Advertisement

Erikson: Die psychosoziale Entwicklung der Identität und die Integration von Grundhaltungen

  • Heinz Abels
  • Alexandra König
Chapter
Part of the Studientexte zur Soziologie book series (STSO)

Zusammenfassung

Erik H. Erikson (1902–1994) ging nach seiner Ausbildung bei Anna Freud in Wien in die USA und wurde dort einer der bedeutendsten sozialwissenschaftlich ausgerichteten Psychoanalytiker. Im Zentrum seines Werkes steht eine Identitätstheorie, die er in vielen Facetten in seinem breiten Oeuvre und in zahlreichen öffentlichen Vorträgen vorgestellt hat und die die psychologische und soziologische Diskussion weltweit beeinflusst hat. Wir stellen sie vor, nehmen dabei aber eine bestimmte Perspektive ein: Wir lesen aus ihr nämlich auch eine Sozialisationstheorie heraus. Um es vorwegzunehmen: Erikson überwindet die Engführung der Psychoanalyse, nach der die Persönlichkeit durch die Triebentwicklung in der frühen Kindheit mehr oder weniger festgelegt ist, und deckt mit seiner psychosozialen Entwicklungstheorie „ego’s roots in social organization“ (Erikson 1950a, S. 15) auf. Das Individuum steht von der frühen Kindheit an in einer ständigen Wechselwirkung mit konkreten Anderen und sieht sich lebenslang mit kulturellen Werten und sozialen Regeln, typischen Erwartungen und neuen Möglichkeiten konfrontiert. Welche Identität – hier verstanden als die Vorstellung des Individuums von sich und seiner Stellung in der Gesellschaft – es im Laufe seines Lebens jeweils ausbildet, hängt davon ab, welche sozialen Erfahrungen es macht und wie es mit sozialen Erwartungen umgeht. Eriksons psychosoziale Entwicklungstheorie ist wie ein Plan der lebenslangen Arbeit an der Identität. Im Hintergrund dieser Identitätsarbeit entfaltet sich ein ebensolcher Plan der Sozialisation des Individuums durch die Gesellschaft und der Selbstsozialisation des Individuums gegenüber dieser Gesellschaft.

Literatur

  1. Erikson, Erik H. (1946): Ich-Entwicklung und geschichtlicher Wandel. In: Erikson (1959a)Google Scholar
  2. – (1950): Childhood and Society. New York: Norton & Company, second edition, revised and enlarged, 1963Google Scholar
  3. – (1950a): Kindheit und Gesellschaft. Stuttgart: Klett, 5. Aufl. 1974Google Scholar
  4. – (1950b): Wachstum und Krisen der gesunden Persönlichkeit. In: Erikson (1959a)Google Scholar
  5. – (1956): Das Problem der Ich-Identität. In: Erikson (1959a)Google Scholar
  6. – (1959a): Identität und Lebenszyklus. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2. Aufl. 1974Google Scholar
  7. – (1959b): Identität und Entwurzelung in unserer Zeit. In: Erikson (1964)Google Scholar
  8. – (1961): Die menschliche Stärke und der Zyklus der Generationen. In: Erikson (1964)Google Scholar
  9. – (1964): Einsicht und Verantwortung. Die Rolle des Ethischen in der Psychoanalyse. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1971Google Scholar
  10. – (1982): Der vollständige Lebenszyklus. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1988Google Scholar
  11. Fend, Helmut (1991): Identitätsentwicklung in der Adoleszenz. Lebensentwürfe, Selbstfindung und Weltaneignung in beruflichen, familiären und politisch-weltanschaulichen Bereichen. Entwicklungspsychologie der Moderne, Band II. Bern: HuberGoogle Scholar
  12. Keupp, Heiner; u. a. (1999): Identitätskonstruktionen. Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne. Reinbek: Rowohlt, 2. Aufl. 2002Google Scholar
  13. Krappmann, Lothar (1991): Sozialisation in der Gruppe der Gleichaltrigen. In: Hurrelmann, Klaus; Ulich, Dieter (Hrsg.) (1991): Neues Handbuch der Sozialisationsforschung. Weinheim: Beltz, 4., völlig neu bearbeitete AuflageGoogle Scholar
  14. – (1997): Die Identitätsproblematik nach Erikson aus einer interaktionistischen Sicht. In: Keupp u. Höfer (Hrsg.) (1997): Identitätsarbeit heute. Klassische und aktuelle Perspektiven der Identitätsforschung. Frankfurt am Main: SuhrkampGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.FB Kultur- u. SozialwissenschaftenFernUniversität in HagenHagenDeutschland
  2. 2.BildungswissenschaftenBergische Universität WuppertalWuppertalDeutschland

Personalised recommendations