Advertisement

Hybridisierung der Erwerbsformen – Arbeits- und sozialrechtliche Antworten

  • Rainer SchlegelEmail author
Chapter

Zusammenfassung

Der Wandel der Arbeitswelt, neue Informations- und Kommunikationstechniken, die Möglichkeit örtlich und zeitlich flexibel zu arbeiten, der Strukturwandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft und neue Arbeitsformen (Projektarbeit etc.) bringen nicht nur neue Belastungen für die Erwerbstätigen mit sich. Der Wandel der Arbeitswelt löst auch vielfach klare Bilder und Vorstellung davon auf, was wir herkömmlich unter Arbeitern, Angestellten – oder weiter gefasst – abhängig Beschäftigten verstehen. Erwerbsverläufe enthalten Phasen abhängiger und Phasen sonstiger Erwerbstätigkeit im Wechsel. Die Hybridisierung der Erwerbsarbeit schreitet voran. Herkömmliche Abgrenzungskriterien wie das Weisungsrecht nach Art, Zeit und Ort der Tätigkeit oder die Eingliederung in den Betrieb scheinen nicht mehr zu passen und können die wünschenswerte Vorhersehbarkeit und damit Rechtssicherheit für die Vertragspartner in zahlreichen Bereichen nicht mehr hinreichend gewährleisten. Herausgefordert sind sowohl die Rechtsprechung, die klären muss, ob die herkömmlichen Instrumente ausreichen oder zu schärfen bzw. weiterzuentwickeln sind. Der Gesetzgeber steht vor der Frage: Wen soll das Sozialrecht, insbesondere die Sozialversicherung schützen, ist es nicht an der Zeit, den Schritt hin zu einer Erwerbstätigenversicherung zu gehen und die Bedingungen hierfür zu schaffen, insbesondere die heiklen Finanzierungsfragen zu klären?

Schlüsselwörter

Hybride Erwerbsformen Erwerbstätigenversicherung Sozialversicherungspflicht Selbstständiger Finanzierung 

Literatur

  1. Arnold, R., Oelschläger, A., Staber, J., und Rothgang, H. (2012). Sozialversicherungsbeiträge und Steuern von Selbständigen und Arbeitnehmern im Vergleich – Reformvorschläge, Stand: gesetzliche Regelung, die 2012 in Kraft ist. Bremen: Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen.Google Scholar
  2. Boecken, W. (2012). Berufsständische Versorgungswerke. In B. B. v. Maydell, F. Ruland, und U. Becker (Hrsg.), Sozialrechtshandbuch (SRH) (2. ed., S. 1057–1089). Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  3. Brenke, K., und Beznoska, M. (2016). Solo-Selbständige in Deutschland – Strukturen und Erwerbsverläufe Kurzexpertise für das BMAS. Forschungsbericht 465. Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales.Google Scholar
  4. Bundesrat (2016a). Beschluss des Bundesrates. Verordnung zur Festsetzung des Umlagesatzes für das Insolvenzgeld für das Kalenderjahr 2017 (Insolvenzgeldumlagesatzverordnung 2017 – InsoGeldFestV 2017). Bundesrat-Drucksache 378/16 (Beschluss). Berlin: Bundesrat.Google Scholar
  5. Bundesrat (2016b). Verordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Verordnung zur Festsetzung des Umlagesatzes für das Insolvenzgeld für das Kalenderjahr 2017 (Insol 2017 – InsoGeldFestV 2017). Bundesrat-Drucksache 378/16. Berlin: Bundesrat.Google Scholar
  6. Bundesregierung (2016a). Unterrichtung durch die Bundesregierung. Bericht über die Höhe des steuerfrei zu stellenden Existenzminimums von Erwachsenen und Kindern für das Jahr 2016 (10. Existenzminimumbericht). Bundestags-Drucksache 18/3893. Berlin: Deutscher Bundestag.Google Scholar
  7. Bundesregierung (2016b). Verordnung über maßgebende Rechengrößen der Sozialversicherung für 2017 (Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2017). Verordnung der Bundesregierung. Berlin: Bundesregierung.Google Scholar
  8. Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.). (2016). Rentenversicherung in Zahlen 2016. Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.Google Scholar
  9. Deutscher Bundestag (2005). Gesetz über den Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen für Entgeltfortzahlung (Aufwendungsausgleichsgesetz - AAG). In Deutscher Bundestag (Hrsg.), Bundesregierung (Vol. I, S. 3686–3690). Berlin: Deutscher Bundestag.Google Scholar
  10. Fachinger, U., und Frankus, A. (2011). Sozialpolitische Probleme bei der Eingliederung von Selbständigen in die gesetzliche Rentenversicherung. WISO Diskurs. Expertisen und Dokumentationen zur Wirtschafts- und Sozialpolitik Februar 2011. Bonn: Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung.Google Scholar
  11. Hase, F. (2000). Versicherungsprinzip und sozialer Ausgleich. Eine Studie zu den verfassungsrechtlichen Grundlagen des deutschen Sozialversicherungsrechts. Tübinger: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck).Google Scholar
  12. Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen (2017). Beitragssätze, Grenzwerte und Rechengrößen der Sozialversicherung 2017 (2. Halbjahr). http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Sozialstaat/Datensammlung/PDF-Datei en/tabIII15.pdf. Zugegriffen: 02.06.2017.
  13. Michaelis, K. (2012). Rentenberechnung, Rentenzahlung, Rentenanpassung. In F. Ruland (Hrsg.), Handbuch der gesetzlichen Rentenversicherung. Festschrift aus Anlaß des 100jährigen Bestehens der gesetzlichen Rentenversicherung im Auftrag des Vorstandes des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) (S. 401–424). Neuwied: Luchterhand.Google Scholar
  14. Papier, H.-J., und Moeller, J. (1996). § 7 SGB IV in der Anwendung durch die Rechtsprechung und das grundgesetzliche Bestimmtheitsgebot. Vierteljahresschrift für Sozialrecht, 14(4), 243–269.Google Scholar
  15. Reichstag (1889). Gesetz, betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung. Deutsches Reichsgesetzblatt (Vol. 1889, S. 97–144). Berlin: Reichstag.Google Scholar
  16. Schlegel, R. (1996). § 13 Aufbau, Systematik und Regelungstechniken der §§ 539 ff. RVO. In B. Schulin (Hrsg.), Unfallversicherungsrecht (S. 283–287, Handbuch des Sozialversicherungsrechts, Vol. 2). München: C. H. Beck.Google Scholar
  17. Schlegel, R. (2000). Wen soll das Sozialrecht schützen? – Zur Zukunft des Arbeitnehmer- und Beschäftigtenbegriffs im Sozialrecht. Neue Zeitschrift für Sozialrecht, 9(9), 421–428.Google Scholar
  18. Statistisches Bundesamt (Hrsg.). (2015). Verdienste und Arbeitskosten. Arbeitskosten im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich - Ergebnisse für Deutschland - 2012 (Fachserie 16, Vol. 1). Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.Google Scholar
  19. Statistisches Bundesamt (2016). Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Empfängerinnen und Empfänger insgesamt, durchschnittliche Bedarfe im Juni 2016. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialleistungen/Sozialhilfe/Grundsicherung/Tabellen/Reiter_03_BL_BQ_2015_DurchschnBetrVerschMerkmale.html. Zugegriffen: 02.06.2017.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Bundessozialgericht KasselKasselDeutschland

Personalised recommendations