Der Staatsgerichtshof in Hessen zwischen unitarischem Bundesstaat, Mehrebenensystem und Landespolitik

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Zusammenfassung

Der Beitrag geht der Frage nach, welche Bedeutung dem Hessischen Staatsgerichtshof (StGH) zum einen im politischen System Hessens, in der landesspezifischen Politikgestaltung, und zum anderen im bundesdeutschen Mehrebenenkonstitutionalismus zukommt. Gezeigt wird, dass der StGH zwar als „Verfassungshüter“ auf Landesebene kontinuierlich eine Rolle gespielt hat, aber mit überschaubarer Wirkung. Konzipiert war er nicht als politischer Vetoplayer, sondern als Kontrollinstanz beim Verfassungsstreit zwischen Landesorganen und als Instrument der wehrhaften Demokratie. Auch sollten die Verfassungsrichter an die Leine des politischen Mehrheitswillens gelegt werden: Die Mehrheit von nichtprofessionellen Mitgliedern sowie deren parlamentarische Wahl für die Dauer der Legislaturperiode sollten Gewähr zumindest für ein Mindestmaß an parteipolitischer Loyalität bieten. Gleichzeitig akzeptierte der StGH den Vorrang von Bundesrecht und ordnete sich der Judikatur des BVerfGs unter. Bis in die jüngste Vergangenheit konzentrierte sich das Tätigkeit des StGHs auf Normenkontrollen und Grundrechtsklagen. Erst seit der Jahrtausendwende lassen sich Anzeichen eines neuen Selbstbewusstseins und größerer Unabhängigkeit des StGHs ausmachen, die auf Basis der zunehmenden Professionalisierung seiner Mitglieder gewachsen sind. Das Ursprungsmodell eines mehrheitlichen Laiengerichts jedenfalls scheint sich jedenfalls überlebt zu haben.

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  1. 1.Institut für PolitikwissenschaftPhilipps-Universität MarburgMarburgDeutschland

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