Kontingenz oder Qualität? Die Entwicklung eines textanalytischen Verfahrens zur Differenzierung zwischen journalistischen und PR-Angeboten – ein Werkstattbericht

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Part of the Forschung und Praxis an der FHWien der WKW book series (FPGHW)

Zusammenfassung

Die Grenzen zwischen PR und Journalismus scheinen zunehmend zu verschwimmen, und zwar zuungunsten des Journalismus: Den steigenden Budgets der PR-Treibenden stehen häufig personell reduzierte Medienredaktionen gegenüber. Angesichts sinkender Einnahmen aus dem journalistischen Geschäft gehen sowohl Medienhäuser als auch freie Journalisten vermehrt dazu über, neben journalistisch-redaktionellen auch PR-Texte als kommunikative Dienstleistung zu verkaufen. Die in der Journalismusforschung weit verbreiteten rollen- und akteurzentrierten Modelle, auf die in diesem Zusammenhang oft zurückgegriffen wird, gehen jedoch mit einigen Beschränkungen einher: Zum einen lenkt die Konzentration auf PR-Treibende und Journalisten von der Tatsache ab, dass sehr verschiedene Akteure an der Produktion von veröffentlichten Texten beteiligt sind und – gerade auch im Online-Bereich – die Herkunft von Texten nicht immer erkennbar ist. Zum anderen wird die Lösung der verschwimmenden Grenzen zwischen Journalismus und PR in akteurzentrierten Ansätzen fast ausschließlich im Verweis auf ethische Prinzipien gesehen, die zum Beispiel im Rahmen einer Ausbildung von Akteuren gelehrt werden müssten – eine Forderung, die gut gemeint, aber problematisch ist angesichts der Tatsache, dass der Zugang zum Journalismus nach wie vor frei ist und die jeweiligen Kontextbedingungen ethisches Verhalten häufig erschweren. Wir schlagen an dieser Stelle einen Ansatz vor, der eine Unterscheidung von Journalismus und PR auf der Textebene ermöglichen soll. Dabei arbeiten wir nicht mit dem schwer operationalisierbaren Qualitätsbegriff. Stattdessen orientieren wir uns am Kontingenzbegriff, mit dessen Hilfe es möglich sein soll, journalistische Texte deutlich von PR-Texten zu unterscheiden.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für KommunikationswissenschaftOtto-Friedrich-Universität BambergBambergDeutschland

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