Advertisement

Das Tagebuch in einer biografischen Erzählung

Zur methodischen Verbindung von schriftlichem und mündlichem biografischen Datenmaterial
Chapter

Zusammenfassung

Im Artikel wird der methodische Umgang mit während des Forschungsprozesses unerwartet auftauchendem schriftlichem autobiografischem Datenmaterial diskutiert. Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein Tagebuch, das während eines biografisch-narrativen Gesprächs von einer Biografin ohne Vorankündigung zur Hand genommen wurde, um daraus vorzulesen und das Vorgelesene zu kommentieren: Das Tagebuch wurde zum Bestandteil der Erzählpraxis. Bezüglich der Integration dieses neuen Materials in den Analyseprozess wird gegenstandsangemessen dafür plädiert, den Zeitpunkt und die Art und Weise des Auftauchens des Materials im Forschungsprozess bei der Entscheidung für eine triangulierende Methodik einzubeziehen. Des Weiteren wird dargestellt, in welcher Weise die analytische Trennung der erlebten und erzählten Lebensgeschichte der sequentiell und rekonstruktiv verfahrenden biografischen Methode nach Rosenthal als methodologische Heuristik dienen kann, um das schriftliche autobiografische Material als Datenquelle und als Teil einer Erzählpraxis zu analysieren. Divergenz und Perspektivität als zwei wesentliche Analysegewinne werden fallbezogen illustriert.

Schlüsselwörter

Datentriangulation schriftliches und mündliches autobiografisches Material biografische Fallrekonstruktion Divergenz und Perspektivität 

