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Politische Imaginative. Vom Narrativ der Öffentlichkeit zu transnationalen Diskursräumen

  • Annette KnautEmail author
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Zusammenfassung

Sozialwissenschaftliche Begriffe sind nicht voraussetzungslos, sondern lassen sich als Imaginative kennzeichnen, in denen historisch gewachsene Kategorien forschungsprägend zum Ausdruck kommen. Ein solch wirkmächtiges Imaginativ äußert sich im Begriff der Öffentlichkeit, der in den zeitgenössischen Diskursen der Wissenschaft und Praxis immer wieder zu vernehmen ist. In der Literatur werden allerdings unterschiedliche Bezeichnungen für Meta-Konzepte verwendet, die auf die Beschreibung der performativen Kraft sozialwissenschaftlicher Begriffe abzielen. In diesem Beitrag wird argumentiert, dass dieser Sachverhalt mit dem Begriff des Imaginativs theoretisch-konzeptionell geschärft werden kann. Basis der begrifflichen Schärfung ist ein konstruktivistisch-wissenssoziologischer Ansatz, der die Frage nach der Konstituierung von Wissensordnungen stellt, wie sie in Wissenschaft und Gesellschaft für Kommunikationen grundlegend sind. Welche Wissensordnungen über ein Imaginativ vermittelt werden, hängt von den historisch gewachsenen Wahrnehmungs- und Deutungsmustern sowie von den jeweils etablierten Werten und Symbolen, ab.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Lehrstuhl für Soziologie (Prof. Dr. Reiner Keller)Universität AugsburgAugsburgDeutschland

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