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Einleitung

  • Peter Becker
Chapter

Zusammenfassung

Der Erfolg von Deutschland als einer der führenden Technologienationen der Welt ist in hohem Maße auf kreative, engagierte und erfahrene Mitarbeiter zurückzuführen. Die Veränderungen in den Märkten und bei Kundenbedürfnissen stellen Mitarbeiter insgesamt und Führungskräfte in besonderem Maße vor große Herausforderungen. Ein Faktor, der zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, ist die langfristige Gesundheit der Mitarbeiter. Ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist deshalb in vielen Unternehmen bereits etabliert, wobei die Zielgruppe der Führungskräfte als wichtige Schlüsselpersonen in der Umsetzung von BGM-Maßnahmen bisher eher eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Auch die Berücksichtigung eines holistischen Menschenbildes in den drei Dimensionen Leib, Seele und Geist resultierte in breiteren BGM-Maßnahmen und Initiativen mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit von immer älter werdenden Mitarbeitern langfristig aufrecht zu erhalten. Die zunehmende Digitalisierung der Wertschöpfungskette und die damit zusammenhängende vierte industrielle Revolution verstärkt die Notwendigkeit, sich mit Anforderungsprofil zukünftiger Führungskräfte (Führungskräfte 4.0) zu beschäftigen. Diesen Anforderungen sowohl auf Unternehmensseite als auch auf Führungskräfteseite gerecht zu werden heißt, sowohl operativ als auch strategisch proaktiv zu werden und sich als Organisation und Person verantwortlich, in Vorbildrollen, mit dem Thema auseinander zu setzen.

1.1 Gesundheit und Innovationen

Mit 1,133 Billionen € Umsatz hat Deutschland 2014 den höchsten Exportumsatz seiner Geschichte erzielt [8]. In vielen Branchen wie zum Beispiel im Maschinen- und Anlagenbau, in der Automobilindustrie oder in der Automatisierungstechnik hat Deutschland weltweit führende Marktpositionen erreicht und ist häufig technologischer Trendsetter. Vielfach sind es nicht die großen und weltweit bekannten Konzerne mit ihren innovativen Produkten und Dienstleistungen, sondern eine große Anzahl von kleinen und mittelständischen Unternehmen ist zu Weltmarktführern geworden – fast 1400 sogenannte „hidden champions“ zählt man in Deutschland dazu [9]. Diese Ergebnisse sind den Unternehmen nicht zugefallen, sondern Ergebnis einer konsequenten Markt- und Kundenorientierung und der Positionierung als Technologie- und Qualitätsführer. Innovationen waren und sind Treiber dieser Entwicklung, die durch hohe Investitionen in Bildung einerseits und in Forschung & Entwicklung andererseits möglich gemacht wurden. Im Kern sind es viele kreative Köpfe in den Unternehmen, die mit Begeisterung und Leidenschaft die technologischen Entwicklungen vorantreiben. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die Führungskräfte und zwar über alle Ebenen hinweg – vom Fachgruppen- oder Teamleiter angefangen bis hin zu den Vorständen, Geschäftsführern und Gesellschaftern. Sie tragen mit ihrem Wirken wesentlich dazu bei, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, damit Innovationen gedeihen und sich in gewinnbringende Produkte und Dienstleistungen überführen lassen.

