Radikale Innovationspotenziale mit dem Flughöhenmodell entdecken

  • Hans Lercher
  • Manfred Peritsch
  • Andreas Rehklau

Abstract

Die Bestimmung der Betrachtungsebene bzw. die Ausweitung der eigenen bisherigen Sicht hat weitreichende Auswirkungen auf den Innovationssuchraum, aber auch auf das kollektive Verständnis und die Kultur eines Unternehmens. Daher ist es für die strategische, aber auch operative Innovations-Arbeit wichtig, den derzeitigen Innovationsdenkraum zu hinterfragen und gezielt die versteckten Randzonen zu beleuchten. Dabei kann das hier beschriebene Modell aufzeigen, dass wichtige, branchen-revolutionierende Entwicklungen bei der momentanen, eigenen Flughöhe nicht erkannt werden und die potenzielle Gefahr besteht, dass Angreifer aus oberen Flughöhen die eigene Branche gänzlich auf den Kopf stellen. Und auch die Frage nach den eigenen Kompetenzen wird anhand der Notwendigkeit, die sich aus einer nächsthöheren Flughöhe ergibt, gezielter gestellt. Dabei sei noch einmal erwähnt, dass es nicht das Streben nach der nächsthöheren ausmacht, sondern sich durch die, über der eigenen Flughöhe liegenden Ebenen anregen zu lassen, die Gefahren und Chancen aus diesen abzuleiten und in die eigene Unternehmensentwicklung einfließen zu lassen. Für das Entwickeln neuer Innovationen ist es gerade in der frühen Phase von großer Bedeutung, den Innovationsdenkraum ausreichend aufzuspannen, jedoch sich gleichzeitig nicht in Beliebigkeit zu verzetteln.

Ein neues Verständnis hilft nicht nur die eigene Positionierung zu bestimmen, sondern hilft auch, (noch) fernliegende Wettbewerber zu identifizieren. Zugleich werden zu beobachtende Trends offengelegt und damit Marktfelder in den Betrachtungsfokus gerückt, welcher sonst übergangen würde.

Dabei spielt die Abstraktion als dahinterliegendes Denkmuster eine wichtige Rolle. Das Denken in Funktionen hilft, dem Zweck auf die Spur zu kommen und so das avisierte Oberziel anzupeilen.

Mit dem Blick auf die Handlungsebene offenbaren sich jedoch nicht nur Perspektiven, sondern es bieten sich mehr Anlagerungspunkte für das kreative Denken. Das systematische Ausdifferenzieren des erarbeiteten Suchraumes kann sehr direkt und umfassend zu einem ganzheitlichen Lösungsraum anregen. Aus diesen ersten Variationen lassen sich also neue Produkte aber auch neue Kunden ableiten. Mit innovativen Leistungsmerkmalen können sogar bisherige Nicht-Kunden entdeckt werden.

So unterstützt das Flughöhenmodell das frühe, systematische Herangehen an Innovationsvorhaben bereits in der frühesten Phase und liefert zugleich eine Legende zur weiteren strategischen Suche. Zentraler Zweck des Modells ist dabei, dass sich Unternehmen und Institutionen verorten können. Das heißt, dass erkennt werden kann, wie breit der Innovationsdenkraum im Unternehmen ist, und damit auch der Mindset der Mitarbeiter. Wenn das gesamte Unternehmen nur in einer der unteren Ebenen denkt, handelt, entwickelt und verkauft, ist die Gefahr groß, dass zu eingeschränkt innoviert wird, dass Lösungen aus den übergeordneten Ebenen die eigenen Produkte überholen.

Nachfolgendes Beispiel eines Rasenmäherherstellers soll dies alles nochmals verdeutlichen: Der Sprung auf die Ebene „Wirkfunktion“ liefert Anregungen zu neuen Lösungen des „Abschlagens von Grashalmen“ und hilft beim Loslassen des Denkmusters „Rasenmäher mit Benzin- oder Elektromotor“. Der Sprung auf die Ebene „Zweck aus Sicht des Kunden“ hilft zu erkennen, dass ein stets gekürzter Rasen auch über andere Lösungen als einen Rasenmäher erreicht werden kann, zum Beispiel durch Gras, das nicht höher wächst als nur wenige Zentimeter/der „No-mow-lawn“.

Der Sprung auf die Ebene „Handlung des Kunden“ hilft zu erkennen, dass es noch viele andere Dinge im Garten gibt, die man dem Kunden verkaufen kann, um ihm zu helfen, den Garten zu bearbeiten.

Und der finale Sprung auf die Ebene „Oberziel“ hilft zu erkennen, dass es vielen Kunden eventuell gar nicht um die Arbeit im Garten geht, sondern darum, eine schöne Gartenanlage zu genießen.

Somit sind bspw. Möglichkeiten gegeben, Gartenmöbel oder ähnliches aber auch Dienstleistungen anzubieten - eine Ausweitung hin zu einem offensiven Innovationsdenkraum, in dem neue Produkte und neue Geschäftsbereiche skizziert werden können, die dann durch systematische Bearbeitung den Innovationsfokus auf potenzialreiche Gebiete für die gesamte Unternehmung lenken können.

Keywords:

Innovationsdenkraum Vision Kultur strategische Orientierung Innovationspotenziale 

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

Authors and Affiliations

  • Hans Lercher
  • Manfred Peritsch
  • Andreas Rehklau

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