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Der Mensch als Bewährungssucher – Versuch einer systematischen Einführung des Begriffs der Bewährung in die Sozialwissenschaft

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Zusammenfassung

Boris Zizek verfolgt die These des Menschen als Bewährungssucher in phylo- und ontogenetischer Perspektive mit dem Ziel einer systematischen Grundlegung einer sozialisationstheoretischen Perspektive auf menschliche Motivation weiter. Zu diesem Zweck werden zunächst etymologisch und aktuell die Bedeutungsaspekte des Begriffs Bewährung expliziert. Wann wird im wissenschaftlichen Kontext von Bewährung gesprochen?

In ontogenetischer Perspektive wird auf einen universalen Bewährungsdrang hingewiesen. Auf der Grundlage der kulturhistorischen Bewährungsformation des missionarischen Subjekts, die in der Figur des Robinson Crusoe exemplarisch gestaltet ist, wird die Bewährungsperspektive mit benachbarten klassischen Subjektkonzepten der Psychoanalyse, der Wirtschafts- und der Sozialwissenschaften kontrastiert, um ihre Spezifizität weiter zu konturieren.

Auf der Grundlage dieser theoretischen Differenzierung werden aktuelle Verwendungen des Begriffs der Bewährung in sozialisations- und professionalisierungstheoretischen Kontexten einer integrierenden Betrachtung unterzogen. Schließlich wird im Sinne eines Fazits Bewährung als sozialwissenschaftlicher Grundbegriff skizziert, indem aufgezeigt wird, welches Phänomen mit diesem Begriff bisher mehr implizit anvisiert wurde.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität HamburgHamburgDeutschland

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