Die in den vergangenen 20 Jahren zu beobachtenden Veränderungen haben Unternehmen immer wieder vor Herausforderungen gestellt. Länder-, Kultur- und Zeitzonen-übergreifende Zusammenarbeit, aus Niedriglohnländern kommende Wettbewerbsprodukte, stetig steigende Kundenanforderungen, immer schneller zu treffende Entscheidungen aufgrund zunehmend unsicherer Datenlage, geopolitische Veränderungen, Kampf um die besten Fachkräfte, zunehmend ältere Belegschaften, alters- und geschlechtsdiverse Teams, Verfall von Werten in der Gesellschaft, veränderte Lebensentwürfe usw. sind nur einige der Veränderungen, mit denen sich Unternehmen und speziell Führungskräfte zu befassen haben. Eine der vielleicht größten Herausforderungen geht mit der Digitalisierung (Internet, soziale Netzwerke etc.) einher. Die vierte industrielle Revolution – im Allgemeinen mit dem Begriff „Industrie 4.0“ tituliert – bringt einen Paradigmenwechsel in Bezug auf Führung mit sich, der m. E. seinesgleichen sucht [3]. Dadurch ist Führung um Größenordnungen anspruchsvoller geworden und erfordert ganz grundsätzlich ein Kompetenzprofil, das durch lebenslanges Lernen permanent erweitert bzw. angepasst werden muss. Das ist alles andere als einfach und kostet jeden Tag viel Kraft. Ein Aspekt des lebenslangen Lernens betrifft das Thema Gesundheit – insbesondere für Führungskräfte. Damit sind wir mitten im Thema des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) gelandet, das seit vielen Jahren mit mehr oder weniger großem Engagement von deutschen Unternehmen bearbeitet wird. Beim sorgfältigen Studium der publizierten Bücher, Studien, Fachartikel u. ä. kann man Folgendes beobachten:

  • Die Gruppe der Führungskräfte wird als eigene Zielgruppe des BGM kaum adressiert.

  • Der Begriff „Gesundheit“ wird in hohem Maße auf körperliche Gesundheit reduziert.

Diese Beobachtungen sind in mehrfacher Hinsicht problematisch. Führungskräfte sind wie jeder andere Mitarbeiter im Unternehmen Menschen, die Bedürfnisse haben und den täglichen Anforderungen in der Berufswelt genügen müssen. Jede Führungskraft ist in ihrer Rolle auch ein Geführter – der Vorstand hat einen Aufsichtsrat oder Aktionäre, der Geschäftsführer einen Beirat oder Gesellschafter und selbst ein Alleinunternehmer hat eine Person, die er führen muss: sich selbst!

Wenn die Aufrechterhaltung der Gesundheit aufgrund der o. g. Herausforderungen eine zunehmend wichtigere Aufgabe für Führungskräfte werden wird und es nicht damit getan ist, sich gesund zu ernähren und ein wenig Sport zu treiben, schafft nur eine gesamtheitliche Analyse der Aufgabe bzw. des Themas die notwendige Transparenz in Bezug auf die Handlungsfelder.

Gesundheit, das zeigen die einschlägigen Publikationen, inklusive renommierter Business-Magazine wie der „Harvard Business Manager“ [7], das „Manager Magazin“ [6], die „Wirtschaftswoche“ [1] oder das „Handelsblatt“ [4], ist längst auch auf der oberen Führungsebene angekommen. Meist werden aber einzelne Themen (z. B. Resilienz, Entspannungstechniken) isoliert behandelt – die Einbindung in eine gesamtheitliche Betrachtung fehlt. Gesundheit muss heute unter den Perspektiven Leib (körperliche Gesundheit), Seele (seelische Gesundheit) und Geist (kognitive Gesundheit) betrachtet werden – eine Reduktion auf die Perspektive körperliche Gesundheit reicht nicht aus, wenn man seine Leistungsfähigkeit als Führungskraft dauerhaft aufrechterhalten will. Wird das hinter diesen drei Gesundheitsperspektiven liegende Menschenbild nicht einbezogen, ignoriert man die Ganzheitlichkeit des Menschen und damit die wichtigen Wechselwirkungen der Perspektiven untereinander.

1.2 Gesundheit und Menschenbild

Die Einheit von Leib, Seele und Geist

Den Mensch ganzheitlich zu sehen und Gesundheit nicht ausschließlich auf das körperliche Befinden zu begrenzen, öffnet den Raum für zwei wichtige Teilaspekte des menschlichen Lebens: die Seele und den Geist (siehe Abb. 1.1):

Abb. 1.1

Die drei Elemente des Menschenbildes

Die Seele und der Geist werden beide im Gegensatz zum Körper gesetzt und stellen den nicht stofflichen Teil eines Menschen dar. Es gibt aber einen Unterschied zwischen Seele und Geist. Seele wird oft verwendet, um den sittlichen und unsterblichen Teil des menschlichen Wesens zum Ausdruck zu bringen – der spirituelle Anteil. In Unterscheidung zum Geist ist die Seele der Sitz meiner Werte, Normen, Vorstellungen vom Leben, meiner Motive, meines Verlangens und meiner Wünsche. Der Geist ist der höhere Teil des Menschen. Er kennzeichnet die bewusste Individualität und trennt den Menschen so von der untergeordneten Schöpfung. Hier sind unsere kognitiven Fähigkeiten mit Denken, Handeln und dem freien Willen beheimatet.

