Sozialisation pp 133-139 | Cite as

Krappmann: Rollendistanz, Ambiguitätstoleranz, Balance der Identität

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Part of the Studientexte zur Soziologie book series (STSO)

Zusammenfassung

In seinem Buch „Soziologische Dimensionen der Identität“ (1969) hat Lothar Krappmann (*1936) die Frage nach „strukturellen Bedingungen für die Teilnahme an Interaktionsprozessen“ – so der Untertitel – aufgeworfen. Seine Antwort entwickelte er in drei Schritten: Er setzte sich erstens kritisch mit der Rollentheorie von Talcott Parsons auseinander, die von vielen nur als Theorie der Anpassung an gesellschaftliche Verhältnisse und ergo Nicht-Beanspruchung von Identität gelesen wurde. Zweitens stellte Krappmann George Herbert Meads These heraus, dass Identität nur auf dem Umweg über den Anderen gewonnen werden kann, und verband sie mit Erik H. Eriksons These, dass Identität eine personale Seite, die über die unverwechselbare Biografie und ihre typischen Krisenlösungen definiert ist, und eine soziale Seite hat, die über die Anerkennung des Selbstbildes durch die Anderen gewonnen wird. Die von Erikson so bezeichnete Ich-Identität ist deshalb eine fortlaufende Balance zwischen Individuum und Gesellschaft. Da Identität als strukturelle Bedingung für die Teilnahme an Interaktionsprozessen angesehen wird, fragte Krappmann schließlich drittens, welche Kompetenzen man eigentlich braucht, um Identität zu gewinnen und zu demonstrieren. Hier lehnte sich Krappmann an die Arbeiten von Erving Goffman an.

Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.FB Kultur- u. SozialwissenschaftenFernUniversität in HagenHagenDeutschland
  2. 2.BildungswissenschaftenBergische Universität WuppertalWuppertalDeutschland

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