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Zusammenfassung

Kambodscha, im November 2009. Etwa vier Meilen außerhalb des Stadtkerns der Hauptstadt Phnom Penh finden in einem eigens dafür umgebauten Saal die Schlussplädoyers im Gerichtsprozess gegen Kaing Guek Eav, genannt „Duch“, statt. Knapp 30 Jahre nach dem Ende des Regimes der Khmer Rouge muss er sich für seine Rolle als Leiter des berüchtigten geheimdienstlichen Foltergefängnisses Tuol Sleng, oder S-21, wie es offiziell genannt wurde, verantworten. Ihm werden Mord, Folter und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt. Durch Hinrichtung und unmenschliche Behandlung starben in der Einrichtung während der Herrschaft der Khmer Rouge von 1974 bis 1976 etwa 15.000 Menschen. Das Gericht, die „Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia“ (ECCC) ist ein in langen Verhandlungen eingerichtetes sogenanntes Hybridtribunal. Ein Tribunal also, das sowohl internationales als auch nationales kambodschanisches Strafrecht anwendet und bei dem alle Rollen – Richterinnen, Anklägerinnen, Administration – von internationaler als auch kambodschanischer Seite nach einem bestimmten Schlüssel paritätisch besetzt werden. Während des Prozesses sitzen alle Prozessbeteiligten aus Sicherheitsgründen hinter dickem Panzerglas, das sie vom Auditorium trennt. Dort haben einige internationale Beobachter-innen Platz genommen; der Großteil der blauen Sitze wird aber von Kambodschanerinnen besetzt – in diesem Fall in erster Linie Menschen aus der Provinz, die von engagierten lokalen Nichtregierungsorganisationen („Non-Governmental Organizations“, NGOs) informiert und eingeladen wurden, dem Prozess beizuwohnen. Sie haben die ausgegebenen Kopfhörer für die Übersetzung aufgesetzt, um auch die französischen oder englischen Ausführungen der ausländischen Offiziellen verstehen zu können (das Gericht ist offiziell dreisprachig); um nicht nur zu hören, wie „Duch“ ausweicht und sich verteidigt, plädiert und abstreitet, sondern auch die Diskussionen zwischen Anklage, Verteidigung und Richterinnenbank verfolgen zu können. Nach einer langen und zähen ersten Verhandlungsphase an diesem Tag kommt es zur obligatorischen Pause und ein schwerer weinroter Vorhang zieht sich vor dem Glaskasten zusammen. Vielleicht ist es dies, vielleicht die Theatralik in „Duchs“ Auftritt, vielleicht etwas ganz anderes, dass einen der hochkonzentriert arbeitenden kambodschanischen Simultanübersetzter zu einem kleinen Fauxpas verleitet. Bevor er sein Mikrofon abstellt, kommentiert er mit leicht erstaunt-empörter Stimme das Geschehen: „This is a play…“, ein Schauspiel.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.Zentrum für Konfliktforschung, FB 03Philipps-Universität MarburgMarburgDeutschland

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