Erneuerte Beruflichkeit. Entwicklungs- und Karrierewege von Industriekaufleuten in der Investitionsgüterindustrie

  • Tabea Bromberg
  • Thomas Haipeter
  • Angelika Kümmerling

Zusammenfassung

Die erste Phase unseres Forschungsprojektes zu Entwicklungs- und Karrierewegen von Angestellten hat deutliche empirische Befunde für den hohen Stellenwert der Beruflichkeit für die Entwicklungs- und Karrierewege von Angestellten im Einzelhandel zu Tage gefördert (Voss-Dahm 2011; Franz 2011). Die berufliche Erstausbildung im Einzelhandel ist nicht nur unbestrittene Grundlage der Ausbildung und Personalrekrutierung. Sie eröffnet auch und noch immer überaus gute Chancen, in den Hierarchien der Einzelhandelsunternehmen in Führungsfunktionen und sogar in die oberen Ränge des Managements aufzusteigen. Für die Besetzung von Führungspositionen nutzen Unternehmen inzwischen zwar zunehmend eine Kombination von Ausbildung und Studium (duales Studium) sowie ergänzende Qualifikationen; die externe Rekrutierung von Hochschulabsolventen spielt jedoch nach wie vor keine nennenswerte Rolle, weil interne Aufstiegswege dominieren. Die Beschäftigungssysteme der Unternehmen sind auf der Grundlage von Beruflichkeit weitgehend geschlossen. Eine wichtige Einschränkung für die interne Karrieremobilität besteht jedoch mit Blick auf die unterschiedlichen Entwicklungschancen von Männern und Frauen. Der Einzelhandel weist hohe Beschäftigungsanteile von Frauen auf; allerdings arbeitet ein großer Teil der Frauen in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, von denen aus weder weitere Kompetenzentwicklung noch betrieblicher Aufstieg möglich sind. Ein erheblicher Teil des Qualifikationspotenzials der Branche bleibt für Personalentwicklung und Karriere ungenutzt. Das mögliche Problem knapper Karrierepositionen wird auf Kosten der Frauen gelöst.

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  • Tabea Bromberg
  • Thomas Haipeter
  • Angelika Kümmerling

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