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Der mühsame Weg des Wiedererkennens

  • Andreas Marneros
Chapter

Zusammenfassung

Aus dem neunzehnten Gesang meiner Odyssee werde ich Euch erzählen, wie Odysseus und Telemachos mit den letzten Vorbereitungen zur Vernichtung der Freier beginnen. Heimlich verstecken sie alle Waffen. Eine persönliche Begegnung zwischen Odysseus – in seiner Bettlergestalt – und Penelope leitet den langen Prozess des Wiedererkennens ein; Vertrautheit zwischen beiden ist bald erkennbar, auch wenn es eine Grenze gibt, die sie nicht überschreiten. Penelope erkundigt sich nach Heimat und Geschichte des Fremden, der sehr überzeugend wieder eine unwahre Geschichte erzählt. Nach der fiktiven Beschreibung einer Begegnung zwischen dem Fremden und ihrem Gemahl weint Penelope, während Odysseus äußerlich unbewegt bleibt. Auf Penelopes Verlangen liefert der vermeintlich Fremde eine überzeugende Beschreibung von Odysseus Kleidung, was Penelope zusätzlich aufwühlt, aber den Gast auch glaubwürdig macht. Dennoch kann sie seine Überzeugung, dass ihr Mann bald zurückkommen wird, nicht teilen. Die Königin teilt ihm mit, dass der morgige Tag ein Schicksalstag sein wird. Sie beabsichtigt nämlich, dem Treiben der Freier ein Ende zu setzen. Sie will sie auffordern, den Bogen des Odysseus zu bespannen und damit einen Pfeil durch die Löcher von zwölf Äxten hindurch schießen, eine Fertigkeit, die nur Odysseus beherrscht. Derjenige, der das schafft, soll ihr Bräutigam werden, wobei sie insgeheim hofft, dass alle scheitern. Odysseus stimmt begeistert zu. Zwar erkennt Penelope ihren Ehemann noch nicht, wohl aber seine alte Amme Eurykleia, durch eine alte Narbe an seinem Bein. Sie verspricht Odysseus, niemandem zu verraten, wer er in Wirklichkeit ist.

Und die uns begleitende Seele wird dabei geflügelte Worte von immerwährender Gültigkeit singen, wie etwa über die Selbstdisziplin und die Selbstbeherrschung als Voraussetzungen des Zielerreichens, über die schwierige Unterscheidung zwischen echten und falschen Geschichten und die schwere Last der Unbarmherzigkeit und Empathielosigkeit. So wie über manches andere.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.BonnDeutschland

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