Die Differenzierung des Menschen in Leib, Seele und Geist und die daraus resultierende, oft sehr einseitig somatische Anamnese von gesundheitlichen Problemen bestimmte über viele Jahre die Therapie der klassischen Schulmedizin. Die Psychosomatik lässt sich aber bis in die Anfänge der Medizingeschichte zurückverfolgen. Auch die Philosophie setzt sich seit der Antike mit dem Leib-Seele-Problem auseinander. Im Buch der Bücher, der Bibel, wird in den Sprüchen Salomos im Alten Testament die Psychosomatik ebenfalls kurz erwähnt: „Ein fröhliches Herz bringt gute Besserung, aber ein zerschlagener Geist vertrocknet das Gebein.“ (Spr. 17, 22; Elberfelder Bibel 1871). Es dauerte aber noch viele Jahre (ab ca. 1935), bis die psychosomatische Medizin mit eigener systematischer, wissenschaftlicher Forschung begann. In Deutschland wurde 1950 mit finanzieller Unterstützung der Rockefeller Foundation in Heidelberg die erste Abteilung für psychosomatische Medizin eingerichtet (unter Leitung von Alexander Mitscherlich). Neuere Studien offenbaren verblüffende Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche: Nicht nur kann seelisches Leid der Gesundheit schaden, auch der Körper steuert umgekehrt unsere Gefühle [5].

Um Führungskräfte gesund zu halten, gibt es seit vielen Jahren unzählige Veröffentlichungen und Bücher – wer zum Beispiel mit den Stichwörtern „BGM“ und „Führungskräfte“ googelt, bekommt nach Bruchteilen einer Sekunde bereits mehr als 66.000 Treffer. Bei Amazon-Büchern das Suchwort „BGM“ eingeben liefert sofort über 250 Publikationen. Bei einer näheren Betrachtung vieler Publikationen, auch in der Fachpresse, scheint eine Tendenz (Anzahl und Zeitpunkt der Veröffentlichungen) sichtbar zu werden:

  • Thema Nr. 1 = LEIB

    körperliche Gesundheit (Fitness, Ernährung, Bewegung u. ä.)

  • Thema Nr. 2 = GEIST

    kognitive Gesundheit (Zeitmanagement, Komplexitätsreduktion, Resilienz, Burnout-Prävention usw.)

  • Thema Nr. 3 = SEELE

    seelische Gesundheit (Spiritualität, Achtsamkeit, Meditation, usw.)

Die Bedeutung der seelischen Gesundheit unter der Überschrift „Spiritualität“ hatte in den 1990er Jahren einmal Hochkonjunktur und wurde von vielen Management-Experten diskutiert. Ohne wirkliche nachhaltige Wirkung verschwand das Thema dann aber schnell wieder. Im Herbst 2011 griff das renommierte Magazin „managerSeminare“ in seiner November-Ausgabe das Thema wieder auf: „Spiritualität, ein Begriff, der früher häufig im Wirtschaftsleben als esoterisches Klimbim abgetan wurde, wird entmystifiziert“ [2]. Spiritualität im spezifisch religiösen Sinne steht dagegen immer für die Vorstellung einer geistigen Verbindung zum Transzendenten, dem Jenseits und der Unendlichkeit. Spiritualität im christlichen Verständnis beinhaltet das Gefühl von tiefer Verbundenheit mit der Schöpfung, insbesondere die Verbundenheit mit dem Schöpfer aller Dinge, mit Jesus und seiner Lehre. Für Thomas Metzinger, deutscher Philosoph und Professor für theoretische Philosophie an der Universität Mainz, ist Spiritualität als Erkenntnisprozess durch vier Eigenschaften charakterisiert:

  1. 1.

    nicht-theoretisch (also durch praktische Erfahrung gewonnen),

     
  2. 2.

    nicht-propositional (keine Aussagen mit einem logischen Wahrheitsgehalt),

     
  3. 3.

    nicht-kognitiv (es geht nicht um gedankliche Einsichten) und

     
  4. 4.

    nicht-diskursiv (die Erkenntnis ist sprachlich nicht kommunizierbar, sie kann höchstens angedeutet werden).

