Entstehung und Inhalt der brandenburgischen Verfassung

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Zusammenfassung

Das Kapitel zeichnet im ersten Teil die Entstehung der Landesverfassung nach und argumentiert, dass das im Vergleich besonders partizipative Verfahren sowie der hohe Grad der eingegangenen Kompromisse v.a. das Ergebnis der Dreiparteienkoalition und der Oppositionsstruktur im Landtag waren. Der Anspruch, in der Verfassung politische Ideale zu verankern, weckte hohe Erwartungen und erzeugte Konflikte, die sich nicht komplett ausräumen ließen. Letztlich war die Kompromissbereitschaft der SPD gegenüber der CDU begrenzt, weshalb die Verfassung im Parlament eine geringere Zustimmung erfuhr als die Verfassungen der anderen neuen Länder. Der zweite Teil des Kapitels beschreibt die wichtigsten Inhalte, auf die sich die Verfassungsgeber einigten. Viele Regelungen ähneln anderen deutschen Landesverfassungen. Jedoch zeigt sich eine „rot-grüne“ Handschrift bei den zahlreichen Grundrechten und Staatszielen sowie staatsorganisatorischen Regelungen, die auf eine starke Einhegung politischer Entscheidungsträger abstellen, darunter verschiedene Möglichkeiten der Beteiligung jenseits von Wahlen. Aufgrund abweichenden Bundesrechts und beschränkter Landesfinanzen werden aber viele gerade dieser Regelungen nicht wirksam.

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  1. 1.Institut für PolitikwissenschaftUniversität LeipzigLeipzigDeutschland
  2. 2.Staatswissenschaftliche FakultätUniversität ErfurtErfurtDeutschland

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