7–16). Wiesbaden: VS, GWV Fachverlage GmbH.Google Scholar
  36. Thole, W., Göbel, S., & Milbradt, B. (2013). Kinder und Kindheiten im Blick unterschiedlicher Fachkulturen. In M. Stamm & D. Edelmann (Hrsg.), Handbuch frühkindliche Bildungsforschung (S. 23–36). Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  37. Wernet, A. (2006). Einführung in die Interpretationstechnik der Objektiven Hermeneutik (2. Aufl.). Wiesbaden: VS, GWV Fachverlage GmbH.Google Scholar
  38. Wolff, R. (2013). Kinderschutz. In D. Kreft & I. Mielenz (Hrsg.), Wörterbuch Soziale Arbeit. Aufgaben, Praxisfelder, Begriffe und Methoden der Sozialarbeit und Sozialpädagogik (7., vollst. überarb. u. aktual. Aufl.) (S. 531–534). Weinheim/Basel: Beltz Juventa.Google Scholar
  39. Zimmermann, P., Çelik, F., Iwanska, A., Fremmer-Bombik, E., & Scheuerer-Englisch, H. (2014). Befragung von Kindern im Kinderschutz: Entwicklungspsychologische Grundlagen und Interviewverfahren. In D. Bühler-Niederberger, L. Alberth & S. Eisentraut (Hrsg.), Kinderschutz. Wie kindzentriert sind Programme, Praktiken, Perspektiven? (S. 155–170). Weinheim/Basel: Beltz Juventa.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.KasselDeutschland

Personalised recommendations