Advertisement

Erwerbs- und Einkommenshybridisierung

Herausforderung für die Soziale Sicherung
  • Reinhold ThiedeEmail author
Chapter

Zusammenfassung

Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren zu hybriden Erwerbs- und Einkommensformen geführt; dieser Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen. Die Alterssicherungssysteme, insbesondere die Rentenversicherung, sind von dieser Entwicklung sowohl auf der Finanzierungs- als auch auf der Leistungsseite betroffen. Soll die Alterssicherung ihrer Einkommensersatzfunktion wie bisher gerecht werden, müssen die maßgeblichen rechtlichen Regelungen an die veränderten Bedingungen angepasst werden. So wäre es aus systematischer Sicht naheliegend, alle Einkunftsarten, die regelmäßig zur Finanzierung des Lebensunterhaltes dienen und die im Alter typischerweise wegfallen, in die obligatorische Alterssicherung einzubeziehen. Das beträfe zum einen die Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit, zum anderen aber auch alle anderen Einkünfte, die – z. B. über Crowdworking – zur Sicherung des Lebensunterhaltes generiert werden und im Alter entfallen. Falls Produkte oder Dienstleistungen über Internetplattformen angeboten, gegen Entgelt genutzt oder veräußert werden, ist eine Erfassung in aller Regel technisch möglich und sollte genutzt werden. Wenn den Sozialversicherungen die symmetrische Nutzung dieser technischen Möglichkeiten eröffnet wird, können sie unter den Bedingungen des digitalen Zeitalters der Einkommensersatzfunktion auch in Zukunft nachkommen.

Schlüsselwörter

Hybride Erwerbsformen Alterssicherung Einkommensersatzfunktion Beitragsbemessung Sozialversicherungspflicht Selbstständiger Finanzierung 

