The Importance of Networks and Cooperation in Wine Tourism- A Comparison of Touristic Stakeholders in the German Moselle and Franconia Wine Regions/Die Bedeutung von Netzwerken und Kooperation im Weintourismus – Ein Vergleich der touristischen Stakeholder in den deutschen Weinbauregionen Mosel und Franken

Chapter
Part of the Forschung und Praxis an der FHWien der WKW book series (FPGHW)

Zusammenfassung

Haart (2003), Kagermeier (2011) und Schamel (2013) bezeichnen den Weintourismus dann als am ehesten erfolgsversprechend, wenn dieser in einer Atmosphäre der Kooperation stattfindet. Cambourne und Macionis (2000) stellen dies insbesondere für politische Entscheidungsträger und Repräsentanten offizieller Institutionen fest. Die Kultur- und Weinbotschafter, auch als „Weinerlebnisführer“ bezeichnet, sind touristische Gästeführer in Weinbauregionen. Das Konzept wurde erstmalig ab der Jahrtausendwende in Franken umgesetzt und seither mit gemischtem Erfolg in vielen deutschen Weinbauregionen zur Anwendung gebracht. Während die Weinerlebnisbegleiter in Weinfranken sehr erfolgreich operieren, kämpft das Konzept an der Mosel um Erfolg. Als möglicher Grund hierfür emergierte in verschiedenen Studien (z. B. Harms et al. 2012) eine schlechte Vernetzung der Akteure. In beiden Regionen wurde eine qualitative, soziale Netzwerkanalyse durchgeführt, um die Strukturen der Netzwerke verschiedener Weinerlebnisbegleiter zu erarbeiten und in der Zusammenschau einen Überblick über die jeweiligen Gesamtnetzwerke zu generieren. Dazu zeichneten die Studienteilnehmer ihre persönlichen Netzwerkkarten während eines teilstrukturierten, problemzentrierten Interviews auf. Die Netzwerkkarten wurden digital visualisiert und kombiniert. Dazu wurde die Software „VennMaker“ eingesetzt (Schönhuth 2009). Die Methode lieferte letztendlich einen guten Überblick über die Strukturen vor Ort und vermochte gleichzeitig, Erklärungen für die beobachtbaren Phänomene zu generieren. Tatsächlich unterschieden sich die offiziellen Strukturen an der Mosel und in Franken nur marginal. In beiden Netzwerken steht ein staatlicher Akteur als Protagonist im Zentrum des Netzwerks. In Franken ist dies die „Landesanstalt für Wein- und Gartenbau“, kurz LWG. An der Mosel ist dies das „Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR)“. Beide zeichnen für die Einführung und Ausbildung der Gästeführer verantwortlich. Während an dieser Stelle das Engagement des DLR allerdings weitgehend endet, übernimmt die LWG in Franken auch nach der Ausbildung eine wichtige Funktion in der Betreuung der Gästeführer und stellt zentrale Erfolgsfaktoren in Form von Marketingunterstützung, Legitimierung, Mittlerfunktionen zu wichtigen Behörden und Institutionen, Auftragsvermittlung sowie Weiterbildungsmöglichkeiten und Wissenstransfer zur Verfügung. Auf diese Weise konnten sich die lokalen Gästeführer komplett ihrer Aufgabe widmen und darüber hinaus lukrative und professionelle persönliche Netzwerke etablieren. In Ermangelung eines solchen starken Protagonisten im Zentrum des moselländischen Netzwerkes ist dieses deutlich von Kompensation geprägt. Einzelne etablierte Gästeführer treten notgedrungen an die Stelle des zentralen Akteurs und kompensieren diese Funktionen für ihre persönlichen Netzwerke. Die Verbindung zu diesen Akteuren ist für alle Gästeführer notwendig, um erfolgreich am Markt zu bestehen. Die Chancengleichheit der Gästeführer ist gegenüber Franken damit deutlich verringert. Als Erfolgsfaktoren wirken neben den Kontakten zu anderen Gästeführern damit klassische Faktoren, wie regionale Herkunft, Engagement in der Gemeinde und familiäre Bindungen.

Schlüsselwörter

Networks and Cooperation Wine Tourism Touristic Stakeholders Qualitative Social Network Analysis 

References

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Authors and Affiliations

  1. 1.Fachbereich WirtschaftFachhochschule StralsundStralsundDeutschland

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