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Die Leistungsfeststellung – Leistungsgarant oder notwendiges Übel?

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Part of the Lernweltforschung book series (LWF, volume 12)

Zusammenfassung

Die Feststellung eines erfolgten Lernfortschrittes und dessen Codierung durch eine Note ist auch im 21. Jahrhundert ein polarisierendes Thema. Einerseits ist speziell im deutschen Sprachraum die Benotung ein Fakt, welcher seit Jahrhunderten praktiziert und weitergegeben wird. Andererseits haben Generationen von SchülerInnen unter Notendruck und ungerechten Noten gelitten, und ihr weiterer Werdegang wurde dadurch massiv beeinflusst. Somit ist zu hinterfragen, ob Noten lediglich die gezeigte Leistung feststellen sollen, oder ob mithilfe von Noten auch gesellschaftliche Selektion betrieben wird. Letzteres mit dem Hintergrund, neue Eliten zu schaffen?

Rein puristisch betrachtet stellen Noten lediglich ein Messinstrument dar, um einen Lernerfolg zu messen bzw. zu diagnostizieren. Streng genommen merken Sloane und Dilger (The competence clash – Dilemmata bei der Übertragung des ‚Konzepts der nationalen Bildungsstandards‘ auf die berufliche Bildung. Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 2005) an, dass von einer im Rahmen einer Prüfung gezeigten Leistung auf das bestimmte Vorhandensein einer Kompetenz geschlossen wird. Nimmt man diesen kritischen Zugang ernst, so trifft dieser Schluss auf eine Kompetenz nur zu, wenn es sich um ein valides Messinstrument handelt.

Im österreichischen Fachhochschulbereich sind Art und Ausmaß der Leistungsbeurteilung auch gesetzlich im FHStG definiert und festgelegt, wobei die nähere Ausgestaltung einer Lehrveranstaltung im Wesentlichen durch die Lehrenden selbst definiert wird. Darüber hinaus wird im vorliegenden Artikel auch die Frage aufgeworfen, ob im FH-Bereich ebenfalls die Tendenz vorherrscht, die Studierenden tendenziell zu kritisch zu beurteilen. Beispielsweise erschien in der Tageszeitung „Die Presse“ am 25.11.2012 ein Artikel, der postulierte, dass die WU-Studierenden zu schlecht benotet würden und somit im internationalen Wettbewerb weniger Chancen auf adäquate Masterplätze hätten. Herrscht diese Tendenz auch an den Fachhochschulen vor oder geht es in diesem Segment in die konträre Richtung, wonach Studierende zu positiv bewertet werden? Welche Rolle spielt hierbei die Pro-Kopf-Finanzierung bzw. der hohe Anteil von externen Lehrenden im Regelbetrieb? Darüber hinaus soll der Artikel auch einen möglichen lernförderlichen Einfluss der Leistungsbeurteilung beleuchten.

Die Fülle der Leistungsfeststellungen an Hochschulen wird von Studierenden und Lehrenden vielfach als lästige Pflicht wahrgenommen. Werden diese allerdings didaktisch kompetent erstellt und die richtigen Schlüsse daraus gezogen, können sie massiv zur Qualität der Ausbildung beitragen.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.FH KremsKremsÖsterreich

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