Literatur

  1. Arnold, M., Pavel, F., und Weber, K. (2016). Arbeiten auf Online-Plattformen – abhängig oder selbständig? Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung, 85(3), 19–35.Google Scholar
  2. Blohm, I., Leimeister, J. M., und Zogaj, S. (2014). Crowdsourcing und Crowd Work – ein Zukunftsmodell der IT-gestützten Arbeitsorganisation? In W. Brenner, und T. Hess (Hrsg.), Wirtschaftsinformatik in Wissenschaft und Praxis. Festschrift für Hubert Österle (S. 51–64). Berlin/Heidelberg: Springer Gabler.Google Scholar
  3. Bögenhold, D., und Fachinger, U. (2015). Editorial. Sozialer Fortschritt, 64(9/10), 207–209.Google Scholar
  4. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2017). Weissbuch Arbeiten 4.0. Arbeit Weiter Denken. Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales.Google Scholar
  5. Fachinger, U. (2002). Die Selbständigen: Armutspotential der Zukunft? In S. Sell (Hrsg.), Armutsforschung und Armutspolitik in Deutschland. Bestandsaufnahme und Perspektiven im Kontext der Armutsberichterstattung (S. 87–130, Schriften der Gesellschaft für Sozialen Fortschritt, Vol. 23). Berlin: Duncker & Humblot.Google Scholar
  6. Fachinger, U. (2016). Alterssicherung von Selbstständigen. Eine Bestandsanalyse auf Basis des Mikrozensus 2013. Discussion Paper 28/2016. Vechta: Fachgebiet Ökonomie und Demographischer Wandel, Institut für Gerontologie.Google Scholar
  7. Fachinger, U., und Frankus, A. (2011). Sozialpolitische Probleme bei der Eingliederung von Selbständigen in die gesetzliche Rentenversicherung. WISO Diskurs. Expertisen und Dokumentationen zur Wirtschafts- und Sozialpolitik Februar 2011. Bonn: Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung.Google Scholar
  8. Fachinger, U., und Frankus, A. (2017). Self-employment and Pensions – Is Old Age Poverty the Inevitable Dark Side of an Entrepreneurial Society? In J. Bonnet, M. Dejardin, und D. G. P. de Lema (Hrsg.), Exploring the Entrepreneurial Society. Institutions, Behaviours and Outcomes (S. 245–256). Cheltenham: Edward Elgar.Google Scholar
  9. Fachinger, U., Oelschläger, A., und Schmähl, W. (2004). Die Alterssicherung von Selbständigen – Bestandsaufnahme und Reformoptionen (Beiträge zur Sozial- und Verteilungspolitik, Vol. 2). Münster Hamburg London New York: Lit-Verlag.Google Scholar
  10. Forch, D. (2014). Schöne neue Arbeit? Die Herausforderung: Clickworking. Gegen Blende, 21.08.2014.Google Scholar
  11. Fründt, S., Fuest, B., und Kaiser, T. (2014). „Quick and dirty“ – eine neue Art des Geldverdienens. Die Welt, 16.04.2014.Google Scholar
  12. Hagen, K., und Rückert-John (2016a). Teilen, tauschen, leihen – Auswirkungen auf Arbeitsmarkt, Umwelt, Soziales. Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung, 85(3).Google Scholar
  13. Hagen, K., und Rückert-John (2016b). Teilen, tauschen, leihen – tragfähige Modelle künftigen Wirtschaftens? Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung, 85(2).Google Scholar
  14. Hoffmann, G. (1998). Tausche Marmelade gegen Steuererklärung. Ganz ohne Geld. Die Praxis der Tauschringe und Talentbörsen. München / Zürich: Piper.Google Scholar
  15. Kuhn, N. (2002). Tauschringe. Möglichkeiten und Grenzen einer „geldlosen“ Wirtschaft (Marburger Beiträge zum Genossenschaftswesen, Vol. 39). Marburg: Institut für Genossenschaftswesen.Google Scholar
  16. Leitl, M. (2008). Was ist ein Prosument? Harvard Businessmanager, Schwerpunkt Personal(3), 21–22.Google Scholar
  17. Lucke, D. (2013). Smart Factory. In E. Westkämper, D. Spath, C. Constantinescu, und J. Lentes (Hrsg.), Digitale Produktion (S. 251–269). Berlin-Heidelberg: Springer.Google Scholar
  18. Offe, C., und Heinze, R. G. (1990). Organisierte Eigenarbeit. Das Modell Kooperationsring. Frankfurt/New York: Campus.Google Scholar
  19. Picot, G., Neuburger, R., Prinz, A., Esser, J., und Hoeren, T. (2000). Die Bedeutung des Internet. Wirtschaftsdienst, 80(10), 591–606.Google Scholar
  20. Prinz, A. (2000). Die Bedeutung des Internet. Wirtschaftsdienst, 80(10), 595–600.Google Scholar
  21. Roßbach, G. (2017). 60 Jahre Dynamische Rente. RVaktuell, 64(7).Google Scholar
  22. Thiede, R. (2017). Warum gibt es Altersarmut? – Definition und Grundprinzipien des deutschen Alterssicherungssystems. Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit, 48(2).Google Scholar
  23. Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (1987). Zur langfristigen Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung. Gutachten der Kommission des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger, Juni 1987.Google Scholar
  24. Welskop-Deffaa, E. M. (2016). Erwerbshybridisierung oder Altersarmut 4.0? Neue Argumente für die Einbeziehung Selbstständiger in die gesetzliche Rentenversicherung. Soziale Sicherheit, 66(8), 307–311.Google Scholar
  25. Ziegelmeyer, M. (2013). Sind Selbstständige von Altersarmut bedroht? Eine Analyse des Altersvorsorge-Verhalten von Selbstständigen. In C. Vogel, und A. Motel-Klingebiel (Hrsg.), Altern im sozialen Wandel: Die Rückkehr der Altersarmut? (S. 229–249). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Deutsche Rentenversicherung BundBerlinDeutschland

Personalised recommendations