Einleitung, Hintergründe, Absichten

Chapter

Zusammenfassung

Vermutlich ist den meisten Leserinnen und Lesern am Ende des Textes auf der rückwärtigen Umschlagseite etwas aufgefallen: Er enthält drei inhaltliche Hinweise. Das ist, wie man sich denken kann, Absicht. Diese Form der Ankündigung nimmt nämlich die seit wenigen Jahren der Zeitungen und Zeitschriften beliebte Praxis auf, in den Vorspännen zu Interviews genau drei Hinweise auf den folgenden Inhalt aufzulisten. Warum das so ist, weiß niemand. Es ist eben so. Weil das so ist, machen es die meisten so. Drei ist offensichtlich der in eine Zahl gefasste Zeitgeist. Meist kommt eines der drei im Vorspann angerissenen Themen wie eine angedeutete Pirouette daher, ein kleines semantisches Tänzchen sozusagen. Die anderen beiden sind dann von ernsthafter Erdenschwere. Nur einige Beispiele: Thomas Stroble etwa redete in der Frankfurter Allgemeinen „über Schwiegervater Wolfgang Schäuble, Mittagessen bis 17 Uhr und die normale Homo-Ehe“. Die Sängerin Cecilia Bartoli sprach in der Zeit „über tragische Frauenrollen, passende Schuhe und italienische Politik“, Lothar Bisky „über Linkssein, seine Auswanderung in die DDR und Stasi-Vorwürfe gegen einen Genossen“. Irgendjemand anders äußerte sich „über schwierige Zeiten und Glücksmomente, über Stärke in einer Phase der eigenen Schwäche“. In der Welt las man ein Gespräch mit Bruno Pavlovsky (Kreativer bei Chanel) „über Haute Couture, China und die Notwendigkeit, Geschichten erzählen zu können“. Wenige Tage später sah sich wohl die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung besonders herausgefordert und sprach mit „Thomas de Maizière über das Ansehen der Truppe, Liebe in der Ehe und Langeweile im Job“, mit dem „Komiker Matze Knop über Parodien, Perücken – und warum niemand über den echten Beckenbauer lacht“, dem Videokünstler Douglas Gordon über „Ängste, Religionen und seine Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Don de Lillo“, und mit der „Schauspielerin und Entertainerin Bette Middler über Rock-‚n‘-Roll-Lifestyle, autoritäre Erziehung und das Geheimnis einer langen Ehe“.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

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  1. 1.HamburgDeutschland

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