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Einleitung

  • Annette Jünemann
  • Julia Simon
Chapter
Part of the essentials book series (ESSENT)

Zusammenfassung

Wie immer der „Arabische Frühling“ in der Zukunft auch im Detail bewertet werden mag, schon jetzt kann man von einer historischen Zäsur sprechen. Der Mut zur Auflehnung gegen die seit Jahrzehnten herrschenden Autokratien im südlichen Mittelmeerraum macht den Arabischen Frühling vergleichbar mit den Revolutionen im Osten Europas Ende der 1980er Jahre, auch wenn sein Ausgang noch ungewiss ist. Angefangen hatte es Ende 2010 mit friedlichen Demonstrationen in Tunesien in Reaktion auf die öffentliche Selbsttötung eines perspektivlosen und gedemütigten Gemüsehändlers, Mohamed Bouazizi (vgl. faz.net, 9. 1. 2011). Offensichtlich hatte er mit seiner Tat einen Nerv der Gesellschaft getroffen, denn unter dem Motto „Wir alle sind Mohamed Bouazizi“ breiteten sich Massenproteste im ganzen Land aus und führten im Januar 2011 zum Sturz von Präsident Ben Ali. Der Funke sprang schnell über auf andere arabische Autokratien und entfachte dort ebenfalls Massenproteste, auch wenn der Kontext jeweils ein eigener war. Ägypten hat seit dieser Zeit eine besonders dynamische Entwicklung vollzogen. Zuerst wurde Präsident Mubarak nach Tagen eindrucksvoller Demonstrationen auf Kairos Tahrir-Platz am 11. Februar 2011 gestürzt und später vor Gericht gestellt. Da in der Folge insbesondere die den Muslimbrüdern nahestehende Freiheits- und Gerechtigkeitspartei die Wahlen zum Shura-Rat und der verfassungsgebenden Versammlung dominierte und der politisch ebenfalls dem islamistischen Lager angehörende Muhammad Mursi demokratisch ins Präsidentenamt gewählt worden war, wurde von säkularer und europäischer Seite eine zunehmende Islamisierung beziehungsweise Ikhwanisierung des Staatsapparates befürchtet. Wenige Wochen nach der Absetzung und Inhaftierung Mursis durch das ägyptische Militär nach nur einem Jahr Amtszeit im Juli 2013 wurde sein Vorgänger Mubarak trotz laufender Verfahren aus der Haft in den Hausarrest entlassen. Von einigen Seiten wird diese Entwicklung als ‚Zweite Revolution‘ interpretiert.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Internationale PolitikHelmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr HamburgHamburgDeutschland

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