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Sozialisationsprozesse als Dynamik der Strukturgesetzlichkeit der ödipalen Triade und als Prozesse der Erzeugung des Neuen durch Krisenbewältigung

  • Ulrich OevermannEmail author
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Zusammenfassung

Ulrich Oevermann stellt in seinem umfangreichen Kapitel mit Rekurs auf den genetischen Strukturalismus jene Elemente zusammen und begründet dies, die sozialisatorische Entwicklung vollumfänglich ausmachen, wobei ein Schwerpunkt auf der Erzeugung und Entstehung des Neuen liegt, das sich im Laufe der humanen Krisenbewältigung als zentral bedeutsam erwiesen hat. Das Wechselspiel von Krisenbewältigung und Entstehung des Neuen scheint bereits im Zusammenhang der Evolution des biologischen Lebens auf, so dass sich von dort eine Linie bis hin zu rezenten Prozessen sexueller Reproduktion und sozialisatorischer Entwicklung ziehen lässt. In diesem Kontext spielt neben der Ausbildung der Sprache das ‚Inzest-Tabu‘ eine ausschlaggebende, nicht hoch genug einzuschätzende Rolle.

Im Verlaufe der Diskussion wird ebenfalls nachvollziehbar, wie sich der phylogenetische Übergang von der Paarung zum Paar vollzieht, und wie der Mann vom Vater zum Gatten im Sinne seiner Familiarisierung wird. In der Rekonstruktion dieser Entwicklung wird die Strukturgesetzlichkeit des Geschehens, der Prozess der Individuierung, insbesondere am Beispiel der ödipalen Triade im Rahmen der Kernfamilie, verbunden mit einer Semantik der Liebe, ebenso erkennbar wie der fortlaufende Prozess des Entstehens und Lösens von Krisen, zentral relevant sichtbar an den vier großen biographischen Ablösungskrisen, der für die immerwährende Entstehung des Neuen steht.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a. M.Frankfurt a. M.Deutschland

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