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Ackel-Eisnach, Kristina, und Caroline Müller. 2012. Perspektiven-, Methoden- und Datentriangulation bei der Evaluation einer kommunalen Bildungslandschaft. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research 13 (3): Art. 5. http://nbnresolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs120354. Zugegriffen: 25. Februar 2016.
  2. Alber, Ina. 2016. Zivilgesellschaftliches Engagement in Polen: ein biographietheoretischer und diskursanalytischer Zugang. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  3. Bernfeld, Siegfried. 1931. Trieb und Tradition im Jugendalter. Kulturpsychologische Studien an Tagebüchern. Leipzig: Verlag von Johann Ambrosius Barth.Google Scholar
  4. Denzin, Norman K. 1978. The research act: A theoretical introduction to sociological methods. New York: McGraw-Hill.Google Scholar
  5. Fichten, Wolfgang, und Birgit Dreier. 2003. Triangulation der Subjektivität – Ein Werkstattbericht. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research 4 (2): Art. 29. http://nbn-resolving.de/um:nbn:de:0114-fgs0302293. Zugegriffen: 25. Februar 2016.
  6. Flick, Uwe. 2011. Triangulation. Eine Einführung. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  7. Freitag, Walburga. 2005. Contergan. Eine genealogische Studie des Zusammenhangs wissenschaftlicher Diskurse und biographischer Erfahrungen. Münster [u.a.]: Waxmann.Google Scholar
  8. Halbwachs, Maurice. 1966. Das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen. Frankfurt/M.: Suhrkamp.Google Scholar
  9. Heinze, Carsten, und Martina Schiebel. 2013. Einleitung zur Sektionsveranstaltung: Autobiographische Formate – Spezifika der Produktion und Auswertung unterschiedlicher Quellen. In Unsichere Zeiten. Herausforderungen gesellschaftlicher Transformationen; Verhandlungen des 34. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Hrsg. Hans-Georg Soeffner, CD-Rom, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  10. Helpster, Werner, Leonie Herwartz-Emden, und Ewald Terhart. 2001. Qualität qualitativer Forschung in der Erziehungswissenschaft. Ein Tagungsbericht. Zeitschrift für Pädagogik 2: 251-269.Google Scholar
  11. Hoerning, Erika M. 2001. Biographische Methode/Biographieforschung. In Handbuch für Frauenbildung, Hrsg. Wiltrud Gieseke, 183-192. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  12. Kallmeyer, Werner, und Fritz Schütze. 1976. Zur Konstitution von Kommunikationsschemata der Sachverhaltsdarstellung. In Gesprächsanalysen, Hrsg. Dirk Wegener, 159-274. Hamburg: Buske.Google Scholar
  13. Kalthoff, Herbert. 2010. Beobachtung und Komplexität. Überlegungen zum Problem der Triangulation. Sozialer Sinn 11 (2): 353-365.Google Scholar
  14. Kannonier-Finster, Waltraud. 2004. Eine Hitler-Jugend. Sozialisation, Biographie und Geschichte in einer soziologischen Fallstudie. Innsbruck [u.a.]: Studien-Verlag.Google Scholar
  15. Kelle, Udo. 2001. Sociological explanations between micro and macro and the integration of qualitative and quantitative Methods. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research 2 (1): Art. 5. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs010159. Zugegriffen: 25. Februar 2016.
  16. Kelle, Udo. 2008. Die Integration qualitativer und quantitativer Methoden in der empirischen Sozialforschung. Theoretische Grundlagen und methodologische Konzepte. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  17. Lamnek, Siegfried. 1995. Qualitative Sozialforschung. Bd.1 Köttig, Michaela. 2005. Triangulation von Fallrekonstruktionen: Biographie-und Interaktionsanalysen. In Biographieforschung im Diskurs, Hrsg. Bettina Völter, Bettina Dausien, Helma Lutz und Gabriele Rosenthal, 65-83. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  18. Lamnek, Siegfried. 1995. Qualitative Sozialforschung. Bd.1. Methodologie. 3. Aufl. Weinheim: Beltz.Google Scholar
  19. Mangione, Cosimo. 2012. Eine Tagebuchanalyse und ihre Triangulation mit einem auto-biografisch-narrativen Interview. Einblicke in das Leben einer Frau, die an einer chronischen Darmentzündung leidet. In Transnationale Vergesellschaftungen. Verhandlungen des 35. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Frankfurt am Main 2010, Hrsg. Hans-Georg Soeffner (CD-Rom). Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  20. Mathys, Hanspeter, Lina Arboleda, Valérie Boucsein, Michael Frei, Marie-Luise Hermann, Marc Luder, Marius Neukom, und Brigitte Boothe. 2013. Alexandra – eine multiperspektivische, qualitative Einzelfallstudie zu Anliegen von PatientInnen im psychodynamischen Erstinterview. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research 14 (2): Art. 20. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1302207. Zugegriffen: 25. Februar 2016.
  21. Müller-Hohagen, Jürgen. 2001. Seelische Weiterwirkungen aus der Zeit des Nationalsozialismus – zum Widerstreit der Loyalitäten. In Unverlierbare Zeit. Psychosoziale Spätfolgen des Nationalsozialismus bei Nachkommen von Opfern und Tätern, Hrsg. Kurt Grünberg und Jürgen Straub, 83-116. Tübingen: Ed. Diskord.Google Scholar
  22. Pelinka, Anton. 1997. Das große Tabu: Österreichs Umgang mit seiner Vergangenheit. Wien: Verlag Österreich.Google Scholar
  23. Pohn-Weidinger [Lauggas], Maria. 2014. Heroisierte Opfer. Bearbeitungs- und Handlungsstrukturen von „Trümmerfrauen“ in Wien. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  24. Pohn-Weidinger [Lauggas], Maria, und Ingo Lauggas. 2012. Kohärente Erinnerung? Thesen zu Diskurs und Alltagsverstand in narrativen Quellen. Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 2: 190-207.Google Scholar
  25. Radenbach, Niklas, und Gabriele Rosenthal. 2012. Das Vergangene ist auch Gegenwart, das Gesellschaftliche ist auch individuell. Zur Notwendigkeit der Analyse biographischer und historischer ,Rahmendaten‘. Sozialer Sinn 13 (1): 3–37.Google Scholar
  26. Reichertz, Jo. 2009. Die Konjunktur der qualitativen Sozialforschung und Konjunkturen innerhalb der qualitativen Sozialforschung. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research 10 (3): Art. 30. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0903291. Zugegriffen: 25. Februar 2016.
  27. Rosenthal, Gabriele. 1993. Die erzählte Lebensgeschichte: eine zuverlässige historische Quelle? In Spurensuche. Neue Methoden in der Geschichtswissenschaft, Hrsg. Wolfgang Weber, 8-17. Regensburg: S. Roderer.Google Scholar
  28. Rosenthal, Gabriele. 1995. Erlebte und erzählte Lebensgeschichte. Gestalt und Struktur biographischer Selbstbeschreibungen. Frankfurt/M.: Campus.Google Scholar
  29. Rosenthal, Gabriele. 1996. Haben Nachkommen von Nazi-Tätern und von Überlebenden der Shoah vergleichbare Probleme? Strukturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Dialog über den Holocaust. In Als man Juden alles, sogar das Leben raubte. Über die nachträgliche Wirksamkeit nationalsozialistischer Zerstörung. Gespräche mit Nachkommen von Tätern und Opfern, Hrsg. Nea Weissberg-Bob, 173-196. Berlin: Lichtig.Google Scholar
  30. Spies, Tina. 2010. Migration und Männlichkeit. Biographien junger Straffälliger im Diskurs. Bielefeld: transcript.Google Scholar
  31. Völter, Bettina. 2003. Judentum und Kommunismus. Deutsche Familiengeschichten in drei Generationen. Opladen: Leske + Budrich.Google Scholar
  32. Wiesenthal, Simon. 1999. Das Amt und die Pflicht. Die Presse Sonderausgabe „2000“: 57-58.Google Scholar
  33. Witte, Nicole, und Gabriele Rosenthal. 2007. Biographische Fallrekonstruktion und Sequenzanalyse videographierter Interaktionen. Sozialer Sinn 8 (1): 3-24.Google Scholar
  34. Wuthenow, Ralph-Rainer. 1990. Europäische Tagebücher. Eigenart, Formen, Entwicklung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.Google Scholar
  35. Zur Nieden, Susanne. 1993. Alltag im Ausnahmezustand. Frauentagebücher im zerstörten Deutschland 1943 bis 1945. Berlin: Orlanda Frauenverlag.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität WienWienÖsterreich

Personalised recommendations