Was blieb? – Die Vermarktung Sauerbruchs

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Part of the essentials book series (ESSENT)

Zusammenfassung

Was von Sauerbruch blieb, war vor allem sein Spielfilm (1954), der wie kaum ein anderer deutscher Arztfilm nach 1945 den biographischen Mythos des Chirurgen aufgriff und weiter verfestigte, war aber auch die nach Sauerbruch benannte und überaus erfolgreiche Hormoncreme „Hormocenta“. Mit Zelloloidstreifen wie „Robert Koch, der Bekämpfer des Todes“ (1939), „Germanin“ (1943) und „Paracelsus“ (1943), um nur wenige zu nennen, waren im nationalsozialistischen Deutschland historische Arztfilme geschaffen worden, die ganz auf die Überhöhung, ja Glorifzierung „nationaler“ Medizin zielten und den deutschen Arzt als Überarzt, als Führerarzt und als herausragenden Wissenschaftler zeugten. An diesen Arztmythos soll nach dem Krieg ohne jeden Zweifel wieder angeknüpft werden. Der am 13. August 1954 uraufgeführte „Sauerbruch“-Film war damit nicht nur ein, wie die Pressemeldungen der Zeit belegen, überaus erfolgreicher Unterhaltungsstreifen, der ein erst drei Jahre zuvor erloschenes und gleichwohl bereits heroisch-überstilisiertes historisches Arztleben spielerisch-biographiefern wiedergab, sondern auch unmissverständlich den Fortbestand des alten Arzttypus signalisierte. Dabei differierte dieses Bild allerdings vom populären Nachkriegsmotto des „Wir sind wieder wer!“ in einer entscheidenden Nuance. Es gab ihn nicht wieder, sondern immer noch, den heroisch-autoritären Arzttyp, gebeugt aber ungebrochen durch die Stürme der jüngsten Vergangenheit. Die komplizierte und ränkereiche Vorgeschichte der Filmproduktion, in der als vorgesehener Drebuchautor Fritz Kortner (1919–1970) auf- und wieder abtaucht, als Regisseur Josef von Baky (1902–1966) und als Hauptdarsteller O. E. Hasse (1903–1978) kurz aufleuchten und verglimmen, kann dieser Stelle nur angedeutet werden.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Geschichte und Ethik der MedizinHeidelbergDeutschland

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