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Soziale Inklusion: Utopie, Vision oder konkreter Gestaltungsauftrag?

  • Johannes D. Schütte
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Zusammenfassung

Soziale Inklusion ist, wie sein Gegenstück soziale Exklusion, ein vielschichtiger Begriff, dessen Wurzeln in der Underclass-Debatte in Großbritannien und den Vereinigten Staaten sowie in der französischen Armutsforschung liegen. Eine allgemein anerkannte Definition des sich immer weiter verbreitenden und inhaltlich auch verändernden Terminus soziale Inklusion gibt es bis heute nicht. Ausgehend von der Entstehung des Begriffs lässt sich Inklusion grundsätzlich durch die Modi der gesellschaftlichen Zugehörigkeit – Interdependenz und Partizipation – beschreiben. Soziale Inklusion ist, genau wie ihr Gegenpart soziale Exklusion, sowohl als Zielbestimmung als auch als der Weg zu deren Erreichung zu verstehen. Das Ausmaß sozialer Exklusion in einer Gesellschaft und damit auch sozialer Inklusion ist stets von politischen und damit von normativen Entscheidungen abhängig. Welche Mechanismen für die Exklusionsprozesse im Bildungs- und auch im Gesundheitsbereich in den Fokus gerückt werden, hängt von der theoretischen Herangehensweise ab. Ausgehend vom Menschenbild eines autonom handelnden Individuums (homo oeconomicus) kommt man zu anderen Ergebnissen, als wenn man die gesellschaftlichen Einflüsse auf das Handeln der Menschen (homo sociologicus) in den Vordergrund der Betrachtung stellt. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen beschreiben einerseits die Schwierigkeiten bei der Definition des Inklusionskonzeptes, auf der anderen Seite verdeutlicht die Darstellung auch das Potential, welches gerade in dieser Offenheit liegt. Soziale Inklusion ist bestimmt durch unterschiedliche, teils gegensätzliche Interessen, vermittelt aber auch zwischen ihnen, sie kann nicht auf die Grundannahme individueller Handlungsoptionen verzichten, wie sie umgekehrt nicht von der sozialen Gebundenheit des Handelns absehen kann. Nur so kann Inklusion verschiedenste Handlungsansätze miteinander verbinden und eine Möglichkeit bieten, dem Ziel Inklusion näher zu kommen.

Schlagworte

Inklusion Exklusion Bildung Gesundheit (intergenerative) Armutskreisläufe 

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Authors and Affiliations

  1. 1.DuisburgDeutschland

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