     

Die ganzheitliche Betrachtung der drei Perspektiven Leib, Seele und Geist – ohne die eine wichtiger als die andere darstellen zu wollen – ist eines der Anliegen dieses Buches. Aus diesem Grund kommen auch Vertreter aller Perspektiven zu Wort.

1.3 Gesundheit als strategische Führungsaufgabe verstehen – Führungskraft 4.0

Die meisten Führungskräfte werden sich ihr ganzes Leben nicht bewusst, dass sie nur eine Person zu führen haben, nämlich sich selbst.

(Hans. H. Hinterhuber – österreichischer Wirtschaftswissenschaftler)

Mit dieser ursprünglich von Peter F. Drucker stammenden Aussage wird deutlich, dass der sorgsame Umgang mit der eigenen Gesundheit nichts mit Egoismus zu tun hat. Ganz im Gegenteil wird ein achtsames, wertschätzendes Verhalten einer Führungskraft mit sich selbst durch die Vorbildfunktion für die anvertrauten Mitarbeiter überaus positive Auswirkungen auf das Unternehmen haben. Weitere Einsichten in die gesamtheitlich Gesundheit beeinflussenden Faktoren gewinnt man, wenn neben dem Menschenbild auch Kompetenzen, Lebensaufgaben und Beziehungen betrachtet werden, also insgesamt vier verschiedene Blickrichtungen eingenommen werden (siehe Abb. 1.2).

Abb. 1.2

Gesundheit und ihre unterschiedlichen Beeinflussungsgrößen

Das der Blickrichtung Kompetenzen zugrunde liegende Modell setzt sich aus vier verschiedenen Teilen zusammen: Fachkompetenzen, Arbeits- und Organisationskompetenzen, interpersonale Kompetenzen und intrapersonale Kompetenzen. Alle vier müssen bedacht werden und sind wichtig, wenn es darum geht, als Führungskraft auch langfristig gesund zu bleiben und nicht überfordert zu werden. Die Passung von Person, Position und Situation greift Professor Berg in seinem Beitrag (siehe Kap.  17) auf. Näheres zu den Kompetenzen finden Sie in meinem eigenen Beitrag (siehe Abschn.  12.4).

Der Blickwinkel Beziehungen, näher ausgeführt in meinem eigenen Beitrag (siehe Abschn.  12.3), greift die Beziehung zu mir selbst (Frage nach meiner Identität), zur Welt (Ehe, Familie, Freunde usw.) und zu einer höheren Kraft/Dimension auf, die ich zunächst allgemein als „Gott“ bezeichnen möchte. Dahinter verbergen sich die in allen Menschen zu findenden Fragen nach dem Sinn der individuellen Existenz: Woher komme ich? Wozu bin ich hier? Was kommt nach dem Tod? Hier geht es also um spirituelle Aspekte menschlichen Lebens, die ebenfalls eine weithin unterschätzte Auswirkung auf die Gesundheit haben.

Unter Lebensaufgaben sind Bereiche menschlichen Lebens zu verstehen, die u. a. Grundbedürfnisse der Menschen (Umgang mit mir selbst, soziale Beziehungen usw.) und spirituelle Fragestellungen betreffen. Unbewusste Vernachlässigung einzelner Aspekte und damit unbefriedigte Bedürfnisse oder unbeantwortete Fragen in einem Teilbereich führen oft zu einer überkompensatorischen und damit ungesunden Überbetonung eines anderen Teilbereichs. Nähere Informationen hierzu finden Sie in meinem Beitrag (siehe Abschn.  12.5).

Die einzelnen Aspekte beeinflussen sich gegenseitig. Nimmt die Arbeit – eine der Lebensaufgaben – einen übergroßen Stellenwert ein, werden wichtige Teilaspekte im Menschen – zum Beispiel der Körper (Leib) – vernachlässigt. Dies hängt meist mit unterentwickelten Kompetenzen im Bereich der Selbstverantwortung – eine weitere Lebensaufgabe – zusammen und geht in der Regel mit stark vernachlässigten Beziehungen einher.

