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Diskontinuität und Diversität beruflicher Selbstständigkeit

  • Hans J. PongratzEmail author
  • Andrea D. Bührmann
Chapter

Zusammenfassung

Neben der vielfach dokumentierten Diversität selbstständigen Erwerbs sind die seltener erforschten typischen Diskontinuitäten in Forschung und Politik systematischer zu berücksichtigen, insbesondere im Hinblick auf die Solo-Selbstständigen. Auch wenn Diskontinuitäten vorwiegend durch Marktdynamiken verursacht sind, lassen sie sich nicht ausschließlich als betriebswirtschaftliche Herausforderung betrachten. Aus einer erwerbssoziologischen Perspektive wird deshalb die Erweiterung des Analyserahmens auf die Ökonomie des privaten Haushalts und auf mit den Lebensphasen variierende soziale Einflüsse vorgeschlagen. Die institutionellen Regelungen einzelner Berufsfelder schaffen dafür (z. B. mit Kontrollen des Berufszugangs und der Absicherung sozialer Risiken) unterschiedliche Voraussetzungen. Erwerbshybridisierung, als die parallele oder wechselnde Betätigung in selbstständigen und abhängigen Erwerbsformen, lässt sich vor diesem Hintergrund als Strategie zur Herstellung von Kontinuität der Erwerbslage verstehen. Solche Bewältigungspraxen diskontinuierlichen Erwerbs liefern wichtige Bezugspunkte für die künftige Gestaltung der Erwerbsbedingungen in beruflicher Selbstständigkeit.

Schlüsselwörter

Berufliche Selbstständigkeit Diversität Diskontinuität Erwerbshybridisierung Bewältigungspraxen Institutionelle Kontexte Unternehmerischer Erwerb 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Ludwig-Maximilians-Universität MünchenMünchenDeutschland
  2. 2.Universität GöttingenGöttingenDeutschland

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