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Schutz durch Kontrolle?

Zur Debatte über die Regulierung der Sexarbeit in Deutschland
Chapter
Part of the Geschlecht und Gesellschaft book series (GUG, volume 60)

Zusammenfassung

Die Regulierung der Prostitution in Deutschland hat mit dem Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes im Jahr 2002 einen Paradigmenwechsel vollzogen. Der Vertrag über sexuelle Dienstleistungen gilt seitdem nicht als sittenwidrig, die Bereitstellung angenehmer Arbeitsbedingungen für Sexarbeiter*innen ist nicht mehr strafbar. Andere Ziele des Gesetzes wie die Integration der Sexarbeit in die Sozialversicherung wurden nicht erreicht. Aktuelle Reformbestrebungen deklarieren das Scheitern des bundesdeutschen Modells und fordern einen Politikwechsel hin zur Abschaffung der Prostitution durch das sog. schwedische Modell. Der Beitrag prüft zunächst kritisch die These vom Scheitern des Prostitutionsgesetzes und entfaltet die (feministische) Kontroverse darüber, ob Prostitution ein Beruf oder eine Menschenrechtsverletzung ist. Vor diesem Hintergrund beleuchtet er anschließend die aktuellen Reformdebatten über ein Prostituiertenschutzgesetz in Deutschland. Die Autorin plädiert für einen pragmatischen rechtspolitischen Ansatz, der die Auswirkungen der Regulierung auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter*innen in den Mittelpunkt der Überlegungen stellt.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Fachbereich Angewandte SozialwissenschaftenFachhochschule DortmundDortmundDeutschland

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