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Entzauberung und messianische Spannung. Implikationen reformatorischer Theologie der Politik

Chapter
Part of the Politik und Religion book series (PUR)

Zusammenfassung

Jochen Bohn interpretiert die reformatorische Theologie der Politik im Sinne eines politisch relevant bleibenden Christentums, das sich zwischen zwei gegensätzlichen Polen bewegt. So rekonstruiert er einerseits, wie die Reformation für eine folgenschwere Entzauberung der Politik gesorgt hat, indem sie den zuvor dominierenden konstruktiven Messianismus des abendländischen Christentums „entzauberte“ sowie Politik und Religion infolge der Zwei-Reiche-Lehre voneinander entkoppelte. Andererseits aber kehrten unter den von der Reformation geschaffenen Bedingungen jene Spannungen wieder, die bereits den (ursprünglichen) jesuanischen Messianismus geprägt hatten, indem sich glaubende und politische Gemeinschaft, religiöse Innerlichkeit und politische Praxis letztlich doch nicht strikt trennen ließen. Nicht zuletzt anhand ihres divergenten Umgangs mit dieser Spannung sind nach Bohn die politischen Lehren Luthers und Calvins zielgerecht miteinander zu vergleichen.

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Authors and Affiliations

  1. 1.NeubibergDeutschland

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