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Neue Machtverhältnisse im Einwanderungsland Deutschland?

  • Annette Treibel-Illian
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Zusammenfassung

Die Studie „Etablierte und Außenseiter“, die Norbert Elias und John L. Scotson 1965 veröffentlichten, wird daraufhin diskutiert, inwiefern sie Ansatzpunkte für die Analyse heutiger Machtkonstellationen in Deutschland bietet. Unter Einbeziehung der breiten Rezeption von „Etablierte und Außenseiter“ in der Migrationsforschung wird im Beitrag folgende Perspektive in den Mittelpunkt gestellt: In Deutschland, das längst zum Einwanderungsland geworden ist, sind die Alten Deutschen offenbar mit der Marginalisierung mancher Neuen Deutschen vertraut, nicht jedoch mit den gleichzeitig stattfindenden Etablierungsprozessen anderer Neuer Deutscher. Die immer noch häufig als „Ausländer“ bezeichneten Neuen Deutschen unterlaufen die für sie vorgesehene Rangordnung: Einwanderer verfügen jetzt auch über die Machtmittel der Kohäsion, Integration und des Lobklatsches, wie der Wandel ihrer Organisationsformen zeigt. Gefühle und Instrumente von Macht und Ohnmacht sind nicht mehr eindeutig verteilt. Pegida und AfD werden als Versuche betrachtet, die alte Ordnung wiederherzustellen.

Schlüsselwörter

Machtverhältnisse Etablierte und Außenseiter Einwanderung Deutschland 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Transdisziplinäre SozialwissenschaftPädagogische Hochschule KarlsruheKarlsruheDeutschland

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