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Altern und Generationen bei hoher Lebenserwartung

  • François Höpflinger
Part of the Springer NachschlageWissen book series

Aufbau

Chronologisches Alter ist eine zentrale sozio-demographische Variable, die zwar einfach zu erfassen ist, jedoch inhaltlich mehrere Dimensionen umfasst. In einem ersten Schritt werden deshalb zentrale konzeptuelle Differenzierungen der Variable ‚Alter‘ angeführt. Dabei wird deutlich, dass die üblichen Indikatoren zur demographischen Alterung auf kritisierbaren Annahmen beruhen. Dies wird deutlich, wenn fixe und dynamische Konzepte zur Messung der demographischen Alterung verglichen werden. In einem zweiten Schritt werden Prozesse der vertikalen und horizontalen Differenzierung des Alters in Gesellschaften mit hoher Lebenserwartung diskutiert. Einerseits zeigt sich eine verstärkte Differenzierung der späteren Lebensphasen (Unterscheidung zwischen drittem und viertem Lebensalter). Andererseits ist das höhere Lebensalter durch eine ausgeprägte Heterogenität sowie durch Prozesse sozialer Selektivität gekennzeichnet, was beispielsweise zur ‚Feminisierung des Alters‘ beiträgt. In einem dritten Schritt werden intergenerationelle Auswirkungen der Langlebigkeit – erhöhte gemeinsame Lebensspanne familialer Generationen, ausgedehnte Kohortendifferenzen und neue Konstellationen familialer Pflegegenerationsbeziehungen – ausgeführt. Zum Abschluss werden gesellschaftliche Folgen hoher Lebenserwartung angesprochen.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Soziologisches Institut, Universität ZürichZürichSchweiz

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