Jeder Aspekt dieser gesamtheitlichen Sicht bedarf nun einer weiteren Verfeinerung, mit deren Hilfe es dann möglich ist, Lösungskonzepte, „best-practice“-Handlungsempfehlungen und Erfahrungsberichte einzuordnen.

Sich mit allen Facetten der vier Perspektiven zu beschäftigen und damit Eigenverantwortlichkeit für seine Gesundheit zu übernehmen, ist für die Führungskraft der Zukunft, die ich Führungskraft 4.0 nennen will, keine Option mehr, sondern dringend geboten. Das immer wieder zitierte lebenslange Lernen, meist mit Fokus auf die Erweiterung der Fachkompetenzen, Arbeits- und Managementtechniken u. ä, muss vor diesem Hintergrund viel stärker als bisher auch die interpersonalen und intrapersonalen Kompetenzen einschließen.

Diese gesamtheitliche Sicht vor Augen geht es in diesem Buch darum,

  • Mut zu machen, über das Thema „Gesundheit“ mit Fokus Führungskräfte zu sprechen und es aktiv in die strategische Unternehmensplanung (HR-Strategie) aufzunehmen,

  • dafür zu sensibilisieren, dass Gesundheit weit mehr umfasst als Rückenschulung, gesunde Ernährung und Joggen,

  • deutlich zu machen, dass auch Führungskräfte Menschen sind, die an Grenzen kommen, und ihnen die Möglichkeit eingeräumt werden muss, sich der Gesamtverantwortung ihrer Lebensaufgaben zu stellen (Frage der Unternehmenskultur),

  • Mut zu machen, sich der eigenen Verantwortung für Gesundheit zu stellen und sich

    nicht als Opfer des Systems mit keinen alternativen Handlungsoptionen zu fühlen und

  • durch die vielen Konzepte, Praxisbeispiele und Erfahrungsberichte konkrete Impulse für erste Veränderungsschritte zu vermitteln.

Wenn Sie, lieber Leser/liebe Leserin zu denjenigen zählen, die sich in ihrer Führungsrolle absolut wohlfühlen, eine Top-Performance haben und alles irgendwie „unter einen Hut“ bringen, sollten Sie dennoch vorsichtig sein. Unsere Gefühle, wenn wir sie denn wahrnehmen, sind oft keine guten Indikatoren in Bezug auf die Frage, ob wir uns auf einem guten Weg befinden oder längst auf Kosten unserer Gesundheit leben. Die Beiträge der einzelnen Autoren könnten gerade für Sie besonders erhellend sein.

Das Buch ist in fünf Sektionen aufgeteilt, die jeweils einer anderen Perspektive oder einem Teilgebiet des Themas „Führungskräftegesundheit“ gewidmet sind:

  1. 1.

    Perspektive WISSENSCHAFT

     
  2. 2.

    Perspektive LEIB – körperliche Gesundheit

     
  3. 3.

    Perspektive GEIST – kognitive Gesundheit

     
  4. 4.

    Perspektive SEELE – spirituelle Gesundheit

     
  5. 5.

    Perspektive PERSON und ORGANISATION

     

Vor wenigen Jahren noch fast undenkbar, ist das Thema „Sinnsuche“ oder im Kontext der gesamtheitlichen Betrachtung von mir genannten „Spirituellen Gesundheit“ mittlerweile in den Top-Führungsebenen der deutschen Wirtschaft angekommen und ist Gegenstand eines eigenen Kapitels geworden. Wie die eigene Seele durch innere Balance und Achtsamkeit in der Mitte gehalten werden kann, adressieren mehrere Autoren. Dabei werden fernöstliche Meditationstechniken genauso wie christliche Grundordnungen einer gesunden Lebensführung behandelt. Mit Hinweisen zu Hilfsmöglichkeiten und dem Umgang mit Sinnkrisen berichten Führungskräfte aus eigenen Erfahrungen.

