Die postheroische Gesellschaft und ihr Militär

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Zusammenfassung

Der Beitrag diskutiert die sinnkonstitutive Selektivität zeitdiagnostischer Gesellschaftsbegriffe am Beispiel der Metapher der postheroischen Gesellschaft im Anschluss an Herfried Münkler und andere. Dabei werden die Implikationen aufgezeigt, die mit der Verwendung des Postheroismus-Begriffs im Allgemeinen sowie mit Blick auf seinen Gebrauch in Bezug auf das Feld von Militär, Gewalt und Krieg im Besonderen verbunden sind. Ziel ist es herauszuarbeiten, dass die seit einigen Jahren wiederholt beklagte ‚Entfremdung` zwischen Militär und ziviler Umwelt damit vorrangig auf Seiten Letzterer verortet wird. Die spezifischen Bedingungen des durch die Auslandseinsätze bedingten Wandels der Bundeswehr ebenso wie die Frage nach deren politischer Legitimität werden indes ausgeblendet. Im Rekurs auf alternative Fassungen des Postheroischen wird demgegenüber ein Vorschlag für eine erweiterte postheroische Perspektive auf die zivil-militärischen Beziehungen skizziert.

Schlagworte

Postheroismus postheroische Gesellschaft Militär Bundeswehr Auslandseinsätze zivil-militärische Beziehungen zeitdiagnostischer Gesellschaftsbegriff 

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Authors and Affiliations

  1. 1.BerlinDeutschland

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