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Grundfragen und theoretische Zugänge (Waren und Preise, Bedarf und Produktion)

  • Paul KellermannEmail author
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Part of the essentials book series (ESSENT)

Zusammenfassung

Der führende Wirtschaftsphilosoph des klassischen Altertums, Aristoteles (384–322 v. Chr.), erkannte, dass Geld – gleichgültig in welcher Form – eine andere Wertschätzung erfuhr als die Sache, die mit Hilfe von Geld die Besitzer wechselt; er unterschied zwischen Tauschwert – dem Preis – und Gebrauchswert – dem Nutzen – eines Guts: „Die Benützung eines jeden Besitztums ist eine doppelte und beide Male wird das Besitztum als solches, aber als solches nicht in der gleichen Weise, benutzt, sondern die eine Art von Benutzung ist die dem Gegenstand eigentümliche, die andere nicht. Z. B. den Schuh kann man benützen zum Anziehen aber auch als Tauschmittel. Denn beides sind wirklich Benützungsweisen des Schuhs, insofern auch der, welcher einem anderen, der eines Schuhs bedarf, einen solchen für Geld […] zum Tausch gibt […].“ (Aristoteles 1968 [ ~350 v. Chr.], S. 24 f.) Diese Unterscheidung von Gebrauchswert und Tauschwert wurde im Laufe des Nachdenkens über Geld immer wieder zu einem besonderen Mittel des Verständnisses marktbezogenen Handelns verwendet. Im 18. Jahrhundert wurde sie prominent von Adam Smith, dem „Vater“ der modernen Wirtschaftslehre, im 19. Jahrhundert von Karl Marx, dem hervorragenden Analytiker des industriellen Kapitalismus, vertreten. Doch Aristoteles problematisierte bereits eine andere Frage des Tauschs eines Guts gegen Geld: Was ist der gerechte Preis? Die Betonung der „Gerechtigkeit“ verweist darauf, dass die Ethik in früheren Zeiten wesentlicher Gesichtspunkt bei der Betrachtung sozialer Vorgänge und Verhältnisse war; freilich auf der Grundlage einer als natürlich angenommenen Gesellschaftsordnung – im Stadtstaat Athen zum Beispiel die Gliederung seiner Bewohner nach Bürgern, metoiken (Zugewanderte und freigelassene Sklaven) und Sklaven.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SoziologieAlpen-Adria-Universität KlagenfurtKlagenfurtÖsterreich

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