Diesen Beobachtungen und den daraus abgeleiteten Defiziten Rechnung tragend, haben sich insgesamt fünfzehn Experten aus verschiedenen Disziplinen wie Wirtschaft, Medizin, Psychologie, Spiritualität zusammen auf den Weg gemacht und das Thema „Führungskräftegesundheit“ gesamtheitlich oder holistisch betrachtet und aus ihren jeweiligen Fachgebieten berichtet. Dabei werden sowohl theoretische, konzeptionelle Informationen vermittelt als auch eine Menge wichtiger Praxiserfahrungen und Handlungsempfehlungen weitergegeben. Ihnen, dem Leser/der Leserin, wird dadurch die Möglichkeit gegeben, sich umfassend zu informieren und sich mit denjenigen Perspektiven näher zu beschäftigen, die für Sie interessant sind. Jeder Autor ist mit seinen biografische Daten und Kontaktdaten erwähnt, so dass ein einfacher Zugriff auf weiterführende Informationen möglich ist.

  1. 1.

    Perspektive WISSENSCHAFT

     

Hendrik Hüttermann (Universität St. Gallen) beleuchtet das Thema EXECUTIVE HEALTH in der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion und berichtet über den Einfluss von Führung auf die psychische Gesundheit. Der Autor zeigt den Handlungsbedarf und die Wichtigkeit des Themas Gesundheit für die Zielgruppe der Führungskräfte auf und berichtet Resultate von Untersuchungen, die am Institut für Führung und Personalmanagement (IFPM) durchgeführt wurden.

  1. 2.

    Perspektive LEIB – körperliche Gesundheit

     

Armin Lutz von der danova GmbH geht auf die Vorbildfunktion einer Führungskraft ein und welche Bedeutung die physische Fitness hat. In einer prägnanten und alltagstauglichen Übersicht werden Lösungsansätze vorgestellt, die sich gut in den Führungsalltag integrieren lassen. Jürgen Rieke unterstreicht in seinem Beitrag die Bedeutung erfüllter Grundbedürfnisse: Sie sind die beste Prophylaxe gegen psychosoziale Störungen und deren psychosomatische Folgen. Überraschend sein Hinweis über den Humor und seine unvergleichlichen Effekte gerade in komplexen sozialen Situationen am Arbeitsplatz. Robert von Känel gibt in seinem Beitrag einen umfassenden und ausführlichen Überblick über stressbedingte Krankheiten und deren körperliche Symptome. Durch den Aufbau von Kompetenzen im Stressmanagement und durch salutogenetische Bemühungen auf individueller und betrieblicher Ebene können die körperliche Gesundheit und das Gesundheitsverhalten von Angestellten, welche Arbeitsstress empfinden, erhalten und verbessert werden. Welche fatalen Auswirkungen der Rückgriff auf Medikamente oder andere Substanzen zur Bewältigung der täglichen Belastungen bei Führungskräften haben kann, ist Hauptthema im Beitrag von Götz Mundle. An konkreten Beispielen aus der Führungspraxis wird die Problematik eines nicht wahrgenommenen oder ignorierten, krank machenden Lebensstils deutlich und Auswege aus der Krise aufgezeigt. Jürgen Mette zeigt mit seinem authentischen Lebensbericht, wie man als Führungskraft mit starken gesundheitlichen Problemen umgehen lernen kann. Dass sich vorbildliche Führungsarbeit erst wirklich am Ende einer Karriere und in der Art und durch die Folgen des „Abgangs“ zeigt, wird in seinem Beitrag lebensnah und nachvollziehbar deutlich.

  1. 3.

    Perspektive GEIST – kognitive Gesundheit

     

Simone Janson adressiert in ihrem Beitrag das wichtige Thema Selbstmanagement. Aus ihren vielfältigen Kontakten abgeleitet zeigt sie auf, wie sich Arbeitsorganisation und Produktivität im digitalen Zeitalter verändern. Von den Erfolgreichen kann man lernen und Erfolgsfaktoren ableiten. Wem sich die Frage „Wie erkenne ich denn, ob ich bloß ein bisschen abgespannt und ausgepowert oder bereits ausgebrannt bin?“ stellt, findet im Beitrag von Matthias Burisch praxisnahe Hinweise zur deren Beantwortung. Angegebene Quellen weisen dann den Weg zu mehr Informationen über Burnout-Prävention und -Bekämpfung. Denise Mourlane zeigt in seinem Beitrag, dass Resilienz mehr ist als die Fähigkeit mit Druck, Rückschlägen und Ungewissheit umzugehen, sondern ein Synonym für Psychologische Stärke insgesamt ist. Mathias Onken berichtet als von einem Burnout betroffener über sein Leben und die Auswege bzw. den Umgang mit seiner Krankheit.

