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Was kommt nach dem Paradies?

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Zusammenfassung

Unabhängig davon, ob ein Patient freiwillig das Paradies verlässt („Aufbruch aus Verlangen“) oder ob er daraus vertrieben wird („Aufbruch aus Notwendigkeit“), gerät er danach zunächst immer in einen Zustand der Verwirrung und vorübergehenden Ratlosigkeit. Diese Erfahrung kommt dadurch zustande, dass das bisherige Welt-Modell jetzt nicht mehr gültig erscheint und noch nicht durch ein neues ersetzt werden kann. Es wird beschrieben, wie Patienten genau den Eintritt in diese nächste Zone (von mir „Rätselzone“ genannt) erleben, und es werden Querbezüge zum Traum aufgezeigt. Intensives Erleben, eine neue Wahrnehmungsoffenheit, aber auch Angst vor dem Unvertrauten sind typische Begleiterscheinungen. Die meisten Patienten neigen deshalb dazu, sich von diesem Neuen abzugrenzen, indem sie Schutzmauern um sich errichten, wie sie sich auch sehr häufig in Patientenbildern zeigen, die in dieser Phase der Reise gemalten werden. Diese Mauern oder Blasen markieren also einen weiteren Raum, den ich als „Diaspora“ bezeichne, weil er in vielen Charakteristika dem Schutzraum ähnelt, den sich Immigranten häufig in dem neuen Land, in das sie übersiedeln, schaffen.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.MünchenDeutschland

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