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Armut und Öff entlichkeit

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Zusammenfassung

Gesellschaftliche und ökonomische Veränderungsprozesse haben in den letzten zehn Jahren sowohl im globalen Kontext als auch bezogen auf die deutsche Situation das Thema der gesellschaftlichen Spaltung zunehmend auf die politische Agenda gebracht. Trotzdem ist das Verhältnis von Armut und Öffentlichkeit nach wie vor gekennzeichnet durch eine doppelte Marginalisierung.

Auf der einen Seite spielt das Thema bei den meisten Medien nur eine untergeordnete Rolle – es sein denn, es gibt Meldungen mit Sensationscharakter –, auf der anderen Seite sind sozial Benachteiligte sowohl aus finanziellen Gründen als auch teilweise aus Kompetenzgründen kaum in der Lage, die Medien produktiv für ihre Interessen zu nutzen. Doch scheinen sich hier Veränderungen abzuzeichnen, so findet sich das Thema immer häufiger in Polit-Talkshows. Betrachtet man die Darstellung von Armut in der Öffentlichkeit unter einer historischen Perspektive wird deutlich, wie stark die Th ematisierung von der jeweiligen ökonomischen und gesellschaft lichen Situation abhängt.

Zwischen Tabuisierung und Dramatisierung bewegt sich dabei die Bandbreite, wobei in der Tendenz festzustellen ist, dass das Thema sehr oft aus der Öffentlichkeit verdrängt wird. Insgesamt zeigt sich in den öffentlichen Diskursen eher ein Trend zur Stigmatisierung als zum Empowerment. Die Medien, die heute den öffentlichen Diskurs nachhaltig bestimmen, haben einen großen Anteil daran, welche Themen gesetzt werden.

Das Thema Armut ist dabei eher selten unter einer reflektierten Perspektive auf der Agenda. Gleichzeitig ist die Mediennutzung meistens abhängig von der sozialen Situation der Nutzer/-innen. Gerade neueste Informations- und Kommunikationstechnologien sind für sozial Benachteiligte aus finanziellen Gründen kaum erschwinglich, so dass oft nur rein rezeptiv zu nutzende Medien wie das Fernsehen in deren Medienausstattung zu finden sind Medien wie z B. das Internet werden vor allem von jüngeren, berufstätigen gut gebildeten Menschen genutzt. Dadurch verbreitert sich die Wissenskluft immer weiter. Sozial Benachteiligte werden in immer stärkerem Maße auch unter der Informations- und Kommunikationsperspektive benachteiligt.

Diesem Trend entgegenzuwirken, wäre eine wichtige Voraussetzung dafür, die Fähigkeit zur Selbstbestimmung und Autonomie der sozial benachteiligten Gruppen zu fördern. Dieser Aspekt von Armut bleibt wie viele andere im öffentlichen Diskurs weitgehend unberücksichtigt. Vor dem Hintergrund der Entwicklung der Medienstruktur bedarf es deshalb in Zukunft noch intensiverer Öffentlichkeitsarbeit bezogen auf die Darstellung der Armutssituation und den Herausforderungen, die sich daraus für eine Gesellschaft ergeben.

Schlagworte

Armut Kommunikation Medien Mediennutzung Öffentlichkeit 

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Authors and Affiliations

  1. 1.StuttgartDeutschland

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