  1. 4.

    Perspektive SEELE – seelische Gesundheit

     

Peter Becker entwickelt durch verschiedene Aspekte eines gesamtheitlich-christlich orientierten Menschenbildes auf der einen Seite und durch die Übertragung kybernetischer, systemischer Gesetzmäßigkeiten auf der anderen Seite neue Einsichten und Lösungsansätze für ein gesundes Führungskräfte-Leben in Balance. Wie wichtig eine innere Balance und die Achtsamkeit im Management geworden sind, zeigt der Beitrag von Gregor Wilbers. Die Bedeutung einer ganzheitlichen Orientierung und einer klaren Haltung wird herausgestellt. Er zeigt auf, wie die Anwendung von spirituellen Prinzipien im Managementalltag eine kraftvolle Vereinfachung des Arbeitslebens und die Erlösung aus Konkurrenz und Kontrolle bewirken kann. Wie stark Gesundheit auch von geistlich-spirituellen Einflussgrößen abhängt, wird im Beitrag von Friedrich Assländer deutlich. Dass Religion und der christliche Glaube in der Tat einen weithin unterschätzen positiven Einfluss auf Gesundheit hat und was Führungskräfte ganz konkret von Mönchen lernen können, sind Schwerpunkte seines Beitrags. Meditation ist mittlerweile eine von vielen Führungskräften praktizierte Methode, mit Stress besser umzugehen. In Form eines Erfahrungsberichtes behandelt Paul Kohtes die Zen-Meditation als Basis eines neuen Selbstverständnisses für Führungskräfte. Alexander Poraj berichtet über seinen Weg als Führungskraft, die nach dem Sinn sucht. Was Sinn ist und wie man durch ein ganzheitliches Wahrnehmen des Hier und Jetzt seine Führungsleistung verbessern kann, wird in seinem anschaulichen und mit Übungen versehenen Beitrag deutlich.

  1. 5.

    Perspektive PERSON und ORGANISATION

     

Christoph Berg weist in seinem Beitrag auf die wichtige Bedeutung der Passung zwischen der Person (Führungskraft), der Position (Aufgabe) und der Situation hin. Eine für alle Führungskräfte wichtige Reflexionsfrage lautet: „Ist dies zu diesem Zeitpunkt die richtige Position für mich?“ Um zu einer guten Antwort zu kommen, wird auf die Wichtigkeit eines möglichst unverstellten Blickes auf die momentanen Positionsanforderungen, auf die Handlungsspielräume, auf die Fähigkeiten, auf Motivation und Durchhaltevermögen (Volition) sowie auf das eigene Selbstkonzept hingewiesen.

In ihrem Abschlussbeitrag stellen der Herausgeber Peter Becker und sein Kollege Benjamin Haas den Wert der Führungskräfte als wertvollste Unternehmens-Ressource besonders heraus. Vorläufige Ergebnisse einer Studie, in der Führungskräfte und Personalverantwortliche zum Thema Gesundheit befragt wurden, zeigen sehr deutlich, dass man auf dem Weg zu einem in einer digitalisierten Welt unbedingt notwendigen neuen Führungsverständnis unter Einbezug der Gesundheit der Führenden noch einen langen Weg vor sich hat.

Literatur

  1. 1.
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  2. 2.
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  4. 4.
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  5. 5.
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  6. 6.
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  7. 7.
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  8. 8.
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  9. 9.
    Müller, A. (2015). Der Stolz der Sieger. Handelsblatt (3.8.2014). http://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/hidden_champions/weltmarktfuehrer-der-stolz-der-sieger/10258854.html. Zugegriffen: 12. Feb. 2015.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.Steinbach & PartnerNürnbergDeutschland

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